Deutscher Gewerkschaftsbund

PraktikantInnen: Bundesregierung ignoriert Ausbeutung

Statistik faire Praktika

Praktika bei der Bundesregierung sind selten fair. Soli aktuell

Nach der aktuellen Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage "Initiativen für faire Praktika und einen verbesserten Schutz von Praktikantinnen und Praktikanten vor Ausbeutung" hat Bundesjugendsekretär René Rudolf am Donnerstag, den 4. November 2010, in Berlin die Bundesregierung aufgefordert, eindeutige rechtliche Regelungen zum Schutz von PraktikantInnen einzuführen.

"Das Praktikum muss gesetzlich als Lernverhältnis definiert werden. Inhalt, Dauer und Vergütung müssen geregelt werden und reguläre Stellen dürfen nicht durch Praktika ersetzt werden", sagte Rudolf.

Die DGB-Jugend weist schon seit Jahren auf den zunehmenden Missbrauch von Praktikantinnen und Praktikanten als unter- oder unbezahlte Arbeitskräfte hin. Konkret fordert die DGB-Jugend die Begrenzung der Praktika auf drei Monate, eine Vergütung von mindestens 300 Euro pro Monat, einen Ausbildungsplan sowie fachliche Betreuung.

"Laut Bundesregierung gibt es die 'Generation Praktikum' nicht, die Antwort der Bundesregierung kann nur als zynisch interpretiert werden, insbesondere vor dem Hintergrund, wie sie ihre eigenen Praktikanten behandelt. Ein Ergebnis der Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Der Grünen macht deutlich, dass Handlungsbedarf besteht. In lediglich fünf der 14 Ministerien erhalten manche der PraktikantInnen ein Gehalt, allerdings nicht alle. In neun Ministerien wird den Praktikanten überhaupt keine Vergütung bezahlt. Das Problem unfairer Praktika beschränke sich laut Regierung nur auf einzelne "Problemgruppen", erläuterte Rudolf.

"Die Bundesregierung hat offenbar kein Problembewusstsein in Bezug auf die Situation junger Menschen. Der Berufseinstieg hat sich in den letzten Jahren massiv erschwert. Mittlerweile ist es der Normalfall, dass junge Menschen auch nach Abschluss ihrer Ausbildung und ihres Studiums mit Praktika, Mini-Jobs, Honorarjobs oder befristeten Arbeitsverträgen konfrontiert werden", so Rudolf.

Das zeigten auch die Daten aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales aus dem Jahr 2008: Demnach machten insgesamt 20 Prozent der jungen Erwachsenen nach Abschluss einer Berufsausbildung oder eines Studiums ein oder mehrere Praktika. Das entspricht hochgerechnet rund 1,9 Millionen Personen. Tendenz steigend.

Doch die Bundesregierung sieht keine weitere Notwendigkeit, valide Daten in Bezug auf die Generation Praktikum zu erheben. Frei nach dem Motto: Wo es keine statistischen Daten gibt, gibt es auch kein Problem. Rudolf: "Es ist wichtig, die Betroffenen jungen Menschen der Generation Praktikum mit ihren Problemen Ernst zu nehmen."

Aus diesem Grund wird die DGB-Jugend im Frühjahr 2011 aktuelle Daten zur "Generation Praktikum" vorlegen.

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