Deutscher Gewerkschaftsbund

Ausbildungsstellenmarkt August 2016: Die DGB-Jugend bewertet die BA-Statistik

Die Statistik im Blick: Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat mit den Zahlen zum Ausbildungsstellenmarkt für den Monat August die aktuellen Ausbildungszahlen offiziell veröffentlicht. Dies nehmen wir erneut zum Anlass für eine Einschätzung zum Ausbildungsjahr 2016. Von Anna Leona Gerhardt

Bis Ende August haben insgesamt 530.435 junge Menschen die BA bei ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz eingeschaltet. Dies sind etwas weniger (-0,2 Prozent) als im Vorjahresmonat. Dabei zeichnen sich zwischen West- und Ostdeutschland erhebliche Unterschiede ab: Ist die Zahl im Westen um 0,4 Prozent gesunken, ist sie im Osten um 1,9 Prozent gestiegen.

Den Bewerber_innen standen bundesweit 526.673 bei der BA gemeldete Ausbildungsplätze gegenüber (davon 510.990 betriebliche Ausbildungsplätze). Dies ist ein Anstieg um 14.900 (betriebliche Ausbildungsstellen +14.700) im Vergleich zum Vorjahresmonat (Vgl. Bundesagentur für Arbeit, Monatsbericht August 2016). Die erfreuliche Entwicklung der letzten Monate setzt sich auch im August fort

Wichtig ist zu betonen, dass die Zahlen bisher nur eine sehr eingeschränkte Aussagekraft besitzen und lediglich einen Trend für den Ausbildungsmarkt 2016 aufzeigen. Insgesamt wird man erst am Ende des Berufsberatungsjahres einschätzen können, wie sich die Lage am Ausbildungsstellenmarkt über das Jahr 2016 tatsächlich entwickelt hat.

Mädchen vor Schild der Arbeitsargentur

© DBJR

Trotz des positiven Trends, gibt es auch weiterhin große Probleme auf dem Ausbildungsmarkt: Entscheidend ist, neben der Meldung zusätzlicher Ausbildungsstellen, ebenso eine Steigerung der Anzahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge. Auch nach dem 1. August, wo für einige Jugendliche die Ausbildung bereits begonnen hat, werden noch Ausbildungsverträge für das Ausbildungsjahr 2016 abgeschlossen. So ist bis Ende August die Zahl der Bewerber_innen, die bereits einen Ausbildungsplatz sicher haben, im Vergleich zum Vorjahresmonat um -0,5% auf 226.159 gefallen. Betriebe die jetzt über unbesetzte Ausbildungsplätze klagen, sind daher kurz vor dem Ende der Bewerbungsphase besonders gefordert, allen ausbildungsinteressierten Jugendlichen den Weg in Ihre Betriebe zu ermöglichen und sich dabei endlich von der Praxis der „Bestenauslese“ zu verabschieden.

Zudem müssen die Arbeitgeber sicherstellen, dass die Qualität der Ausbildung besonders in den Berufen, in denen viele Stellen am Ende der Bewerbungsphase unbesetzt bleiben, steigt.

Im August gibt es in folgenden Ausbildungsberufen noch besonders häufig freie Stellen: Kaufleute im Einzelhandel (10.300), Verkäufer_innen (9.600) und Köch_innen (5.000). Auch im Bereich Hotel-und Gaststättengewerbe, bei den Friseur_innen und den Lebensmittel-fachverkäufer_innen sind noch viele Stellen frei (Vgl. Bundesagentur für Arbeit, Monatsbericht August 2016). Diese Berufe fallen im jährlich erscheinenden Ausbildungsreport der DGB-Jugend immer wieder durch eine niedrige Zufriedenheit der Auszubildenden mit ihrer Ausbildung auf. Gleichzeitig kommt es in den Berufen, für die es noch viele freie Ausbildungsstellen gibt, besonders häufig zu einem Abbruch der Ausbildung. (Vgl. Berufsbildungsbericht 2016, Analyse S.19-20)  Das zeigt deutlich: Nur wenn die Qualität der Ausbildung stimmt, sind die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Ausbildungsplatzsuche und einen Ausbildungsabschluss gegeben.  

Wie schwierig die Situation vieler Ausbildungsinteressierter ist, verdeutlichen die Zahlen: Die BA zählt 54.456 Bewerber_innen im alternativen Verbleib („Bewerber mit Alternative zum 30.9.“) und weitere 151.662 „andere ehemalige Bewerber“ als versorgt, obwohl diese eigentlich eine Ausbildung beginnen wollen. Die BA zählt sie also als versorgt, obwohl sie es nicht sind. Zusammen mit den offiziell als unversorgt zählenden Bewerber_innen haben damit deutschlandweit 304.276 gemeldete Bewerber_innen bisher noch keinen Ausbildungsplatz bekommen. Demgegenüber stehen momentan 130.906 unbesetzte Ausbildungsstellen. Damit fehlen allein für die registrierten Bewerber_innen rein rechnerisch noch weitere 173.370 Ausbildungsstellen – und selbst dann würde noch kein auswahlfähiges Angebot vorliegen.

 "Insgesamt befanden sich knapp 271.000 junge Menschen in dem Wildwuchs von angeblich berufsvorbereitenden Maßnahmen – ein Plus von 7,2 Prozent! Dies ist angesichts der vielen noch unbesetzten Ausbildungsplätze eine völlige Fehlentwicklung."

Eine besorgniserregende Entwicklung zeigt sich auch im sogenannten Übergangssystem, also dem Bereich zwischen Schule und Beruf. Laut dem Ende April von der Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) vorgestellten Berufsbildungsbericht ist dieser im vergangenen Jahr stark angewachsen. Insgesamt befanden sich knapp 271.000 junge Menschen in dem Wildwuchs von angeblich berufsvorbereitenden Maßnahmen – ein Plus von 7,2 Prozent! Dies ist angesichts der vielen noch unbesetzten Ausbildungsplätze eine völlige Fehlentwicklung. Die Bundesregierung hat auf Druck der Gewerkschaften mit der Assistierten Ausbildung und der Ausweitung der ausbildungsbegleitenden Hilfen Maßnahmen ergriffen, die Fördermöglichkeiten für Jugendliche bieten, die Unterstützung brauchen und gleichzeitig dieses im Rahmen einer betrieblichen Ausbildung realisieren.

Die Zahlen zeigen insgesamt: Junge Menschen brauchen ein Recht auf Ausbildung. Die Betriebe dürfen nicht nur über den vermeintlichen Fachkräftemangel und Akademisierungswahn klagen, sie müssen endlich mehr und qualitativ besser ausbilden. Wir brauchen dringend eine gesetzliche Ausbildungsplatzgarantie, damit sichergestellt ist, dass alle ausbildungsinteressierten Jugendlichen auch einen Ausbildungsplatz bekommen.

Wartezimmer im Arbeitsamt

(Fast) jeden Monat frisch: Die Ausbildungstellenstatistik aus dem Hause BA. DGB/Simone M. Neumann

Die Ausbildungssituation im August 2016 – Die Zahlen auf einen Blick:

Gesamtes Bundesgebiet

Bundesweit haben sich bei der BA 530.435 Bewerber_innen für einen Ausbildungsplatz gemeldet. Das sind 1.115 weniger (-0,2 Prozent) als im Vorjahresmonat. Den gemeldeten Bewerber_innen steht ein Angebot von zurzeit 526.673 gemeldeten Ausbildungsstellen gegenüber (davon sind 510.990 betriebliche Ausbildungsstellen). Das sind bereinigt 14.900 Ausbildungsstellen (14.700 betriebliche Ausbildungsstellen) mehr als im Vorjahresmonat.

Westdeutschland

Den 440.630 Bewerber_innen stehen 440.784 Ausbildungsplätze (428.580 betriebliche) gegenüber. Die Zahl der Bewerber_innen ist um 1.936 (-0,4 Prozent) zurückgegangen, die Anzahl der Ausbildungsstellen deutlich gestiegen.

Ostdeutschland

Hier stehen 87.312 Bewerber_innen 85.751 Ausbildungsstellen (davon 82.272 betriebliche) gegenüber. Die Zahl der Bewerber_innen ist im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1.597 (+1,9 Prozent) gestiegen, ebenso stieg die Anzahl der Ausbildungsplätze.

Daten nach Bundesländern, Regionaldirektionen und den Agenturen für Arbeit sind hier zu finden: Statistik

Anna Leona Gerhardt

© Privat

Anna Leona Gerhardt, DGB-Referentin für Ausbildungsfragen, Mail: annaleona.gerhardt@dgb.de

 


Die Ausbildungsdaten der Bundesagentur für Arbeit vom Oktober 2001 bis heute zum Download:

Ausbildungsjahr 2016

Ausbildungsjahr 2015

Ausbildungsjahr 2014

Ausbildungsjahre 2007-2013

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