Deutscher Gewerkschaftsbund

Kombination Werkstudent / Minijob

Hallo!
Ich habe eine Frage bzgl der Kombination von Minijob und der Arbeit als Werkstudent.
Wenn ich jetzt theoretisch einen Minijob habe, bei dem ich 8 Monate im Jahr 9 Std pro Woche und 2 Monate im Jahr 19 Std pro Woche arbeite, kann ich dann zusätzlich in den anderen beiden Monaten noch einen Job als Werkstudent annehmen, bei dem ich auch 19 Std pro Woche arbeite?
Beim Minijob wäre ich mit den 9 Std pro Woche noch unter der 450 €-Grenze, und laut Krankenkasse ist es kein Problem, dass ich im Minijob in zwei Monaten dann drüber bin (mit den 19 Std).
Die Frage ist halt nur, ob ich das jetzt auch mit dem Werkstudenten-Job kombinieren kann, oder ob ich dann aus der Familienversicherung rausfliege?

Vielen Dank und viele Grüße,
Anna

Anna: 01.12.2017 19:58:23 |
Tags:
  • RE: Kombination Werkstudent / Minijob

    Hallo Anna,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Die von dir gestellten Fragen betreffen unterschiedliche Bereiche mit unterschiedlichen Regelungen.

    Familienversicherung:
    Die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung beträgt 435€/Monat (das entspricht ca. 518€/Monat brutto) ODER 450€/Minijob. Verdienst du mehr, musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern (ca. 90€/Monat). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz

    Minijob:
    Du kannst im Minijob nur dann problemlos in zwei Monaten mehr als 450€/Monat verdienen, wenn dies nicht vorhersehbar war, z.B. weil du spontan für eine erkrankte Kollegin eingesprungen bist. Wenn du von vornherein planst in 2 Monaten mehr zu arbeiten und so im Durchschnitt über 450€/Monat kommst, dann ist der ganze Job kein Minijob mehr und Einkommen draus wird sozialversicherungspflichtig. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge

    Werkstudent_in:
    Hierbei handelt es sich um einen Status innerhalb der Sozialversicherung (SV), den du innehast, wenn du Vollzeit immatrikuliert bist und regelmäßig nicht mehr als 20h/Woche arbeitest. Hierbei wird die Arbeitszeit aus allen Jobs zusammengerechnet.

    Der Status bedeutet, dass von deinem Gehalt aus abhängiger sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung (>450€/Monat, nicht kurzfristig) nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV) eingezogen werden, nicht aber in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV und AV). Krankenversichern musst du dich dann selbst auf eigene Kosten und arbeitslosenversichert bist du gar nicht.
    Kosten: 9,3% RV vom Gehalt + eigene KV/PV (studentisch ca. 90€/Monat). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

    Arbeitest du mehr als 20h/Woche, wirst du als Arbeitnehmerin angemeldet. Dann werden von deinem Gehalt anteilig Beiträge in die RV, KV, PV und AV abgeführt.
    Kosten: Insgesamt knapp 20% SV-Abgaben vom Gehalt, dafür keine weiteren Kosten für KV/PV.
    Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger als der Status als Werkstudentin. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina

    Für die Abrechnung des Minijobs ist es egal, ob du im anderen Job als Arbeitnehmerin oder als Werkstudentin angemeldet bist. Die Regelungen für Minijobs sind unabhängig vom Studierendenstatus. Hier ist nur die Einkommensgrenze von 450€/Monat relevant, dann fallen auf dein Minijobgehalt nur 3,6% Rentenversicherungsbeiträge an, darüberhinaus sind Minijobs sozialversicherungsfrei. Von der RV kannst du dich im Minijob auch befreien lassen, erwirbst dann aber dementsprechend auch keine Rentenansprüche daraus.

    Solltest du in beiden Jobs nicht mehr als jeweils 450€/Monat verdienen, handelt es sich bei beiden um geringfügige Beschäftigungen/Minijobs. Diese werden in der Sozialversicherung (SV) zusammengerechnet. Kommst du dann insgesamt auf über 450€/Monat, entfällt der Minijobstatus für beide Jobs.
    Solange du mit beiden Jobs zusammen insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest, wirst du in beiden dann als Werkstudentin angemeldet. Dann fallen auf beide Gehälter je 9,3% Rentenversicherungsbeiträge an.
    Kommst du mit beiden Jobs auf über 20h/Woche, wirst du in beiden im Arbeitnehmer_innenstatus voll sozialversicherungspflichtig angemeldet und abgerechnet.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße,
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 11.01.2018 16:30:41


  • RE: Kombination Werkstudent / Minijob

    Liebes Team,

    ich bin aktuell bei einem Arbeitgeber auf Midijobbasis als Werkstudent angestellt.
    Arbeite dort max. 12 h pro Woche, da ich nebenbei noch einen Minijob ausübe für 8 h/ Woche.
    Mehr darf ich ja nicht, da ich sonst bei Arbeitgeber Nr. 1 meinen Werkstudentenstatus verliere.

    Frage Nummer 1: ist es eigentlich eher von Vorteil, sich bei Arbeitgeber Nr 2 als Minijobber oder eher als Werkstudent anstellen zu lassen? Als Werkstudent läuft mein Verdienst dann auf Steuerklasse 6, wohingegen der Minijob mit 2% pauschal besteuert wird bzw. bei Glück ich gar keine Lohnsteuer zahlen muss (falls es der AG übernimmt), korrekt?
    Der Stundenlohn wäre bei beiden Varianten gleich hoch und ich würde schätzen, dass es sich aufgrund der anfallenden Lohnsteuer in Steuerklasse 6 finanziell besser rechnet, sich als Minijobber anzustellen, da der Verdienst ohnehin unter 450 bliebe. Ist das so richtig gedacht?
    Mit AG Nr. 2 hatten wir über ein weiteres Arbeitsverhältnis als Werkstudent statt Minijobber nur nachgedacht, weil ich dann ja die Möglichkeit hätte in der vorlesungsfreien Zeit mehr als die 8 h / Woche zu arbeiten und entsprechend mehr verdienen zu können.

    Frage Nummer 2: Ich habe nun noch ein weiteres eventuelles Jobangebot für die Semesterferien im Nachtdienst. Welche Art von Anstellung wäre hier dann möglich? Kann ich dieses dritte Jobangebot in den Ferien überhaupt annehmen (ich darf ja während der Ferien Vollzeit arbeiten) oder könnte dies zu Problemen mit AG Nr. 1 führen, der mich als Werkstudent angestellt hat?
    Was muss ich hier bei Job Nummer drei alles beachten ohne mit den anderen beiden Arbeitgebern Probleme zu bekommen?
    Komme ich bei Job Nr. 3 dann überhaupt um Steuerklasse 6 drum rum?
    Muss der mich dann auch als Werkstudent anstellen?
    Oder könnte er mich auch als normalen sv-pflichten AN anstellen?
    Informieren würde ich natürlich alle übereinander.

    Ich würde mich über eure Antwort sehr freuen.
    Viele Grüße,
    Bine

    Bine: 03.07.2018 17:19:27


  • RE: Kombination Werkstudent / Minijob

    Hallo Bine,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss. Dort bist und bleibst du Studentin, solange du immatrikuliert bist.

    Beim sogenannten Werkstudent_innenstatus handelt es sich um einen Status innerhalb der Sozialversicherung (SV), den Vollzeitstudent_innen i.d.R. immer dann innehaben, wenn sie nicht mehr als 20h/Woche arbeiten https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

    Arbeitest du als Vollzeit immatrikulierte Studentin nicht mehr als 20h/Woche, wirst du in der SV als Werkstudentin angemeldet. Das bedeutet, dass von deinem Gehalt nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV) eingezogen werden, nicht aber in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV). Krankenversichern musst du dich dann selbst auf eigene Kosten und arbeitslosenversichert bist du gar nicht.
    Kosten: 9,3% RV vom Gehalt + eigene KV/PV (studentisch ca. 90€/Monat, ggf. "freiwillig" mind. 140€/Monat)

    Arbeitest du mehr als 20h/Woche, wirst du als Arbeitnehmerin angemeldet. Dann werden von deinem Gehalt anteilig Beiträge in die RV, KV, PV und AV abgeführt.
    Kosten: Insgesamt knapp 20% SV-Abgaben vom Gehalt, keine weiteren Kosten für KV/PV.

    Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger als der Status als Werkstudentin. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina

    Doch nun zu deinen konkreten Fragen:
    Frage 1: Wie du bei einem Job angemeldet wirst, kannst du dir nicht selber aussuchen. Je nach Umfang und Art der Beschäftigung, je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du entsprechend der gesetzlichen Regelungen in der Sozialversicherung angemeldet werden.
    Der Werkstudent_innenstaus greift nur bei sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen (>450€/Monat, nicht kurzfristig).
    Verdienst du in einem Job nicht mehr als 450€/Monat, musst du als Minijobber_in angemeldet werden.

    Minijobs können entweder pauschal mit 2% oder über deine Steuer-ID versteuert werden.
    Wird der Minijob pauschal versteuert, zählt das Gehalt daraus nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden.
    Nur wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort in Steuerklasse 6 und wirst entsprechend besteuert.
    Welche Variante für dich günstiger kommt, hängt davon ab, was du insgesamt verdienst und was du eventuell an Werbungskosten, Sonderausgaben, Vorsorgeaufwendungen oder zusätzlichen Freibeträgen geltend machen kannst.
    Die Pauschalsteuer kannst du nämlich nicht mit einer Steuererklärung zurückbekommen, über die Steuer-ID zu viel eingezogene Steuern aber schon. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb

    Frage 2: Auch hier kommt es darauf an, welche Kriterien dein Job erfüllt. Handelt es sich vielleicht um eine kurzfristige Beschäftigung? Wenn ja, ist das Gehalt daraus komplett sozialversicherungsfrei, aber steuerpflichtig (entweder pauschal mit 25% oder über die Steuer-ID in Lohnsteuerklasse 6). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhU
    Eine sozialversicherungspflichtige plus eine kurzfristige Beschäftigung plus ein Minijob können problemlos nebeneinander ausgeübt werden. Sie beinflussen sich gegenseitig nicht.

    Sollte es sich nicht um keine kurzfristige Beschäftigung, sondern um einen weiteren Minijob (<450€/Monat) oder eine sv-pflichtige Beschäftigung (>450€/Monat) handeln, musst du in beiden Fällen in diesem zeitlich zuletzt aufgenommenen Job ebenfalls als Werkstudentin angemeldet werden.

    Solange du nur in den Semesterferien mehr als 20h/Woche arbeitest, kannst du nicht als voll sv-pflichtige Arbeitnehmerin angemeldet werden. Das ist während eines Vollzeitstudiums nur möglich, wenn du regelmäßig (also auch während des Semesters) mehr als 20h/Woche arbeitest.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich persönlich in einem unserer Büros in deiner Nähe beraten lassen https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X2y oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 05.07.2018 11:14:44


  • ACHTUNG!!! Thread geschlossen!

    Liebe Ratsuchende!

    Stellt bitte neue Anfragen nicht über die Kommentarfunktion, sondern öffnet einen eigenen Beitrag auf der Startseite der Onlineberatung https:/​/​jugend.dgb.de/​studium/​beratung/​students-at-work.
    Nur so bleiben die Einträge für uns bearbeitbar und verlängern sich nicht ins Unendliche. Vielen Dank!

    Bitte habt Verständnis, dass Anfragen, die in geschlossenen Threads über die Kommentarfunktion gestellt werden, von uns nicht mehr bearbeitet werden!

    Euer students at work-Beratungsteam

    S@W: 05.07.2018 11:15:29


  • RE: Kombination Werkstudent / Minijob

    Liebe Andrea,

    vielen Dank für deine fixe Antwort.

    Bezüglich meiner Frage zur Kombination mit dem 3. Arbeitgeber: es handelt sich nicht um eine kurzfristige Beschäftigung.

    Ich habe nun also den 1. AG Midijob (Gleitzone) als Werkstudent, AG Nr. 2 Minijob und AG Nr. 3 (?).
    Dieser zuletzt angemeldete Job muss mich dann also auch als Werkstudent anstellen.
    Gibt es denn dann hier Probleme mit AG Nummer 1, der mich in der Gleitzone angestellt hat?
    Denn während der Semesteferien, wenn ich dann alle drei Jobs ausübe, bzw. schon allein mit dem Midijob plus Job Nr. 3 werde ich mehr als 850,00 Euro verdienen und somit die Gleitzone überschreiten. Kann das dazu führen, dass AG Nr.1 Probleme macht?

    Liebe Grüße,
    Bine

    Bine: 12.07.2018 10:18:48


  • RE: Kombination Werkstudent / Minijob

    Hallo Bine,

    in der Gleitzone werden Sozialversicherungsbeiträge für dich als Arbeitnehmerin günstiger berechnet - die Arbeitgeber_innenseite zahlt auch in der Gleitzone die vollen Beträge. Für deine_n Arbeitgeber_in aus Job 1 dürfte die Aufnahme von Job 3 also keinen Unterschied machen, lediglich die Berechnung der Arbeitnehmer_innenbeiträge, die sie_er für dich abführt ist dann anders. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhb

    Wenn du Job 3 aber tatsächlich nur in den Semesterferien ausübst, frag nochmal nach, warum sie dich da nicht als kurzfristig Beschäftigte anmelden. Dies ist bei einer Befristung von bis zu 3 Monaten oder 70 Tagen im Jahr möglich und für BEIDE Seiten sozialversicherungsfrei! https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhU

    Liebe Grüße
    Andrea
    students at work

    S@W: 12.07.2018 15:21:31


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