Deutscher Gewerkschaftsbund

Neueste Zahlen: Der DGB-Index für junge Beschäftigte 2015

Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit

Sicherheit und Planbarkeit steht für junge Menschen ganz oben beim Arbeitsplatz: Erwarten können sie beides nicht, wie die Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit für junge Beschäftigte zeigt.

Index Titel

Alltag und Familienleben vereinbaren, eine sichere, sinnstiftende Arbeit, das wäre schön: Planbarkeit steht bei der jungen Generation an erster Stelle, wenn es um Beschäftigung geht. Dies zeigen aktuelle Studien wie die Shell-Jugendstudie deutlich. Arbeitszeitmodelle müssten demnach die Möglichkeit bieten, kurzfristig auf die Bedürfnisse der jungen Menschen eingehen zu können, zum Beispiel per Teilzeitmodell mit einem unkomplizierten Rückkehrrecht in Vollzeit.

Aber wie arbeiten junge Menschen wirklich? Um diese und andere Fragen geht es in dieser nun schon sechsten Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit im Auftrag der DGB-Jugend. Sie zeigt: Zwischen den tatsächlichen Arbeitsbedingungen von jungen Beschäftigten und ihren Wunschbedingungen gibt es deutliche Unterschiede – und damit auch enormen Handlungsbedarf. So sind junge Beschäftigte überdurchschnittlich oft mit atypischer Arbeit konfrontiert. 27,8 Prozent und damit mehr als ein Viertel der Beschäftigten steckt in solchen Anstellungsverhältnissen.

Vor allem bei Befristung und Leiharbeit sind die Unterschiede zur älteren Generation groß: Junge Menschen unter 35 Jahren sind mehr als dreimal so oft befristet beschäftigt (16,2 Prozent) wie ältere Arbeitnehmer_innen (5 Prozent). Und auch von Leiharbeit sind junge Menschen mehr als dreimal so oft betroffen wie ältere.

Auch bei der gewünschten Selbstbestimmung in Sachen Arbeitszeit und einer besseren Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben ist die Realität eine andere. Lediglich 34,1 Prozent der Befragten sind im Betrieb flexibel bei der Gestaltung der eigenen Arbeitszeit. Gleichzeitig arbeiten gerade junge Beschäftigte überdurchschnittlich oft in wechselnder Schicht- oder Wochenendarbeit oder müssen regelmäßig Überstunden leisten.

Erfreulich ist immerhin: In Betrieben mit etablierter Mitbestimmung sind die Arbeitsbedingungen deutlich besser. Fast die Hälfte der jungen Beschäftigten (49,8 Prozent) in diesen Bereichen gab an, Einfluss auf die eigene Arbeitszeitgestaltung zu haben. Mitbestimmung wird so zum Motor für Vereinbarkeit und stärkt die Attraktivität dieser Betriebe bei jungen Beschäftigten deutlich.

Einkommen junger Beschäftigter

Einkommen junger Beschäftigter: Da ist noch Luft! © DGB-Jugend

"Es ist Zeit zu handeln", sagt DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller. Gute Arbeit für junge Beschäftigte, das bedeutet für die Gewerkschaftsjugend: Arbeit muss gerecht verteilt und sozial gestaltet sein. "Dazu braucht es eine Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden pro Woche, insbesondere durch einen schrittweisen Abbau der heute geleisteten Überstunden", sagt Haggenmiller. Mini-Jobs müssen abgeschafft und der gesetzliche Mindestlohn auf unter 18-Jährige ausgedehnt werden. Daneben fordert die Gewerkschaftsjugend die flächendeckende Einführung von betrieblichen Weiterbildungsmöglichkeiten und einen gesetzlichen Urlaubsanspruch von mindestens 30 Tagen.

Die wichtigsten Zahlen:

  • 82,4 Prozent der jungen Beschäftigten arbeiten Vollzeit mit einer vertraglich vereinbarten Arbeitszeit von 35 Stunden und mehr. 17,6 Prozent arbeiten in Teilzeit.
  • 60,9 Prozent der jungen Beschäftigten machen regelmäßig Überstunden, durchschnittlich 4,1 Überstunden pro Woche.
  • 52 Prozent der unter 35-Jährigen halten ihr eigenes Einkommen für nicht angemessen.
  • 52 Prozent der jungen Beschäftigten fühlen sich bei der Arbeit "sehr häufig" oder "oft" gehetzt, 65 Prozent gehen auch krank zur Arbeit.
  • 47,2 Prozent arbeiten zu Zeiten außerhalb des Normalarbeitsverhältnisses, wie z.B. in Spät- oder Nachtschichten.
  • 46,4 Prozent der unter 25-Jährigen arbeitet in atypischen Verhältnissen.
  • 36 Prozent der Frauen unter 35 Jahren arbeiten Teilzeit und nur 4 Prozent der Männer.
  • 35,4 Prozent wollen weniger als derzeit vereinbart arbeiten.
  • 31 Prozent der jungen Beschäftigten haben ein monatliches Bruttoeinkommen von weniger als 1.500 Euro.
  • 22,4 Prozent müssen ständig erreichbar sein.
  • 16,2 Prozent der unter 35-Jährigen arbeiten befristet.
  • 6 Prozent verdienen junge Frauen im Durchschnitt weniger als junge Männer.

***

Wir brauchen mehr junge Mitbestimmung

Florian Haggenmiller

© Simone M. Neumann

Der Kommentar von DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller

Die Ergebnisse des Jugend-Index stehen im Gegensatz zu dem, was allenthalben zu hören ist von der Generation Y, die mehr Flexibilität wolle und der die Arbeit nicht mehr so wichtig sei. Die Top 1-Erwartung junger Menschen an ihren Arbeitgeber ist die Sicherheit des Arbeitsplatzes.

Genauso wichtig ist ihnen aber auch: dass man sich selbst mit eigenen Ideen in eine nützliche und gesellschaftlich sinnvolle Arbeit einbringen kann.
Wunsch und Wirklichkeit klaffen deutlich auseinander: Jugendliche arbeiten überdurchschnittlich oft befristet, in atypischer Beschäftigung und machen oft Überstunden – über 60 Prozent regelmäßig. Über 65 Prozent sind in den letzten zwölf Monaten krank zur Arbeit gegangen. Diese Zahlen zeigen: Junge Menschen sind im Job enorm unter Druck.

Deutlich bessere Arbeitsbedingungen gibt es in mitbestimmten Unternehmen. Die Beschäftigten dort haben Einfluss auf die Arbeitszeitgestaltung – und das wünschen sich nicht nur junge Menschen. Unternehmen, die auch künftig erfolgreich im Wettbewerb um Fachkräfte bestehen wollen, müssen die Erwartungen junger Menschen ernst nehmen und ihre Arbeitsbedingungen deutlich verbessern.

DGB-Index für junge Beschäftigte (PDF, 324 kB)

Die Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit für junge Beschäfitgte