Deutscher Gewerkschaftsbund

Der Ausbildungsstellenmarkt im April 2016

Die BA-Statistik im Blick

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat mit den Zahlen zum Ausbildungsstellenmarkt für den Monat April zum zweiten Mal in diesem Jahr die aktuellen Ausbildungszahlen offiziell veröffentlicht. Dies nehmen wir erneut zum Anlass für eine Einschätzung zum Ausbildungsjahr 2016:

Bis Ende April haben insgesamt 438.929 junge Menschen die BA bei ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz eingeschaltet. Dies sind in etwa gleich Viele (-0,1 Prozent) als im Vorjahresmonat. Dabei zeichnen sich zwischen West- und Ostdeutschland erhebliche Unterschiede ab: ist die Zahl im Westen leicht rückläufig (-0,5 Prozent), ist sie im Osten um 3,2 Prozent gestiegen.

Den Bewerber_innen standen bundesweit 459.288 bei der BA gemeldete Ausbildungsplätze gegenüber (davon 451.361 betriebliche Ausbildungsplätze). Dies ist ein deutlicher Anstieg um 23.847 Ausbildungsplätze (+5,5 Prozent) im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die erfreuliche Entwicklung aus dem Monat März setzt sich also auch im April fort. Konnten die Arbeitgeber im vergangenen Jahr ihre in der „Allianz für Aus- und Weiterbildung“ zugesagte Vereinbarung zur Schaffung von 20.000 zusätzlichen betrieblichen Ausbildungsplätzen nicht einhalten, geben diese Zahlen Anlass zu vorsichtigem Optimismus.

Die in der Allianz getroffene Zielmarke beträgt auch in diesem Jahr wieder 501.000 betriebliche Ausbildungsplätze. Nach den vorliegenden Zahlen sind die Arbeitgeber auf einem guten Weg, diesen Wert in diesem Jahr zu erreichen – es fehlen noch ca. 50.000. Gleichzeitig muss jedoch gesagt werden, dass die Zahlen bisher nur eine sehr eingeschränkte Aussagekraft besitzen.

Offen ist, ob es sich bei den gemeldeten Stellen tatsächlich um zusätzliche Ausbildungsplätze handelt oder die Unternehmen ihre Plätze in diesem Jahr einfach früher melden. Die Gewerkschaften haben in der Allianz für Aus- und Weiterbildung genau darauf gedrängt um mehr Zeit zu haben, auf eventuelle Passungsprobleme reagieren zu können. Die Zahlen dürfen also noch nicht überbewertet werden. Erst am Ende des Berufsberatungsjahres wird man einschätzen können, wie sich die Lage am Ausbildungsstellenmarkt über das Jahr 2016 tatsächlich entwickelt hat.

"Wir brauchen dringend eine gesetzliche Ausbildungsplatzgarantie, damit sichergestellt ist, dass alle ausbildungsinteressierten Jugendlichen auch einen Ausbildungsplatz bekommen."

Trotz diesem positiven Trend verdeutlichen die ersten Zahlen aber auch die oftmals schwierige Situation vieler Ausbildungsinteressierter: Die BA zählt 36.429 Bewerber_innen im alternativen Verbleib („Bewerber mit Alternative zum 30.9.“) und weitere 71.061 „andere ehemalige Bewerber“ als versorgt, obwohl diese eigentlich eine Ausbildung beginnen wollen. Sie haben der BA angezeigt, dass sie eine Alternative zum Beginn einer Ausbildung hätten, halten ihren Vermittlungsauftrag aber trotzdem aufrecht. Die BA zählt sie also als versorgt, obwohl sie es nicht sind.

Zusammen mit den offiziell als unversorgt zählenden Bewerber_innen haben damit deutschlandweit 339.262 gemeldete Bewerber_innen bisher noch keinen Ausbildungsplatz bekommen. Dem gegenüber stehen momentan 252.574 unbesetzte Ausbildungsstellen. Damit fehlen allein für die registrierten Bewerber_innen rein rechnerisch noch weitere 86.688 Ausbildungsstellen – und selbst dann würde noch kein auswahlfähiges Angebot vorliegen.

Eine besorgniserregende Entwicklung zeigt sich allerdings im sogenannten „Übergangssystem“, also dem Bereich zwischen Schule und Beruf. Laut dem am 27.04.2016 von der Bundesbildungsministerin Wanka (CDU) vorgestellten Berufsbildungsbericht, ist dieser im vergangenen Jahr stark angewachsen. Insgesamt befanden sich knapp 271.000 junge Menschen in dem Wildwuchs von angeblich berufsvorbereitenden Maßnahmen – ein Plus von 7,2 Prozent! Dies ist angesichts der vielen, noch unbesetzten Ausbildungsplätze eine völlige Fehlentwicklung. Die Bundesregierung hat auf Druck der Gewerkschaften mit der Assistierten Ausbildung und der Ausweitung der ausbildungsbegleitenden Hilfen Maßnahmen ergriffen, die Fördermöglichkeiten für Jugendliche bieten, die Unterstützung brauchen und gleichzeitig dieses im Rahmen einer betrieblichen Ausbildung realisieren.

Ebenso weist der Berufsbildungsbericht erneut aus, dass im vergangenen Jahr 1,2 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 29 Jahren keinen qualifizierenden Berufsabschluss hatten - das sind 12,7 Prozent der Altersgruppe. Völlig unverständlich ist es, dass die BA 17.345 Bewerber_innen für einen Ausbildungsplatz (4,0 Prozent) in eine Erwerbstätigkeit vermittelt, in der sie häufig als ungelernte Kräfte jobben. Für sie steigt das Risiko der Erwerbslosigkeit und des dauerhaften Verbleibs im Niedriglohnsektor.

Diese Zahlen zeigen insgesamt: Bund, Länder und Sozialpartner müssen wieder gemeinsam die duale Berufsausbildung stärken. In der Allianz für Aus- und Weiterbildung haben sich die Allianz-Partner genau dies vorgenommen. Den Worten müssen nun aber auch Taten folgen: Junge Menschen brauchen ein Recht auf Ausbildung. Die Betriebe dürfen nicht nur über den vermeintlichen Fachkräftemangel und Akademisierungswahn klagen, sie müssen endlich mehr ausbilden. Wir brauchen dringend eine gesetzliche Ausbildungsplatzgarantie, damit sichergestellt ist, dass alle ausbildungsinteressierten Jugendlichen auch einen Ausbildungsplatz bekommen.

Wartezimmer im Arbeitsamt

(Fast) jeden Monat frisch: Die Ausbildungstellenstatistik aus dem Hause BA. DGB/Simone M. Neumann

Gesamtes Bundesgebiet

Bundesweit haben sich bei der BA 438.929 Bewerber_innen für einen Ausbildungsplatz gemeldet. Das sind 403 weniger (-0,1 Prozent) als im Vorjahresmonat. Den gemeldeten Bewerber_innen steht ein Angebot von zurzeit 459.288 gemeldeten Ausbildungsstellen gegenüber (davon sind 451.361 betriebliche Ausbildungsstellen). Das sind 23.847 Stellen (+5,5 Prozent) mehr als im Vorjahresmonat. Dabei ist die Zahl in den östlichen Bundesländern mit 7,9 Prozent deutlich stärker gestiegen als in den westlichen Bundesländern (+5,1 Prozent).

Westdeutschland

Den 366.449 Bewerber_innen stehen 385.064 Ausbildungsplätze (379.389 betriebliche) gegenüber. Die Zahl der Bewerber_innen ist um 1.840 (-0,5 Prozent) gesunken, die Anzahl der Ausbildungsstellen um 18.541 (+5,7 Prozent) deutlich gestiegen.

Ostdeutschland

Hier stehen 70.052 Bewerber_innen 74.096 Ausbildungsstellen (davon 71.844 betrieblichen) gegenüber. Die Zahl der Bewerber_innen ist im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2.194 (+3,2 Prozent) ebenso gestiegen, wie die Anzahl der Ausbildungsplätze (5.398 Plätze; +7,9 Prozent).

Daten nach Bundesländern, Regionaldirektionen und den Agenturen für Arbeit sind hier zu finden: Statistik.

 



André Schönewolf

© privat

André Schönewolf, politischer Referent in der Abteilung Jugend und Jugendpolitik des DGB-Bundesvorstandes, E-Mail: andre.schoenewolf@dgb.de

 

 


Die Ausbildungsdaten der Bundesagentur für Arbeit vom Oktober 2001 bis heute zum Download:

Ausbildungsjahr 2016

Ausbildungsjahr 2015

Ausbildungsjahr 2014

Ausbildungsjahre 2007-2013

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