Deutscher Gewerkschaftsbund

Job / Honorarkraft Auswirkungen auf Studentenstatus

Hallo,

ich studiere in Vollzeit (Master 10. Semester). Ab Juni werde ich 20 h in der Woche als wissenschaftliche Mitarbeiterin arbeiten. Somit dürfte dieses Wochenpensum keine Auswirkungen auf meinen Studentenstatus haben?
Zusätzlich habe ich die Möglichkeit ab Mai - August (insgesamt 4 Monate) auf Honorarbasis 7-10 h in der Woche tätig zu sein. Somit hätte ich dann zwei Nebenjobs - den einen als Arbeitnehmer, den anderen als Honorarkraft. Inwiefern hat die wöchentliche Arbeitszeit von ca. 27 h Auswirkungen auf meinen Studentenstatus (bzw. Versicherungen etc.)? Und gibt es Unterschiede hinsichtlich der unterschiedlichen Anstellungsverhältnisse auf den Studentenstatus?

Vielen Dank!

Anna: 26.03.2018 15:45:49 |
Tags:
  • RE: Job / Honorarkraft Auswirkungen auf Studentenstatus

    Hallo Anna,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss. Dort bist und bleibst du Studentin, solange du immatrikuliert bist.

    Welche Auswirkungen welche Jobkombi in den unterschiedlichen Bereichen Steuern und Sozialversicherung hat, hängt maßgeblich von der Art und dem Umfang der einzelnen Beschäftigungen und der jeweiligen sowie gesamten Einkommenshöhe ab.

    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV):

    Arbeitest du als Vollzeit immatrikulierte Studentin nicht mehr als 20h/Woche, wirst du in der SV als Werkstudentin angemeldet. Das bedeutet, dass von deinem Gehalt nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV) eingezogen werden, nicht aber in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV). Krankenversichern musst du dich dann selbst auf eigene Kosten und arbeitslosenversichert bist du gar nicht.
    Kosten: 9,3% RV vom Gehalt + eigene KV/PV (studentisch ca. 90€/Monat)

    Arbeitest du mehr als 20h/Woche, wirst du als Arbeitnehmerin angemeldet. Dann werden von deinem Gehalt anteilig Beiträge in die RV, KV, PV und AV abgeführt.
    Kosten: Insgesamt knapp 20% SV-Abgaben vom Gehalt, keine weiteren Kosten für KV/PV.

    Dabei werden die SV-Einzüge nur auf dein Gehalt aus der abhängigen Beschäftigung fällig. Einkünfte aus selbstständiger Arbeit/Honorarbasis werden getrennt betrachtet (dazu weiter unten mehr), die Arbeitszeit wird jedoch aus allen Tätigkeiten zusammengerechnet.

    Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger als der Status als Werkstudentin. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I).

    Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.

    Von dieser 20h-Regel gibt es dann auch noch Ausnahmen, nach denen du mehr als 20h/Woche arbeiten kannst, ohne dass sich dein Status von Werkstudentin auf Arbeitnehmerin verändert.
    Dies ist z.B. der Fall, wenn durch befristete Beschäftigungen die über den 20h/Woche liegende Arbeitszeit auf Wochenende, nachts oder die Semesterferien fällt.
    Wie das bei dir mit der Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit dann eingestuft wird, musst du bei deiner Krankenkasse nachfragen. Auch wenn dein Auftrag erstmal nur auf 4 Monate begrenzt ist, kann es sein, dass die KV das als dauerhaft aufgenommene Tätigkeit beurteilt (es könnten ja auch noch Folgeaufträge dazukommen).

    Mehr hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi und hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina

    Wenn du als Honorarkraft tätig bist, bist du sehr wahrscheinlich selbstständig tätig. Du bist dann quasi deine eigene Chefin und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung zuständig. Auch für das Abführen von Steuern und ggf. SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung).
    Solange du als nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst, kannst du dich während des Studiums weiterhin studentisch krankenversichern (da ist die Pflegeversicherung automatisch mit drin). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz
    Wirst du durch die Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit voll sozialversicherungspflichtig im abhängigen Job, bist du darüber krankenversichert und musst keine Beiträge in die studentische KV zahlen.

    Beachte, dass für dich als Selbstständige die üblichen Arbeitnehmer_innenrechte wie Kündigungsschutz, Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder bezahlten Urlaub nicht gelten. Deshalb empfehlen wir, bei Honorarverhandlungen für selbstständige Tätigkeiten mind. das Doppelte dessen zu veranschlagen, was du in einer vergleichbaren Angestelltentätigkeit für einen angemessenen Stundenlohn hältst.
    Ob sonst noch eventuell versteckte Kosten auf dich zukommen können, hängt von der genauen Art deiner Tätigkeit ab. Ggf. brauchst du ein Gewerbe, eine Berufshaftpflicht oder musst Mitglied einer Kammer werden.
    Zudem sind bestimmte selbstständige Tätigkeiten rentenversicherungspflichtig (z.B. freiberuflich ausgeübte Lehrtätigkeit) mit 18,6%. Liegt dein Gewinn unter 450€/Monat, musst du in der Regel aber keine RV darauf bezahlen.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgf sowie in unserer Broschüre „Selbstständigkeit und Studium“ https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​pyC

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 16.04.2018 13:27:40


Neue Antwort

Die mit '*' gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.



Ich habe die DGB-Jugend Datenschutzerklärung gelesen.

WIR IM SOCIAL WEB