Deutscher Gewerkschaftsbund

Der Ausbildungsstellenmarkt im Juni 2016

Die BA-Statistik im Blick

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat mit den Zahlen zum Ausbildungsstellenmarkt für den Monat Juni zum vierten Mal in diesem Jahr die aktuellen Ausbildungszahlen offiziell veröffentlicht. Dies nehmen wir erneut zum Anlass für eine Einschätzung zum Ausbildungsjahr 2016:

Bis Ende Juni haben insgesamt 486.877 junge Menschen die BA bei ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz eingeschaltet. Dies sind etwas mehr (+0,1 Prozent) als im Vorjahresmonat. Dabei zeichnen sich zwischen West- und Ostdeutschland erhebliche Unterschiede ab: Ist die Zahl im Westen leicht rückläufig (-0,2 Prozent), ist sie im Osten um 2,6 Prozent gestiegen.

Den Bewerber_innen standen bundesweit 494.512 bei der BA gemeldete Ausbildungsplätze gegenüber (davon 484.869 betriebliche Ausbildungsplätze). Dies ist ein deutlicher Anstieg um 24.582 Ausbildungsplätze (+5,2 Prozent) im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die erfreuliche Entwicklung aus den Monaten März bis Mai setzt sich auch im Juni fort. Konnten die Arbeitgeber im vergangenen Jahr ihre in der Allianz für Aus- und Weiterbildung zugesagte Vereinbarung zur Schaffung von 20.000 zusätzlichen betrieblichen Ausbildungsplätzen nicht einhalten, geben diese Zahlen Anlass zu Optimismus. Die in der Allianz getroffene Zielmarke beträgt auch in diesem Jahr wieder 501.000 betriebliche Ausbildungsplätze. Nach den vorliegenden Zahlen sind die Arbeitgeber auf einem guten Weg, diesen Wert in diesem Jahr zu erreichen – es fehlen noch ca. 16.100 Plätze.

Allerdings ist es wichtig zu betonen, dass die Zahlen bisher nur eine sehr eingeschränkte Aussagekraft besitzen und lediglich einen Trend für den Ausbildungsmarkt 2016 aufzeigen. Offen ist zudem, ob es sich bei den gemeldeten Stellen tatsächlich um zusätzliche Ausbildungsplätze handelt oder die Unternehmen ihre Plätze in diesem Jahr einfach früher melden. Die Gewerkschaften haben in der Allianz für Aus- und Weiterbildung genau darauf gedrängt, damit die jungen Menschen sowie Arbeitgeber und BA mehr Zeit haben, auf eventuelle Passungsprobleme reagieren zu können. Die Zahlen dürfen also noch nicht überbewertet werden. Erst am Ende des Berufsberatungsjahres wird man einschätzen können, wie sich die Lage am Ausbildungsstellenmarkt über das Jahr 2016 tatsächlich entwickelt hat.

Trotz diesem positiven Trend verdeutlichen die ersten Zahlen aber auch die oftmals schwierige Situation vieler Ausbildungsinteressierter: Die BA zählt 40.334 Bewerber_innen im alternativen Verbleib („Bewerber mit Alternative zum 30.9.“) und weitere 104.186 „andere ehemalige Bewerber“ als versorgt, obwohl diese eigentlich eine Ausbildung beginnen wollen. Sie haben der BA angezeigt, dass sie eine Alternative zum Beginn einer Ausbildung hätten, halten ihren Vermittlungsauftrag aber trotzdem aufrecht. Die BA zählt sie also als versorgt, obwohl sie es nicht sind. Zusammen mit den offiziell als unversorgt zählenden Bewerber_innen haben damit deutschlandweit 331.548 gemeldete Bewerber_innen bisher noch keinen Ausbildungsplatz bekommen. Demgegenüber stehen momentan 203.247 unbesetzte Ausbildungsstellen.

Damit fehlen allein für die registrierten Bewerber_innen rein rechnerisch noch weitere 128.301 Ausbildungsstellen – und selbst dann würde noch kein auswahlfähiges Angebot vorliegen.

"Insgesamt befanden sich knapp 271.000 junge Menschen in dem Wildwuchs von angeblich berufsvorbereitenden Maßnahmen – ein Plus von 7,2 Prozent! Dies ist angesichts der vielen noch unbesetzten Ausbildungsplätze eine völlige Fehlentwicklung."

Eine besorgniserregende Entwicklung zeigt sich allerdings im sogenannten Übergangssystem, also dem Bereich zwischen Schule und Beruf. Laut dem Ende April von der Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) vorgestellten Berufsbildungsbericht ist dieser im vergangenen Jahr stark angewachsen. Insgesamt befanden sich knapp 271.000 junge Menschen in dem Wildwuchs von angeblich berufsvorbereitenden Maßnahmen – ein Plus von 7,2 Prozent! Dies ist angesichts der vielen noch unbesetzten Ausbildungsplätze eine völlige Fehlentwicklung. Die Bundesregierung hat auf Druck der Gewerkschaften mit der Assistierten Ausbildung und der Ausweitung der ausbildungsbegleitenden Hilfen Maßnahmen ergriffen, die Fördermöglichkeiten für Jugendliche bieten, die Unterstützung brauchen und gleichzeitig dieses im Rahmen einer betrieblichen Ausbildung realisieren.

Ebenso weist der Berufsbildungsbericht erneut aus, dass im vergangenen Jahr 1,2 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 29 Jahren keinen qualifizierenden Berufsabschluss hatten - das sind 12,7 Prozent der Altersgruppe. Völlig unverständlich ist es, dass die BA 17.345 Bewerber_innen für einen Ausbildungsplatz (4,0 Prozent) in eine Erwerbstätigkeit vermittelt, in der sie häufig als ungelernte Kräfte jobben. Für sie steigt das Risiko der Erwerbslosigkeit und des dauerhaften Verbleibs im Niedriglohnsektor.

Diese Zahlen zeigen insgesamt: Bund, Länder und Sozialpartner müssen wieder gemeinsam die duale Berufsausbildung stärken. In der Allianz für Aus- und Weiterbildung haben sich die Allianz-Partner genau dies vorgenommen. Den Worten müssen nun aber auch Taten folgen: Junge Menschen brauchen ein Recht auf Ausbildung. Die Betriebe dürfen nicht nur über den vermeintlichen Fachkräftemangel und Akademisierungswahn klagen, sie müssen endlich mehr ausbilden. Wir brauchen dringend eine gesetzliche Ausbildungsplatzgarantie, damit sichergestellt ist, dass alle ausbildungsinteressierten Jugendlichen auch einen Ausbildungsplatz bekommen.

Wartezimmer im Arbeitsamt

(Fast) jeden Monat frisch: Die Ausbildungstellenstatistik aus dem Hause BA. DGB/Simone M. Neumann

Die Ausbildungssituation im Juni 2016 – Die Zahlen auf einen Blick:

Gesamtes Bundesgebiet
Bundesweit haben sich bei der BA 486.877 Bewerber_innen für einen Ausbildungsplatz gemeldet. Das sind 404 mehr (+0,1 Prozent) als im Vorjahresmonat. Den gemeldeten Bewerber_innen steht ein Angebot von zurzeit 494.512 gemeldeten Ausbildungsstellen gegenüber (davon sind 484.869 betriebliche Ausbildungsstellen). Das sind 25.582 Stellen (+5,3 Prozent) mehr als im Vorjahresmonat. Dabei ist die Zahl in den östlichen Bundesländern mit 7,8 Prozent deutlich stärker gestiegen als in den westlichen Bundesländern (+4,8 Prozent).

Westdeutschland
Den 404.563 Bewerber_innen stehen 413.751 Ausbildungsplätze (406.677 betriebliche) gegenüber. Die Zahl der Bewerber_innen ist um 792 (-0,2 Prozent) gesunken, die Anzahl der Ausbildungsstellen um 18.866 (+4,8 Prozent) deutlich gestiegen.

Ostdeutschland
Hier stehen 78.842 Bewerber_innen 80.625 Ausbildungsstellen (davon 78.056 betrieblichen) gegenüber. Die Zahl der Bewerber_innen ist im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1.973 (+2,6 Prozent) ebenso gestiegen, wie die Anzahl der Ausbildungsplätze (5.808 Plätze; +7,8 Prozent).


Daten nach Bundesländern, Regionaldirektionen und den Agenturen für Arbeit sind hier zu finden: Statistik

André Schönewolf

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André Schönewolf, Büroleiter Vorstandsbereich 4, Annelie Buntenbach, E-Mail: andre.schoenewolf@dgb.de

 

Anna Leona Gerhardt

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Anna Leona Gerhardt, Jugendbildungsreferentin, DGB Hessen-Thüringen, Region Mittelhessen, E-Mail: annaleona.gerhardt@dgb.de

 


Die Ausbildungsdaten der Bundesagentur für Arbeit vom Oktober 2001 bis heute zum Download:

Ausbildungsjahr 2016

Ausbildungsjahr 2015

Ausbildungsjahr 2014

Ausbildungsjahre 2007-2013

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