Deutscher Gewerkschaftsbund

Ausbildungsstellenmarkt Juli 2016: Die DGB-Jugend bewertet die BA-Statistik

Die Statistik im Blick: Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat mit den Zahlen zum Ausbildungsstellenmarkt für den Monat Juli zum fünften Mal in diesem Jahr die aktuellen Ausbildungszahlen offiziell veröffentlicht. Dies nehmen wir erneut zum Anlass für eine Einschätzung zum Ausbildungsjahr 2016. Von Anna Leona Gerhardt

Bis Ende Juli haben insgesamt 509.608 junge Menschen die BA bei ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz eingeschaltet. Dies sind etwas mehr (+0,2 Prozent) als im Vorjahresmonat. Dabei zeichnen sich zwischen West- und Ostdeutschland erhebliche Unterschiede ab: Ist die Zahl im Westen gleich geblieben, ist sie im Osten um 2,3 Prozent gestiegen.

Den Bewerber_innen standen bundesweit 511.261 bei der BA gemeldete Ausbildungsplätze gegenüber (davon 499.665 betriebliche Ausbildungsplätze). Dies ist ein deutlicher Anstieg um 26.237 Ausbildungsplätze (+5,5 Prozent) im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die erfreuliche Entwicklung aus den Monaten März bis Juni setzt sich auch im Juli fort und das Gesamtangebot an Ausbildungsplätzen liegt damit über der Anzahl der gemeldeten Bewerber_innen. Konnten die Arbeitgeber im vergangenen Jahr ihre in der Allianz für Aus- und Weiterbildung zugesagte Vereinbarung zur Meldung von 20.000 zusätzlichen betrieblichen Ausbildungsplätzen bei der Arbeitsagentur nicht einhalten, geben diese Zahlen Anlass zu Optimismus. Die in der Allianz getroffene Zielmarke beträgt auch in diesem Jahr wieder 501.000 betriebliche Ausbildungsplätze.

Wichtig ist zu betonen, dass die Zahlen bisher nur eine sehr eingeschränkte Aussagekraft besitzen und lediglich einen Trend für den Ausbildungsmarkt 2016 aufzeigen. Insgesamt wird man erst am Ende des Berufsberatungsjahres einschätzen können, wie sich die Lage am Ausbildungsstellenmarkt über das Jahr 2016 tatsächlich entwickelt hat.

Trotz des positiven Trends, gibt es auch weiterhin große Probleme auf dem Ausbildungsmarkt: Entscheidend ist, neben der Meldung zusätzlicher Ausbildungsstellen, ebenso eine Steigerung der Anzahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge. Auch nach dem 1. August, wo für einige Jugendliche die Ausbildung bereits begonnen hat, werden noch Ausbildungsverträge für das Ausbildungsjahr 2016 abgeschlossen.

Mädchen vor Schild der Arbeitsargentur

© DBJR

So ist bis Ende Juli die Zahl der Bewerber_innen, die bereits einen Ausbildungsplatz sicher haben, im Vergleich zum Vorjahresmonat nur um 0,5 Prozent auf 189.300 gestiegen. Betriebe die jetzt über unbesetzte Ausbildungsplätze klagen, sind daher im Endspurt der Bewerbungsphase besonders gefordert, allen ausbildungsinteressierten Jugendlichen den Weg in Ihre Betriebe zu ermöglichen und sich dabei endlich von der Praxis der "Bestenauslese" zu verabschieden. Zudem müssen die Arbeitgeber sicherstellen, dass die Qualität der Ausbildung besonders in den Berufen, in denen viele Stellen am Ende der Bewerbungsphase unbesetzt bleiben, steigt Diese Berufe fallen im jährlich erscheinenden Ausbildungsreport der DGB-Jugend immer wieder durch eine niedrige Zufriedenheit der Auszubildenden mit ihrer Ausbildung auf, so zum Beispiel im Hotel- und Gaststättengewerbe oder zu Teilen auch im Handwerk. Gleichzeitig kommt es in den Berufen, für die es noch viele freie Ausbildungsstellen gibt, besonders häufig zu einem Abbruch der Ausbildung. (Vgl. Berufsbildungsbericht 2016, Analyse S. 19-20)

Das zeigt deutlich: Nur wenn die Qualität der Ausbildung stimmt, sind die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Ausbildungsplatzsuche und einen Ausbildungsabschluss gegeben.   

Wie schwierig die Situation vieler Ausbildungsinteressierter ist, verdeutlichen die Zahlen: Die BA zählt 46.181 Bewerber_innen im alternativen Verbleib ("Bewerber mit Alternative zum 30.9.") und weitere 125.572 "andere ehemalige Bewerber" als versorgt, obwohl diese eigentlich eine Ausbildung beginnen wollen. Sie haben der BA angezeigt, dass sie eine Alternative zum Beginn einer Ausbildung hätten, halten ihren Vermittlungsauftrag aber trotzdem aufrecht. Die BA zählt sie also als versorgt, obwohl sie es nicht sind. Zusammen mit den offiziell als unversorgt zählenden Bewerber_innen haben damit deutschlandweit 320.308 gemeldete Bewerber_innen bisher noch keinen Ausbildungsplatz bekommen.

Demgegenüber stehen momentan 172.224 unbesetzte Ausbildungsstellen. Damit fehlen allein für die registrierten Bewerber_innen rein rechnerisch noch weitere 148.084 Ausbildungsstellen – und selbst dann würde noch kein auswahlfähiges Angebot vorliegen.

 "Insgesamt befanden sich knapp 271.000 junge Menschen in dem Wildwuchs von angeblich berufsvorbereitenden Maßnahmen – ein Plus von 7,2 Prozent! Dies ist angesichts der vielen noch unbesetzten Ausbildungsplätze eine völlige Fehlentwicklung."

Eine besorgniserregende Entwicklung zeigt sich auch im sogenannten Übergangssystem, also dem Bereich zwischen Schule und Beruf. Laut dem Ende April von der Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) vorgestellten Berufsbildungsbericht ist dieser im vergangenen Jahr stark angewachsen. Insgesamt befanden sich knapp 271.000 junge Menschen in dem Wildwuchs von angeblich berufsvorbereitenden Maßnahmen – ein Plus von 7,2 Prozent!

Dies ist angesichts der vielen noch unbesetzten Ausbildungsplätze eine völlige Fehlentwicklung. Die Bundesregierung hat auf Druck der Gewerkschaften mit der Assistierten Ausbildung und der Ausweitung der ausbildungsbegleitenden Hilfen Maßnahmen ergriffen, die Fördermöglichkeiten für Jugendliche bieten, die Unterstützung brauchen und gleichzeitig dieses im Rahmen einer betrieblichen Ausbildung realisieren.

Die Zahlen zeigen insgesamt: Junge Menschen brauchen ein Recht auf Ausbildung. Die Betriebe dürfen nicht nur über den vermeintlichen Fachkräftemangel und Akademisierungswahn klagen, sie müssen endlich mehr und qualitativ besser ausbilden. Wir brauchen dringend eine gesetzliche Ausbildungsplatzgarantie, damit sichergestellt ist, dass alle ausbildungsinteressierten Jugendlichen auch einen Ausbildungsplatz bekommen.

Wartezimmer im Arbeitsamt

(Fast) jeden Monat frisch: Die Ausbildungstellenstatistik aus dem Hause BA. DGB/Simone M. Neumann

Die Ausbildungssituation im Juli 2016 – Die Zahlen auf einen Blick:

Gesamtes Bundesgebiet
Bundesweit haben sich bei der BA 509.608 Bewerber_innen für einen Ausbildungsplatz gemeldet. Das sind 1.024 mehr (+0,2 Prozent) als im Vorjahresmonat. Den gemeldeten Bewerber_innen steht ein Angebot von zurzeit 511.261 gemeldeten Ausbildungsstellen gegenüber (davon sind 499.665 betriebliche Ausbildungsstellen). Das sind 26.237 Stellen (+5,5 Prozent) mehr als im Vorjahresmonat. Dabei ist die Zahl in den östlichen Bundesländern mit 6,9 Prozent deutlich stärker gestiegen als in den westlichen Bundesländern (+5,3 Prozent).

Westdeutschland
Den 423.854 Bewerber_innen stehen 427.790 Ausbildungsplätze (419.035 betriebliche) gegenüber. Die Zahl der Bewerber_innen gleich geblieben, die Anzahl der Ausbildungsstellen um 20.735 (+5,1 Prozent) deutlich gestiegen.

Ostdeutschland
Hier stehen 83.267 Bewerber_innen 83.333 Ausbildungsstellen (davon 80.492 betriebliche) gegenüber. Die Zahl der Bewerber_innen ist im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1.879 (+2,3 Prozent) ebenso gestiegen, wie die Anzahl der Ausbildungsplätze (6.054 Plätze; +7,8 Prozent).


Daten nach Bundesländern, Regionaldirektionen und den Agenturen für Arbeit sind hier zu finden: Statistik

Anna Leona Gerhardt

© Privat

Anna Leona Gerhardt, DGB-Referentin für Ausbildungsfragen, Mail: annaleona.gerhardt@dgb.de

 


Die Ausbildungsdaten der Bundesagentur für Arbeit vom Oktober 2001 bis heute zum Download:

Ausbildungsjahr 2016

Ausbildungsjahr 2015

Ausbildungsjahr 2014

Ausbildungsjahre 2007-2013

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