Deutscher Gewerkschaftsbund

Der DGB-Jugend-Praktika-Check

"Praktikum und Mindestlohn. Der Faktencheck" heißt die neue Auswertung der DGB-Jugend. Sie bietet eine Analyse der gegenwärtigen Situation von Praktikant_innen – und zeigt, wie anfällig Praktika für Missbrauch sind.

Praktika Check

© DGB-Jugend

"Ich habe in einem Unternehmen ein Praktikum von insgesamt neun Monaten absolviert. Die ersten sechs Monate im Rahmen eines Pflichtpraktikums, die letzten drei Monate als freiwillige Praktikantin. Das Unternehmen hat mir zwei verschiedene Praktikumsverträge ausgestellt. Eine Vergütung habe ich nicht bekommen", klagt die 24-jährige Hülya.

Fälle wie der von Hülya werden in der neuen DGB-Jugend-Broschüre "Praktikum und Mindestlohn" beschrieben und analysiert. Jedes Jahr werden in Deutschland ca. 600.000 Praktika absolviert. Welche Auswirkungen hat der Mindestlohn auf Praktika? Ist jetzt alles gut?

Nein: Trotz Einführung des Mindestlohns beklagen Absolvent_innen auch heute noch, dass die Vergütung nicht für den Lebensunterhalt reicht – beispielsweise durch Ausnahmen bei Praktika, die während eines Studiums absolviert werden. Viele Arbeitgeber zeigen sich zudem kreativ bei der Auslegung des Mindestlohngesetzes. Neue Praktikumsarten entstehen, wie das aus freiwilligen und Pflichtteilen bestehende Praktikum. Reguläre Beschäftigungsverhältnisse werden zu Praktika umgewandelt.

Und auch innerhalb der Praktika findet eine Verschiebung zum mindestlohnfreien Raum statt. "Der Mindestlohn hilft vielen Praktikantinnen und Praktikanten nicht, denn 73 Prozent aller Praktika finden während des Studiums statt. Dort hat der Gesetzgeber aber massive Ausnahmen vom Mindestlohn zugelassen", stellt DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller fest.

Praktika sind Teil eines insgesamt unsicheren Berufseinstiegs für junge Menschen, oft verbunden mit erheblichen Auswirkungen auf Lebens- und Familienplanung. 

Vor allem die Qualität der angebotenen Praktikumsplätze schwankt: Schriftlich vereinbarte Lerninhalte werden nicht eingehalten, Vergütungen häufig einfach nicht gezahlt, Betreuer_innen fehlen, Arbeitszeiten werden oft überschritten.

Das Praktikum zeigt auch oft keine berufliche Perspektive auf: Über 78 Prozent aller Praktikant_innen – im Durchschnitt sind sie 25 Jahre alt - machen sich Sorgen um Ihre wirtschaftliche Situation: Die Praktikant_innen erwarten weitaus mehr Veränderungen ihrer Erwerbssituation als andere Beschäftigtengruppen. Sie gehen davon aus, dass sie häufiger ihren Arbeitsplatz wechseln, wenn nicht verlieren werden.

Damit sind Praktika Teil eines insgesamt unsicheren Berufseinstiegs für junge Menschen, oft verbunden mit erheblichen Auswirkungen auf Lebens- und Familienplanung. "Die Qualität von vielen angebotenen Praktika ist nach wie vor unzureichend. Vor allem die Betreuungssituation muss verbessert werden. Notwendig sind auch einheitliche gesetzliche Regelungen für Urlaub und Krankheit im Praktikum", sagt Haggenmiller.

Für die DGB-Jugend steht fest: Rechtliche Lücken beim Mindestlohn müssen schleunigst geschlossen werden. Es braucht ein Mindestentgelt für alle Praktika, die nicht unter den Mindestlohn fallen, eine Regelung zur Höchstdauer und darüber hinaus die Angleichung von Urlaubs- und Krankheitsregelungen. Haggenmiller: "Die Gewerkschaftsjugend fordert, die Ausnahmen beim Mindestlohn gerade für freiwillige Praktika während des Studiums zu schließen und eine generelle Einführung eines Mindestentgelts für Pflichtpraktika analog dem jeweiligen BAföG-Höchstsatz."

Praktika Check

Praktika-Check (PDF, 1 MB)

Praktika sind eine weit verbreitete Beschäftigungsart in Deutschland. Welche Arbeitsbedingungen haben Praktikant_innen? Wo gibt es Probleme? Was hat sich in den letzten Jahren verändert? Wie wirkt der gesetzliche Mindestlohn? Wo tricksen die Arbeitgeber? Auf diese und andere Fragen gibt die Broschüre Antwort. Als Grundlage dienen die Daten des sozioökonomischen Panels (SOEP) und qualitative Befragungen. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Es ist noch längst nicht alles gut beim Thema Praktikum. DGB Bundesvorstand, Abteilung Jugend und Jugendpolitik, Broschüre, August 2016

Hier geht's zur Pressemitteilung des DGB.

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