Deutscher Gewerkschaftsbund

Honorarkraft + Minijob

Guten Tag,

Ich bin derzeit auf Minijob Basis bei einem Arbeitgeber als Kellner angestellt. Dort wurde ich auch in der Minijob-Zentrale auf geringfügiger Basis angemeldet. Ich darf bis zu 450€ im Monat verdienen. Meisten verdiene ich aber weniger. Ich kann mir quasi aussuchen wann ich arbeiten will.

Zusätzlich habe ich nun die Möglichkeit an meiner Uni Nachhilfe auf Honorarkraft Basis zu geben.

Meine Fragen: Kann ich die Honorkraft-Stelle annehmen ohne steuerliche Abzüge zu haben? Oder was wird wie versteuert? Wie viel dürfte ich maximal verdienen um nichts zu versteuern? Oder sollte ich den Minijob ggf kündigen, weil ich als Honorarkraft mehr verdienen könnte? Gibt es eine Grenze wenn ich beide Jobs parallel ausüben möchte? Und zu guter letzt: muss ich eine Steuererklärung machen? Dies habe ich noch nie getan... oder ist diese nur ab einer gewissen gewissen notwendig?

Zur Info: ich erhalte kein Kindergeld mehr, bin Student und wohne bei meinen Eltern.

Vielen lieben Dank !!

Daniel : 29.03.2018 18:56:35 |
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  • RE: Honorarkraft + Minijob

    Hallo Daniel,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Zunächst zur Orientierung: Ein Minijob ist eine abhängige Beschäftigung, Tätigkeiten auf Honorarbasis sind selbstständige Tätigkeiten. Generell können selbstständige Tätigkeiten mit einem Minijob kombiniert werden, ohne, dass sich am Minijobstatus etwas verändert. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge

    Um die für dich vermutlich relevantesten Grenzen zu beleuchten ist es zunächst einmal wichtig, die Bereiche Sozialversicherung und Steuern getrennt zu betrachten.

    Was die Steuern angeht, so gibt es für die Einkünfte aus abhängiger Beschäftigung und den Gewinn (nicht Umsatz!) aus selbstständigen Tätigkeiten einen gemeinsamen Einkommenssteuersatz und einen gemeinsamen jährlichen Freibetrag. Dieser liegt derzeit bei 9.000€ im Jahr (Stand 2018), d. h. nur derjenige Teil des Jahreseinkommens der diesen Freibetrag übersteigt muss versteuert werden.
    Zusätzlich wird das Einkommen aus abhängiger Beschäftigung noch um 1.000€ Werbungskostenpauschale „bereinigt“ und vom Umsatz aus selbstständiger Tätigkeit kannst du eventuelle Betriebsausgaben abziehen.

    Um herauszubekommen, für welchen Teil deiner Einkünfte du Steuern zahlen musst, kannst du also vom Jahreseinkommen im Minijob 1000€ pauschal abziehen und von den Einkünften auf Honorarbasis Betriebsausgaben. Was dann übrig bleibt und 9.000€ Freibetrag übersteigt, wird besteuert.

    Eine Steuererklärung musst du machen, wenn du abhängige und selbstständige Beschäftigung kombinierst und in der Selbstständigkeit mehr als 410€ pro Jahr (!) Gewinn machst. Außerdem sobald du vom Finanzamt dazu aufgefordert wirst. Mehr zum Thema Steuern und Steuererklärung hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb

    Im Bereich Sozialversicherung ist als Studi zunächst einmal v.a. die wöchentliche Arbeitszeit relevant. Arbeitest du – in allen Tätigkeiten zusammengerechnet – regelmäßig mehr als 20h/Woche, so giltst du in der Sozialversicherung nicht mehr als Studierende_r, sondern als reguläre_r Beschäftigte_r. Wobei es einige Ausnahmen gibt, v.a. für Tätigkeiten in den Abend- und Nachtstunden, am Wochenende sowie in den Semesterferien. Wichtig dabei ist zu beachten, dass evt. bei Honorartätigkeiten mehr Arbeitszeit angenommen wird, als z.B. die tatsächlich Präsenz bei der Nachhilfe, da beispielsweise von Vor- und Nachbereitungszeiten ausgegangen wird.

    Solange du regelmäßig nicht mehr als 20h/Woche arbeitest, giltst du weiter als Studierende_r und musst dich weiter studentisch krankenversichern.

    Alles dazu kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

    Wichtig zu beachten ist weiterhin, dass auch mit dem Status Studierende_r in der Sozialversicherung die Rentenversicherungspflicht gilt. Im Minijob ist es möglich, sich davon befreien zu lassen. Geringfügige selbstständigen Tätigkeiten, d.h. unter 450€/Monat sind ebenfalls alle von der Rentenversicherung befreit. Über 450€/Monat sind aber bestimmte selbstständige Tätigkeiten rentenversicherungspflichtig, dazu zählen auch erzieherische und lehrende https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgw. Das kann u.U. sehr teuer werden, da es bei Selbstständigkeit keine_n Arbeitgeber_in gibt, mit dem du dir die Beiträge teilen würdest.

    Solltest du dich entschließen, selbstständige tätig zu werfen, so empfiehlt sich ein Blick in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium, dort findest du z.B. eine Checkliste, wem du was melden musst und wie du korrekt Rechnungen schreibst: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​p6n

    Übrigens: Für die Rechte und Pflichten in der Gastronomie haben die Kolleg_innen von der NGG eine Broschüre zusammengestellt, diese findest du hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ps8

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße,
    Valentin
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 18.04.2018 11:06:58


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