Deutscher Gewerkschaftsbund

Fehlzeiten bei Werkstudententätigkeit

Hallo liebes s@w-Team,

ich habe einen neuen Werkstudentenvertrag zum 1.10. bekommen, konnte aber erst zum 9.10. anfangen, weil mein Werkstudentenvertrag bei einem anderen Arbeitgeber noch bis 5.10. lief und ich die 20h in der Woche nicht überschreiten wollte. Von meinem neuen AG kam die Ansage, dass es ok sei, weil ich mir ja selbst einteilen könne wie viel ich arbeite.
Heute wurde mir dann gesagt, dass ich die Fehlzeiten aus der 1. Woche nacharbeiten müsse und auch wenn ich wegen der Uni nicht arbeiten kann (muss tageweise weg für die Uni), muss ich die Zeit nacharbeiten.
Geht das überhaupt? Ich darf ja pro Woche nur 20h arbeiten und kann die Fehlzeiten durch die Uni ja nicht alle in den Semesterferien nacharbeiten.

Zur Info: Ich arbeite 5 Tage á 4 Stunden (9-13 Uhr).

Vielen Danl für eure Hilfe!

Viele Grüße
Melanie

Melanie: 17.10.2017 14:02:37 |
Tags:
  • RE: Fehlzeiten bei Werkstudententätigkeit

    Hallo Melanie,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss. Dort bist und bleibst du Studentin, solange du immatrikuliert bist.

    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV):

    Arbeitest du als Vollzeit immatrikulierte Studentin regelmäßig nicht mehr als 20h/Woche, wirst du in der SV als Werkstudent angemeldet. Das bedeutet, dass von deinem Gehalt nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV) eingezogen werden, nicht aber in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV und AV). Krankenversichern musst du dich dann selbst auf eigene Kosten (in der Regel studentisch) und arbeitslosenversichert bist du gar nicht.
    Mehr hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

    Zum Nachholen deiner Stunden: Wenn du zum 1.10. einen Arbeitsvertrag mit 20h/Woche unterzeichnet hast, bist du selbstverständlich dazu verpflichtet, diesen zu erfüllen. Wenn dir dein Arbeitgeber aus Kulanz gestattet hat, mit der Ableistung deiner Arbeitszeit zu einem späteren Zeitpunkt zu beginnen, musst du die vertraglich geschuldete Arbeitszeit nachholen.
    Auch wenn du wegen der Uni keine Zeit hast, musst du die entsprechende Arbeitszeit nachholen. Einen Anspruch auf Freistellung wegen Unizeiten gibt es nicht. Wenn dein Arbeitgeber nicht auf die Einhaltung der vertraglich vereinbarten Arbeitszeiten täglich von 9-13Uhr besteht und dir aus Kulanz gestattet, deine Zeiten freier einzuteilen, musst du dennoch deine 20h/Woche arbeiten. Arbeitest du in einer Woche weniger, musst du in anderen Wochen eben mehr arbeiten. Dies alles ist ok, wenn dein Arbeitgeber auch einverstanden ist. (Rein rechtlich könnte er darauf bestehen, dass du täglich von 9-13Uhr arbeitest, wenn das so zwischen euch vereinbart ist - egal ob du ein Seminar besuchen, für eine Prüfung lernen oder sonst irgenwelche Abwesenheitszeiten wegen der Uni hast.) https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQj

    Bei der 20h-Regel in der SV geht es um deine regelmäßige Arbeitszeit und ob sich diese dem Studium unterordnet (oder eben andersherum). Wenn du in einzelnen Wochen mal über 20h/Woche kommst, deine regelmäßige Arbeitszeit aber unter bzw. bei 20h/Woche liegt, hat das keinen Einfluss auf deinen Status innerhalb der SV.

    Erst wenn du regelmäßig mehr als 20h/Woche arbeitest, entfällt der Werkstudnet_innenstatus und du wirst als Arbeitnehmerin angemeldet. Dann werden von deinem Gehalt anteilig Beiträge in die RV, KV, PV und AV abgeführt.
    Kosten: Insgesamt knapp 20% SV-Abgaben vom Gehalt, dafür keine weiteren Kosten für KV/PV.

    Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger als der Status als Werkstudentin. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina

    Aber egal, wie dein sozialversicherungsrechtlicher Status letzendlich ist, die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit musst du ableisten genau so wie dein Arbeitgeber zur vereinbarten Vergütung dieser verpflichtet ist. Mehr zum Thema Rechte (und Pflichten!) im Job findest du hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inx und auch hier (insb. in den Abschnitten zu Informations- und Meldepflichten sowie den arbeitsrechtlichen Regelungen): https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich persönlich in einem unserer Büros in deiner Nähe beraten lassen https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X25 oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße,
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 13.11.2017 14:33:18


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