Deutscher Gewerkschaftsbund

Geschichte

Schülervertretung in Deutschland

Die ersten Schülergruppen, die sich für Veränderungen in der Schule einsetzten, wurden zur Zeit der Weimarer Republik gegründet. Sie traten unter anderem dafür ein, dass Schule nicht mehr einen militärischen Charakter haben solle. Nach der Machtübergabe an die NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) wurden die Schülergruppen aufgelöst oder gleichgeschaltet. Nach der Befreiung durch die Alliierten 1945 entstanden in den Westzonen und der Ostzone Deutschlands jeweils unterschiedliche politische Systeme, was auch zu einer verschiedenartigen Entwicklung der Interessensvertretung von Schülern führte.

DDR

Nach Gründung der DDR war alles auf eine Herrschaft der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) verbunden mit einer Ausklammerung von Demokratie und Meinungsfreiheit ausgerichtet. Zwischen 1945-49 gab es zwar eigenständige Schülervertretungen in der SBZ (Sowjetische Besatzungszone), aus der die DDR hervorging, doch sind diese in die FDJ (Freie Deutsche Jugend) aufgegangen bzw. wurden durch diese ersetzt. Die FDJ sollte für die Gesamtinteressen der Jugend und somit auch der Schülerinnen und Schüler stehen. Sie war aber keine Interessensvertretung, sondern diente zur Verfestigung von repressiven und autoritären Strukturen. Dennoch schufen sich Schüler Nischen wie zum Beispiel Schülerklubs, die durchaus Ähnlichkeiten mit SVen hatten, wie ihr sie kennt, in denen sie ihre Meinung äußerten.

Bundesrepublik

Im Rahmen des "reeducation"-Progamms führten die Alliierten in den Westzonen "Schülermitverwaltungen" ein. Diese SMVen waren beschränkte Interessensvertretungen, die den politischen Bildungsauftrag wahrnehmen sollten. Sie besaßen wenig politische Eigenständigkeit und organisierten vornehmlich Dinge wie die Hofreinigung oder Schulfeste gegen die SBZ/DDR. Durch die Remilitarisierung ab 1950 und den damit verbundenen Gegenprotesten kam es zu einer verstärkten Politisierung von Schülern und auch erste Versuche, die Schule zu einem Ort der politischen Auseinandersetzung zu machen.

Viele der damals politisierten Schüler waren später 1967/68 an der Studentenrevolte beteiligt. Die Außerparlamentarische Opposition (APO) stellte dabei das herrschende politische und kulturelle Wertesystem in Frage. Die Studierenden wurden hierbei auch von den Gewerkschaften unterstützt. An der Schülerschaft gingen diese Proteste nicht spurlos vorbei, so kam es zum Beispiel zur Gründung des "Aktionszentrums unabhängiger sozialistischer Schüler". Durch diese Schaltstelle des antiautoritären Schülerprotestes und die Arbeit der nach links geschwenkten Jugendorganisationen von SPD und FDP kamen viele Schüler in Berührung mit linken und sozialistischen Ansichten. Der Kampf um mehr demokratische Rechte begann. Und so kommt es 1969 auf Bundesebene zum Schulmitwirkungserlass und 1977 wird das Schulmitwirkungsgesetz von der Kultusministerkonferenz beschlossen. Darin werden zwar Schülervertretungen an Schulen verankert, aber nur mit stark eingeschränkten Rechten. Die Schülerbewegung hatte aber über die Jahre an Kraft verloren, weshalb es dann nur noch zu vereinzelten Protesten kam.

Auf Landesebene reagierten die Kultus- und Bildungsminister unterschiedlich. Im Süden Deutschlands wehrten sich die Ministerien vehement gegen alle Versuche und Forderungen nach Mitbestimmung von Schülern. In Nordrhein-Westfalen hingegen wurden Voraussetzungen für demokratische Mitbestimmungsrechte und die materielle Förderung der LandesschülerInnenvertretung (LSV) geschaffen. Harte Auseinandersetzung führte man in Rheinland-Pfalz bis in die 80er Jahre, um eine demokratische LSV durchzusetzen. Hierfür müssen die Schüler in Bayern noch heute kämpfen.

Die Trennung zwischen Bildungs- und Gesellschaftspolitik zur Kontrolle der politischen Arbeit einer SV ist allerdings in den meisten Landesgesetzen noch festgeschrieben. Und das obwohl bildungspolitische Forderungen nicht von den gesellschaftlichen Rahmenbedingen getrennt werden können. Schließlich werden gesellschaftliche Normen zu großen Teilen von der Schule vermittelt. Die Vernetzung und Zusammenarbeit der LSVen ist in Gesetzen überhaupt nicht geregelt. Die Konferenz der Landeschülervertretungen (KdLSV) gründete deshalb selbstorganisiert die BundesschülerInnenvertretung (BSV), um sich auszutauschen, gemeinsam für mehr demokratische Rechte zu streiten und damit Schülern gegenüber der Kultusministerkonferenz und der Bundespolitik eine Interessensvertretung zu geben.

Und da bildungspolitische Fragen nicht mehr nur auf Landes- und Bundesebene sondern zunehmend auf der europäischen entschieden werden, trat die BSV schließlich der europäischen Schülervertretung (OBESSU) bei. Durch sie sollen Schüler auch bei diesen Entscheidungen eine Stimme haben.

Nach der Wiedervereinigung wurden in den neuen Bundesländern die Schulgesetze aus verschiedenen alten Bundesländern übernommen und damit Landeschülervertretungen neu geschaffen. Welche alten Bundesländer jeweils als Vorbild dienten, hing jeweils von der regierenden Partei ab.

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