Deutscher Gewerkschaftsbund

Ausbildungsstellenmarkt September 2017: Die DGB-Jugend bewertet die BA-Statistik

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat mit den Zahlen zum Ausbildungsstellenmarkt für den Monat September zum sechsten Mal offiziell in diesem Jahr die aktuellen Ausbildungszahlen veröffentlicht. Dies nehmen wir zum Anlass, eine erste Bilanz zum Ausbildungsjahr 2017 zu ziehen. Von Anna Leona Gerhardt

Den Bewerber_innen standen bundesweit 549.785 bei der BA gemeldete Ausbildungsplätze gegenüber (davon 521.870 betriebliche Ausbildungsplätze). Dies ist ein Anstieg um 2.838 (betriebliche Ausbildungsstellen +4.081) im Vergleich zum Vorjahresmonat (vgl. Bundesagentur für Arbeit, Monatsbericht September 2017).

Insgesamt hat sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt trotz des leicht gestiegenen betrieblichen Ausbildungsplatzangebotes kaum verändert. Das zeigt sich insbesondere bei dem Blick auf die Problemlagen des Ausbildungsmarktes: 48.937 Ausbildungsstellen konnten in diesem Jahr nicht durch einen Auszubildenden besetzt werden und blieben frei. Gleichzeitig bleibt die Zahl der Ausbildungsinteressierten nahezu unverändert hoch.

Hier braucht es dringend Maßnahmen, die die freien Ausbildungsplätze für junge Menschen attraktiver machen: weniger Bestenauslese durch die Ausbildungsbetriebe, Zugriff auf unterstützende Instrumente, durch die auch junge Menschen mit Förderungsbedarf erfolgreich in der Ausbildung begleitet werden können sowie eine längst überfällige gesetzliche Initiative zu Verbesserung der Ausbildungsqualität.

Auch die Arbeitgeber müssen sicherstellen, dass die Qualität der Ausbildung besonders in den Berufen, in denen viele Stellen am Ende der Bewerbungsphase unbesetzt bleiben, steigt.

Mädchen

© DBJR

Ausbildungsplatzsuche: Die DGB-Jugend bezieht Stellung

Im September gibt es in folgenden Ausbildungsberufen noch besonders häufig freie Stellen: Kaufleute im Einzelhandel (3.416), Verkäufer_innen (2.393) und Köch_innen (2.186). Auch im Bereich Hotel- und Gaststättengewerbe, bei den Friseur_innen und den Lebensmittelfachverkäufer_innen sind noch viele Stellen frei.

Diese Berufe fallen im jährlich erscheinenden Ausbildungsreport der DGB-Jugend immer wieder durch eine niedrige Zufriedenheit der Auszubildenden auf. Gleichzeitig kommt es in den Berufen, für die es noch viele freie Ausbildungsstellen gibt, besonders häufig zu einem Abbruch der Ausbildung (vgl. Berufsbildungsbericht 2017, S.75-76). Das zeigt deutlich: Nur wenn die Qualität der Ausbildung stimmt, sind die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Ausbildungsplatzsuche und einen Ausbildungsabschluss gegeben.

Entscheidend ist, neben der Meldung zusätzlicher Ausbildungsstellen, ebenso eine Steigerung der Anzahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge. Bis Ende September ist die Zahl der Bewerber_innen, die bereits einen Ausbildungsplatz sicher haben, im Vergleich zum Vorjahresmonat um nur 0,3 Prozent auf 265.320 gestiegen.

Der Datenreport zum Berufsbildungsbericht der Bundesregierung, der am 1. April 2018 erscheint, wird hier belastbare Zahlen liefern.

Rund 1,2 Millionen junge Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren haben keine abgeschlossene Ausbildung, befinden sich nicht in Ausbildung, in einem Studium oder einem Freiwilligendienst. Die Ausbildungslosigkeit in dieser Gruppe liegt bei 13 Prozent.

Wie schwierig die Situation vieler Ausbildungsinteressierter ist, verdeutlichen die Zahlen: Die BA zählt 56.509 Bewerber_innen im alternativen Verbleib ("Bewerber mit Alternative zum 30.9.") und weitere 202.283 "andere ehemalige Bewerber" als versorgt, obwohl diese eigentlich eine Ausbildung beginnen wollen. Die BA zählt sie also als versorgt, obwohl sie es nicht sind. Zusammen mit den offiziell als unversorgt zählenden Bewerber_innen haben damit deutschlandweit 282.504 gemeldete Bewerber_innen bisher noch keinen Ausbildungsplatz bekommen. Demgegenüber stehen momentan 48.937 unbesetzte Ausbildungsstellen.

Rund 1,2 Millionen junge Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren haben keine abgeschlossene Ausbildung, befinden sich nicht in Ausbildung, in einem Studium oder einem Freiwilligendienst. Die Ausbildungslosigkeit in dieser Gruppe liegt laut Statistischem Bundesamt bei 13 Prozent.

Diese Zahlen zeigen mehr als deutlich: Junge Menschen brauchen ein Recht auf Ausbildung. Die Betriebe dürfen nicht nur über den vermeintlichen Fachkräftemangel und Akademisierungswahn klagen, sie müssen endlich mehr und qualitativ besser ausbilden. Wir brauchen dringend eine gesetzliche Ausbildungsplatzgarantie, damit sichergestellt ist, dass alle ausbildungsinteressierten Jugendlichen auch einen Ausbildungsplatz bekommen.

Wartezimmer im Arbeitsamt

© DGB/Simone M. Neumann

(Fast) jeden Monat frisch: Die Ausbildungstellenstatistik aus dem Hause BA

Die Ausbildungssituation im September 2017 – Die Zahlen auf einen Blick:

Gesamtes Bundesgebiet
Bundesweit haben sich bei der BA 547.824 Bewerber_innen für einen Ausbildungsplatz gemeldet. Das sind 96 mehr als im Vorjahresmonat. Den gemeldeten Bewerber_innen steht ein Angebot von zurzeit 549.785 gemeldeten Ausbildungsstellen gegenüber (davon sind 521.870 betriebliche Ausbildungsstellen). Das sind bereinigt 4.081 betriebliche Ausbildungsstellen mehr als im Vorjahresmonat.

Westdeutschland
Den 457.722 Bewerber_innen stehen 458.340 Ausbildungsplätze (438.779 betriebliche) gegenüber. Die Zahl der Bewerber_innen ist um 3.034 (0,7 Prozent) angestiegen, die Anzahl der Ausbildungsstellen nur minimal (+0.4 Prozent).

Ostdeutschland
Hier stehen 89.730 Bewerber_innen 91.302 Ausbildungsstellen (davon 82.948 betriebliche) gegenüber. Die Zahl der Bewerber_innen ist im Vergleich zum Vorjahresmonat um 822 (-0,9 Prozent) zurückgegangen, die Zahl der Ausbildungsplätze stieg leicht um 1,1 Prozent.

Daten nach Bundesländern, Regionaldirektionen und den Agenturen für Arbeit sind hier zu finden: Statistik

Anna Leona Gerhardt

© Simone M. Neumann

Anna Leona Gerhardt, DGB-Referentin für Ausbildungsfragen, E-Mail

 


Die Ausbildungsdaten der Bundesagentur für Arbeit vom Oktober 2001 bis heute zum Download:

Ausbildungsjahr 2017

Ausbildungsjahr 2016

Ausbildungsjahr 2015

Ausbildungsjahr 2014

Ausbildungsjahre 2007-2013