Deutscher Gewerkschaftsbund

Zwei Jobs während des Studiums unter 20h/Woche aber über 450 Euro/Monat

Hallo liebes S@W-Team!

Ich habe eine Frage zum Arbeiten während des Studiums. Neben meinen Masterstudium arbeite ich als wissenschaftliche Hilfskraft an der Uni für 8h/Woche und zudem bei einer Firma mit monatlich schwankenden Arbeitsstunden und damit auch schwankendem Einkommen.

Mit beiden Jobs zusammen bleibe ich unter 20h/Woche, verdiene in Summe aber mehr als 450 Euro/Monat. Der Unijob wird nach Steuerklasse I besteuert, das Einkommen liegt unter 450 Euro. Beim zweiten Job versteuere ich das Einkommen per Pauschalsteuer von 2 Prozent. Ich achte darauf, dass beide Einkommen in Summe pro Monat nicht mehr als dreimal jährlich über 735 Euro liegen, also der Freibetrag nicht überschritten wird. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung bin ich als Student pflichtversichert.

Nun die Frage: Ist das alles so ohne weiteres möglich? Habe ich etwas übersehen und muss etwa mit höheren als den jetzigen Steuerabgaben rechnen? Werden eine oder beide Beschäftigungen sozialversicherungspflichtig, wenn ich mehr als dreimal über 735 Euro/Monat verdiene? Oder wird dann nur mehr Einkommenssteuer fällig?

Vielen Dank!

Max: 29.12.2017 23:55:33 |
  • RE: Zwei Jobs während des Studiums unter 20h/Woche aber über 450 Euro/Monat

    Hallo Max,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Gleich zu deiner ersten Frage: Zwei Jobs neben dem Studium auszuführen ist auf jeden Fall möglich. Die Grenze für die maximal zu arbeitende Zeit gibt dabei das Arbeitszeitgesetz vor (regelmäßig 40h pro Woche bei einer 5-Tage-Woche und 48h pro Woche, wenn du sechs Tage die Woche arbeitest: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQj).

    Bei deiner Job-Konstellation gibt es zwei Bereiche, die zu beachten sind. Das sind (1) Steuern und (2) Sozialversicherung.

    (1) Zu den Steuern:
    Im Jahr 2018 liegt der Einkommenssteuerfreibetrag bei runden 9.000 € im Jahr. Für abhängig Beschäftigte kommen sogar noch 1.000 € Werbungskostenpauschale dazu. Damit kannst du im Jahr 2018 bis zu 10.000 € verdienen, ohne Einkommenssteuer zahlen zu müssen. Erst bei darüber liegendem Einkommen zahlst du für den Betrag, der 10.000 € überschreitet, Einkommenssteuer ( https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQB).

    Soviel zur Theorie. Denn es gibt dabei eine Ausnahme. Wer mehrere Beschäftigungen innehat, kann in aller Regel nur eine davon in den Steuerklassen 1-5 versteuern. Für die andere(n) wird die Steuerklasse 6 fällig (und im Falle des Übersteigens der Freibeträge damit ein höherer Steuersatz).

    Wird von einem Minijob jedoch die Pauschalversteuerung von 2 Prozent abgezogen, so zählt dieser nicht mehr in die Berechnung der Einkommenssteuer. Allerdings können diese eingezahlten Steuern auch dann nicht durch eine Steuererklärung zurückgeholt werden, wenn die jährlichen Freibeträge nicht überschritten werden. Wer also weniger im Jahr verdient, als Freibeträge zur Verfügung stehen, hat durch die 2 Prozentabgabe einen Nachteil.

    Um dies zu vermeiden, kann durch Angabe der Steuer-Identifikationsnummer die Pauschalsteuer umgangen werden (dann wird der Job regulär besteuert). Wird dann der Einkommenssteuerfreibetrag auf beide Beschäftigungsverhältnisse aufgeteilt (durch Antrag beim Finanzamt), so kann sogar ein monatlicher Abzug von Steuern bei den Beschäftigungsverhältnissen der Stufe 6 bewirkt werden. Mehr Informationen zu Freibeträgen findest du hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQB und zur Teilung von Freibeträgen sowie zur Pauschalversteuerung findest du hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQn.

    (2) Zur Sozialversicherung:
    Grundsätzlich ist ein Beschäftigungsverhältnis sozialversicheungspflichtig, sobald es nicht geringfügig ist (geringfügig sind Beschäftigungsverhältnissen, die entweder bei max. 450 € Monatsverdienst liegen ( https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge) oder aber zeitlich auf aktuell 3 Monate bzw. 70 Arbeitstage begrenzt sind ( https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhU)).

    Arbeitest du maximal 20h pro Woche (oder bleibst in den Ausnahmen), so hast du das studentische Erscheinungsbild in der Sozialversicherung ( https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi). Hierbei sind die 20h eine harte Grenze. Kommst du darüber, wirst du in der Sozialversicherung als Arbeitnehmer*in behandelt und zahlst prozentual von deinem Bruttolohn in die Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung ein. Bei höchstens 20h wöchentlicher Arbeit in abhängiger Beschäftigung kannst du dich in der studentischen Kranken- und Pflegeversicherung versichern. Hier gibt es dann keine Einkommensgrenze (nur die 20h pro Woche Arbeit sowie eine Altersgrenze von 30 Jahren und 14 Fachsemestern - jeweils sind Ausnahmen möglich). Weitere Informationen hierzu findest du unter: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz.

    Wie alle Arbeitnehmer*innen mit einem Verdienst von mehr als 450 € monatlich zahlst du Beiträge in die Rentenversicherung. Mit dem studentischen Erscheinungsbild musst du jedoch keine Beiträge in die Arbeitslosenversicherung abführen ( https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQe).

    735 € ist ein Satz aus der Düsseldorfer Tabelle, die Unterhaltsansprüche regelt. Ansonsten ist mir sowohl steuerlich als auch sozialversicherungsrechtlich keine Grenze dieser Höhe bekannt.

    Für die Steuer sind der Freibetrag von 9.000 € und die Werbungskostenpauschale von 1.000 € relevante Größen - sowie die Frage nach der Pauschalversteuerung. Für die sozialversicherungsrechtliche Beurteilung ist vor allem interessant, ob du mehr als 20h wöchentlich arbeitest.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich auch persönlich in unserem Büro bei dir vor Ort beraten lassen ( https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​p1M) oder dich gerne wieder an uns wenden.

    Schöne Grüße,
    Marco

    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork.

    S@W: 12.02.2018 10:22:21


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