Deutscher Gewerkschaftsbund

Werkvertrag - Welche Abgaben muss ich in welcher Höhe leisten?

Guten Tag,

ich fange zum 01.01.2018 einen Werkvertrag über ein Jahr an einer Berliner Hochschule an. Dort arbeite ich 60 Stunden im Monat und bekomme dafür eine monatliche Vergütung von 750€. Weitere Einkommen werde ich 2018 geplant nicht haben.

Bisher war ich über meine Familie versichert und musste nicht selbstständig Abgaben leisten. Eine Steuerklärung musste ich wegen einer vergangen Tätigkeit als Werkstudent schon einmal einreichen.

Nun zu meiner Frage:

Da ich über den Werkvertrag selbstständig bin, muss ich mich selber um die Entrichtung meiner Abgaben kümmern.
Da 2018 die Steuergrenze 9000€ beträgt, muss ich keine Einkommenssteuer zahlen, richtig?

Wie sieht das mit den anderen Abgaben aus? Wenn ich alles richtig verstanden habe, muss ich mich selbst versichern in der sogenannten "freiwilligen Versicherung". Außerdem müsste ich alle Beiträge, die bei einer normalen Anstellung auf den Arbeitgeber entfallen, selbst begleichen.

Die Beiträge zur Krankenversicherung sind meines Wissens nach monatlich anfallend und gehen direkt an die Krankenkasse. Wohin müsste ich die restlichen anfallenden Beiträge entrichten und in welchem Abstand?
Wie kann ich berechnen, wie hoch meine Abgaben für diesen Werkvertrag wären?

Vielen Dank schon mal im Voraus für die Beratung!

MfG, Robin.

Robin: 19.12.2017 16:19:46 |
  • RE: Werkvertrag - Welche Abgaben muss ich in welcher Höhe leisten?

    Hallo Robin,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Ganz genau, wer auf Grundlage eines Werkvertrags arbeitet, geht einer selbstständigen Tätigkeit nach. Die Selbstständigkeit ist auch beim Finanzamt anzumelden, um die passende Steuernummer zu erhalten ( https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgy).

    Nun zu den Abgaben. Diese gliedern sich in Sozialversicherungsbeiträge und Einkommenssteuer.

    Auch in puncto Einkommenssteuer ( https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQB) liegst du richtig. Wer unter 9.000 € verdient, muss keine Einkommenssteuern zahlen. Zwar gilt für Selbstständige nicht die zusätzliche Werbungskostenpauschale (da die nur für abhängig Beschäftigte ist), jedoch könnte für dich die Übungsleiterpauschale infrage kommen (zumindest, wenn du eine dafür adäquate Tätigkeiten ausübst - das sind in erster Linie Seminartätigkeiten). Die Übungsleiterpauschale bedeutet, dass bis zu 2.400 € Einkommen im Jahr sowohl einkommensteuerfrei als auch sozialversicherungsfrei ist, wenn man bei einer öffentlich-rechtlichen oder als Bildungsträger*in anerkannten Institution arbeitet. Mehr Informationen hierzu findest du hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgd.

    Zum Thema Sozialversicherung:
    Grundsätzlich ist hierbei relevant, ob du in der Sozialversicherung ein studentisches Erscheinungsbild oder das eines Selbstständigen hast. Zählst du in der Sozialversicherung als Student*in, so fällst du unter die Werkstudent*innenregelung. Hierfür ist entscheidend, dass nicht mehr als 20h pro Woche (Ausnahmen u.a. bei Nacht- und Wochenendarbeit, wenn das Beschäftigungsverhältnis auf 26 Wochen begrenzt ist) abhängig beschäftigt bist.

    Für selbstständige gibt es leider keine so klare Regelung für das studentische Erscheinungsbild. Die Krankenkassen legen hierbei unterschiedliche wöchentliche Höchstarbeitszeiten an, da noch Vor- und Nacharbeiten bei selbstständig Tätigen angenommen wird. Daher liegt die Grenze der wöchentlichen Arbeitszeit bei Selbstständigen hier tiefer (oft zwischen 12 und 18 Stunden pro Woche). Wie hoch die Grenze in deinem Fall konkret ist, erfährst du bei deiner Krankenversicherung.

    Solltest du in der Sozialversicherung das studentische Erscheinungsbild weiterhin behalten, so sind die Voraussetzungen erfüllt, dass du studentisch krankenversichert sein kannst (in der Regel bis zur Vollendung des 30. Lebensjahres oder aber bis zum Ende des 14. Fachsemesters).

    Zwar ist dein Einkommen zu hoch, um in der Familienversicherung zu bleiben. Aber die studentische Krankenversicherung weist zumindest im Vergleich zur freiwilligen Krankenversicherung günstigere Beiträge auf. Die freiwillige Krankenversicherung wird schließlich dann relevant, wenn du die Voraussetzungen für die studentische Kranken- und Pflegeversicherung nicht mehr erfüllst. Mehr Informationen zum Thema Krankenversicherung findest du hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz.

    Die Krankenkassenbeiträge gehen dann in jedem Falle direkt an die Krankenversicherung.

    Unter Umständen sind ab einem monatlichen Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit von mehr als 450 € noch Beiträge in die Rentenversicherung zu zahlen. Ob dies der Fall ist hängt (neben der Verdiensthöhe von mehr als 450€ pro Monat) von der Art der Tätigkeit ab. Hier hilft die Clearingstelle der Deutschen Rentenversicherung weiter.

    Besteht keine Rentenversicherungspflicht, ist eine freiwillige Zahlung in die Rentenversicherung möglich. Auch der Abschluss einer Unfallversicherung ist möglich.

    Mehr Informationen zum Thema Selbstständigkeit und Sozialversicherung findest du hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgw.

    Die Höhe deiner Abgaben hängt davon ab, ob du freiwillig oder studentisch krankenversichert bist und ob Beiträge für die Rentenversicherung anfallen. Nur wenn du mehr als 9.000 € verdienen solltest, musst du Einkommenssteuer für den Teil des Einkommens zahlen, der die 9.000 € übersteigt.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich auch persönlich in einem unserer Büros bei dir vor Ort beraten lassen ( https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X2y) oder dich gerne wieder an uns wenden.

    Schöne Grüße,
    Marco

    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 12.02.2018 09:42:01


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