Deutscher Gewerkschaftsbund

Ausbildungsstellenmarkt März 2017: Die DGB-Jugend bewertet die BA-Statistik

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat mit den Zahlen zum Ausbildungsstellenmarkt für den Monat März zum ersten Mal offiziell in diesem Jahr die aktuellen Ausbildungszahlen veröffentlicht. Dies nehmen wir zum Anlass, eine erste Bilanz zum Ausbildungsjahr 2017 zu ziehen. Von Anna Leona Gerhardt

Bis Ende März haben insgesamt 410.868 junge Menschen die BA bei ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz eingeschaltet. Dies sind minimal mehr (+0,1 Prozent) als im Vorjahresmonat. Die Entwicklung in Ost- und Westdeutschland unterscheidet sich dabei: Die Zahl der gemeldeten Bewerber_innen ist in Ostdeutschland um 1,5 Prozent gesunken, in Westdeutschland gab es einen Anstieg von 1,0 Prozent.

Den Bewerber_innen standen bundesweit 442.163 bei der BA gemeldete Ausbildungsplätze gegenüber (davon 435.737 betriebliche Ausbildungsplätze). Dies ist ein Anstieg um 1.247 Ausbildungsplätze (+0,3 Prozent) im Vergleich zum Vorjahresmonat. Dies ist ein erster Hinweis darauf, dass sich die positive Entwicklung des Jahres 2016 in diesem Jahr nicht fortsetzt.

Nachdem 2016 das in der Allianz für Aus- und Weiterbildung vereinbarte Ziel von 20.000 mehr betrieblichen Ausbildungsplätzen erreicht wurde, weisen die neuen Zahlen auf eine Stagnation beim Ausbildungsangebot hin. Gleichzeitig muss jedoch gesagt werden, dass diese ersten Zahlen im Jahr nur eine sehr eingeschränkte Aussagekraft besitzen: Erst am Ende des Berufsberatungsjahres wird man einschätzen können, wie sich die Lage am Ausbildungsstellenmarkt über das gesamte Jahr 2017 tatsächlich entwickelt hat.

Mädchen

© DBJR

Ausbildungsplatzsuche: Die DGB-Jugend bezieht Stellung

Trotz dieses positiven Trends verdeutlichen die ersten Zahlen aber auch die oftmals schwierige Situation vieler Ausbildungsinteressierter: Die BA zählt 33.538 Bewerber_innen im alternativen Verbleib ("Bewerber mit Alternative zum 30.9.") und weitere 56.455 "andere ehemalige Bewerber" als versorgt, obwohl diese eigentlich eine Ausbildung beginnen wollen. Sie haben der BA angezeigt, dass sie eine Alternative zum Beginn einer Ausbildung hätten, halten ihren Vermittlungsauftrag trotzdem aufrecht.

Die BA zählt sie also als versorgt, obwohl sie es nicht sind. Zusammen mit den offiziell als unversorgt zählenden Bewerber_innen haben damit deutschlandweit 336.363 gemeldete Bewerber_innen bisher noch keinen Ausbildungsplatz bekommen. Demgegenüber stehen momentan 275.808 unbesetzte Ausbildungsstellen. Damit fehlen allein für die registrierten Bewerber_innen rein rechnerisch noch weitere 60.555 Ausbildungsstellen – und selbst dann würde noch kein auswahlfähiges Angebot vorliegen.

Darüber hinaus werden noch immer viele junge Menschen in Maßnahmen im Übergangsbereich zwischen Schule und Beruf vermittelt - laut Schnellmeldung von März 2017 (Statistisches Bundesamt 2017) 298.800 junge Menschen im Jahr 2016 - obwohl die meisten von ihnen nur einen Ausbildungsplatz und keine Maßnahmen benötigen.

Ein deutlicher Anstieg, der sich teilweise durch mehr junge geflüchtete Menschen erklären lässt, die in Sprachkursen auf eine Ausbildung vorbereitet werden. Und noch immer hatten im vergangenen Jahr 1,95 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren keinen qualifizierenden Berufsabschluss - das sind 13,4 Prozent der Altersgruppe.

Den Bewerber_innen standen bundesweit 442.163 bei der BA gemeldete Ausbildungsplätze gegenüber (davon 435.737 betriebliche Ausbildungsplätze). Dies ist ein Anstieg um 1.247 Ausbildungsplätze (+0,3 Prozent) im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Diese Zahlen zeigen: Bund, Länder und Sozialpartner müssen wieder gemeinsam die duale Berufsausbildung stärken. In der Allianz für Aus- und Weiterbildung haben sich die Allianz-Partner genau dies vorgenommen. Beim genauen Blick auf den Anstieg der betrieblichen Ausbildungsplätze zeigt sich aber, dass viele "neue" Plätze gar nicht neu sind, sondern jetzt neu bei der BA gemeldet wurden.

Wenn man bedenkt, dass die Anzahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge in 2016 mit 520.332 gleichzeitig einen Tiefstand erreicht hat, kommen diese neuen Ausbildungsplätze offenbar nicht bei den jungen Menschen an. Grund dafür ist die seit Jahren andauernde Bestenauslese. Das Abitur und der mittlere Schulabschluss sind zur Leitwährung auf dem Ausbildungsmarkt geworden, junge Menschen mit einem Hauptschulabschluss haben dagegen kaum noch eine Chance auf einen direkten Einstieg in die Ausbildung – nur 45 Prozent schaffen diesen direkten Einstieg.

Deshalb fordern wir auch im Blick auf die Weiterentwicklung der Allianz für Aus- und Weiterbildung: Junge Menschen brauchen ein Recht auf Ausbildung. Die Betriebe dürfen nicht nur über den vermeintlichen Fachkräftemangel und Akademisierungswahn klagen, sie müssen endlich mehr ausbilden.

Die anhaltende Ablehnung von Hauptschüler_innen im Bewerbungsverfahren um einen Ausbildungsplatz muss ein Ende haben. Wir brauchen deshalb dringend eine gesetzliche Ausbildungsplatzgarantie. Damit sichergestellt ist, dass alle ausbildungsinteressierten Jugendlichen auch einen Ausbildungsplatz bekommen.

Wartezimmer im Arbeitsamt

© DGB/Simone M. Neumann

(Fast) jeden Monat frisch: Die Ausbildungstellenstatistik aus dem Hause BA

Die Ausbildungssituation im März 2017 – Die Zahlen auf einen Blick:

Gesamtes Bundesgebiet

Bundesweit haben sich bei der BA 410.868 Bewerber_innen für einen Ausbildungsplatz gemeldet. Das sind 452 mehr (+0,1 Prozent) als im Vorjahresmonat. Den gemeldeten Bewerber_innen steht ein Angebot von zurzeit 442.163 gemeldeten Ausbildungsstellen gegenüber (davon sind 435.737 betriebliche Ausbildungsstellen). Das sind 1.247 Stellen (+0,3 Prozent) mehr als im Vorjahresmonat. Dabei ist die Zahl in den östlichen Bundesländern um 1,1 Prozent gestiegen, in den westlichen Bundesländern nur um 0,1 Prozent.

Westdeutschland

Den 346.954 Bewerber_innen stehen 370.699 Ausbildungsplätze (366.509 betriebliche) gegenüber. Die Zahl der Bewerber_innen ist um 3.504 (+1 Prozent) gestiegen, die Anzahl der Ausbildungsstellen (+ 473 Ausbildungsstellen; +0,1 Prozent) nahezu gleich geblieben.

Ostdeutschland

Hier stehen 63.692 Bewerber_innen 71.343 Ausbildungsstellen (69.107 betriebliche) gegenüber. Die Zahl der Bewerber_innen ist im Vergleich zum Vorjahresmonat um 939 (-1,5 Prozent) gesunken, die Anzahl der Ausbildungsplätze (779 Plätze; +1,1 Prozent) leicht gestiegen.

Daten nach Bundesländern, Regionaldirektionen und den Agenturen für Arbeit sind hier zu finden: Statistik

Anna Leona Gerhardt

© Privat

Anna Leona Gerhardt, DGB-Referentin für Ausbildungsfragen, E-Mail

 


Die Ausbildungsdaten der Bundesagentur für Arbeit vom Oktober 2001 bis heute zum Download:

Ausbildungsjahr 2017

Ausbildungsjahr 2016

Ausbildungsjahr 2015

Ausbildungsjahr 2014

Ausbildungsjahre 2007-2013