Deutscher Gewerkschaftsbund

Ausbildungsstellenmarkt September 2016: Die DGB-Jugend bewertet die BA-Statistik

Die Statistik im Blick: Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat mit den Zahlen zum Ausbildungsstellenmarkt für den Monat September die aktuellen Ausbildungszahlen offiziell veröffentlicht. Dies nehmen wir erneut zum Anlass für eine Einschätzung zum Ausbildungsjahr 2016. Von Anna Leona Gerhardt

Bis Ende September haben insgesamt 547.728 junge Menschen die BA bei ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz eingeschaltet. Dies sind etwas weniger (-0,3 Prozent) als im Vorjahresmonat. Dabei zeichnen sich zwischen West- und Ostdeutschland erhebliche Unterschiede ab: Ist die Zahl im Westen um 0,4 Prozent gesunken, ist sie im Osten um 1,4 Prozent gestiegen.

Den Bewerber_innen standen bundesweit 546.947 bei der BA gemeldete Ausbildungsplätze gegenüber (davon 517.798 betriebliche Ausbildungsplätze). Dies ist ein Anstieg um 16.000 (betriebliche Ausbildungsstellen +18.400) im Vergleich zum Vorjahresmonat (vgl. Bundesagentur für Arbeit, Monatsbericht September 2016).

Die erfreuliche Entwicklung der letzten Monate setzt sich auch am Ende des Beratungsjahres im September fort. (Bei der Bewertung der zusätzlichen Ausbildungsstellen sind in diesem Jahr die neu ausgewiesenen Abiturient_innenausbildung herausgerechnet worden, um einen realistischen Blick auf die Entwicklung des Ausbildungsmarktes im Vergleich zum Vorjahr zu erhalten.)

Insgesamt hat sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt trotz des gestiegenen betrieblichen Ausbildungsplatzangebotes kaum verändert. Das zeigt sich insbesondere bei dem Blick auf die Problemlagen des Ausbildungsmarktes: 43.478 Ausbildungsstellen konnten in diesem Jahr nicht durch einen Auszubildenden besetzt werden und blieben frei. Gleichzeitig bleibt die Zahl der Ausbildungsinteressierten nahezu unverändert hoch.

Mädchen

© DBJR

Ausbildungsplatzsuche: Die DGB-Jugend bezieht Stellung

Hier braucht es dringend Maßnahmen, die die freien Ausbildungsplätze für junge Menschen attraktiver machen: weniger Bestenauslese durch die Ausbildungsbetriebe, Zugriff auf unterstützende Instrumente, durch die auch junge Menschen mit Förderungsbedarf erfolgreich in der Ausbildung begleitet werden können sowie eine längst überfällige gesetzliche Initiative zu Verbesserung der Ausbildungsqualität. Die Novellierung des Berufsbildungsgesetzes durch die aktuelle Bundesregierung steht jedoch immer noch aus.

Auch die Arbeitgeber müssen sicherstellen, dass die Qualität der Ausbildung besonders in den Berufen, in denen viele Stellen am Ende der Bewerbungsphase unbesetzt bleiben, steigt.

Im September gibt es in folgenden Ausbildungsberufen noch besonders häufig freie Stellen: Kaufleute im Einzelhandel (2.700), Verkäufer_innen (2.600) und Köch_innen (2.200). Auch im Bereich Hotel- und Gaststättengewerbe, bei den Friseur_innen und den Lebensmittelfachverkäufer_innen sind noch viele Stellen frei (vgl. Bundesagentur für Arbeit, Monatsbericht September 2016).

Diese Berufe fallen im jährlich erscheinenden Ausbildungsreport der DGB-Jugend immer wieder durch eine niedrige Zufriedenheit der Auszubildenden auf. Gleichzeitig kommt es in den Berufen, für die es noch viele freie Ausbildungsstellen gibt, besonders häufig zu einem Abbruch der Ausbildung (vgl. Berufsbildungsbericht 2016, Analyse S.19-20). 

Das zeigt deutlich: Nur wenn die Qualität der Ausbildung stimmt, sind die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Ausbildungsplatzsuche und einen Ausbildungsabschluss gegeben.   

Entscheidend ist, neben der Meldung zusätzlicher Ausbildungsstellen, ebenso eine Steigerung der Anzahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge. Bis Ende September ist die Zahl der Bewerber_innen, die bereits einen Ausbildungsplatz sicher haben, im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,2 Prozent auf 264.447 gefallen. Das heißt: 2.377 junge Menschen weniger haben 2016 einen Ausbildungsplatz gefunden.

43.478 Ausbildungsstellen konnten in diesem Jahr nicht durch einen Auszubildenden besetzt werden und blieben frei. Gleichzeitig bleibt die Zahl der Ausbildungsinteressierten nahezu unverändert hoch. Die Zahlen zeigen mehr als deutlich: Junge Menschen brauchen ein Recht auf Ausbildung.

Auch erste Zahlen der Kammern deuten darauf hin, dass trotz des größeren betrieblichen Ausbildungsplatzangebotes nicht mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen werden. Der Datenreport zum Berufsbildungsbericht der Bundesregierung, der am 1. April 2017 erscheint, wird hier belastbare Zahlen liefern.

Wie schwierig die Situation vieler Ausbildungsinteressierter ist, verdeutlichen die Zahlen: Die BA zählt 60.053 Bewerber_innen im alternativen Verbleib ("Bewerber mit Alternative zum 30.9.") und weitere 202.678 "andere ehemalige Bewerber" als versorgt, obwohl diese eigentlich eine Ausbildung beginnen wollen. Die BA zählt sie also als versorgt, obwohl sie es nicht sind. Zusammen mit den offiziell als unversorgt zählenden Bewerber_innen haben damit deutschlandweit 283.281 gemeldete Bewerber_innen bisher noch keinen Ausbildungsplatz bekommen. Demgegenüber stehen momentan 43.478 unbesetzte Ausbildungsstellen.

Damit fehlen allein für die registrierten Bewerber_innen rein rechnerisch noch weitere 239.803 Ausbildungsstellen. Das Plus von 18.400 betrieblichen Ausbildungsplätzen führt offenbar nicht dazu, dass mehr ausbildungsinteressierte Jugendliche den Weg in die Berufsausbildung finden, da die Zahl der ausbildungsinteressierten jungen Menschen nahezu gleich geblieben ist. Ebenso ist die Zahl der bei der BA gemeldeten Bewerber_innen auf ähnlichem Niveau wie im Vorjahr.

Die Zahlen zeigen mehr als deutlich: Junge Menschen brauchen ein Recht auf Ausbildung. Die Betriebe dürfen nicht nur über den vermeintlichen Fachkräftemangel und Akademisierungswahn klagen, sie müssen endlich mehr und qualitativ besser ausbilden. Wir brauchen dringend eine gesetzliche Ausbildungsplatzgarantie, damit sichergestellt ist, dass alle ausbildungsinteressierten Jugendlichen auch einen Ausbildungsplatz bekommen.

Wartezimmer im Arbeitsamt

© DGB/Simone M. Neumann

(Fast) jeden Monat frisch: Die Ausbildungstellenstatistik aus dem Hause BA

Die Ausbildungssituation im August 2016 – Die Zahlen auf einen Blick:

Gesamtes Bundesgebiet

Bundesweit haben sich bei der BA 547.728 Bewerber_innen für einen Ausbildungsplatz gemeldet. Das sind 1.371 weniger (-0,3 Prozent) als im Vorjahresmonat. Den gemeldeten Bewerber_innen steht ein Angebot von zurzeit 546.947 gemeldeten Ausbildungsstellen gegenüber (davon sind 517.789 betriebliche Ausbildungsstellen). Das sind bereinigt 18.400 betriebliche Ausbildungsstellen mehr als im Vorjahresmonat.

Westdeutschland

Den 454.688 Bewerber_innen stehen 456.533 Ausbildungsplätze (534.851 betriebliche) gegenüber. Die Zahl der Bewerber_innen ist um 1.904 (-0,4 Prozent) zurückgegangen, die Anzahl der Ausbildungsstellen deutlich gestiegen.

Ostdeutschland

Hier stehen 90.552 Bewerber_innen 90.280 Ausbildungsstellen (davon 82.804 betriebliche) gegenüber. Die Zahl der Bewerber_innen ist im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1.292 (+1,4 Prozent) gestiegen, ebenso stieg die Anzahl der Ausbildungsplätze.

Daten nach Bundesländern, Regionaldirektionen und den Agenturen für Arbeit sind hier zu finden: Statistik

Anna Leona Gerhardt

© Privat

Anna Leona Gerhardt, DGB-Referentin für Ausbildungsfragen, E-Mail

 


Die Ausbildungsdaten der Bundesagentur für Arbeit vom Oktober 2001 bis heute zum Download:

Ausbildungsjahr 2016

Ausbildungsjahr 2015

Ausbildungsjahr 2014

Ausbildungsjahre 2007-2013