Deutscher Gewerkschaftsbund

Ausbildungsstellenmarkt Juni 2017: Die DGB-Jugend bewertet die BA-Statistik

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat mit den Zahlen zum Ausbildungsstellenmarkt für den Monat Juni zum dritten Mal offiziell in diesem Jahr die aktuellen Ausbildungszahlen veröffentlicht. Dies nehmen wir zum Anlass, eine erste Bilanz zum Ausbildungsjahr 2017 zu ziehen. Von Anna Leona Gerhardt

Bis Ende Juni haben insgesamt 488.702 junge Menschen die BA bei ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz eingeschaltet. Dies sind 1.825 Bewerber_innen mehr (+0,4 Prozent) als im Vorjahresmonat. Die Entwicklung in Ost- und Westdeutschland unterscheidet sich dabei: Die Zahl der gemeldeten Bewerber_innen ist in Ostdeutschland um 1,5 Prozent gesunken, in Westdeutschland gab es einen leichten Anstieg von 1,3 Prozent.

Den Bewerber_innen standen bundesweit 495.857 bei der BA gemeldete Ausbildungsplätze gegenüber (davon 487.174 betriebliche Ausbildungsplätze). Dies ist ein leichter Anstieg um 1.345 Ausbildungsplätze (+0,3 Prozent) im Vergleich zum Vorjahresmonat - und ein erster Hinweis darauf, dass sich die positive Entwicklung des Jahres 2016 in diesem Jahr nicht so deutlich fortsetzt.

Nachdem 2016 das in der Allianz für Aus- und Weiterbildung vereinbarte Ziel von 20.000 mehr betrieblichen Ausbildungsplätzen erreicht wurde, weisen die neuen Zahlen auf eine relative Stagnation beim Ausbildungsangebot hin.

Gleichzeitig muss jedoch gesagt werden, dass diese ersten Zahlen im Jahr nur eine sehr eingeschränkte Aussagekraft besitzen: Erst am Ende des Berufsberatungsjahres wird man einschätzen können, wie sich die Lage am Ausbildungsstellenmarkt über das gesamte Jahr 2017 tatsächlich entwickelt hat.

Mädchen

© DBJR

Ausbildungsplatzsuche: Die DGB-Jugend bezieht Stellung

Trotz dieses positiven Trends verdeutlichen diese Daten aber auch die oftmals schwierige Situation vieler Ausbildungsinteressierter: Die BA zählt 38.338 Bewerber_innen im alternativen Verbleib („Bewerber mit Alternative zum 30.9.“) und weitere 105.900 „andere ehemalige Bewerber“ als versorgt, obwohl diese eigentlich eine Ausbildung beginnen wollen.

Sie haben der BA angezeigt, dass sie eine Alternative zum Beginn einer Ausbildung hätten, halten ihren Vermittlungsauftrag aber trotzdem aufrecht. Die BA zählt sie also als versorgt, obwohl sie es nicht sind. Zusammen mit den offiziell als unversorgt zählenden Bewerber_innen haben damit deutschlandweit 336.382 gemeldete Bewerber_innen bisher noch keinen Ausbildungsplatz bekommen.

Demgegenüber stehen momentan 214.256 unbesetzte Ausbildungsstellen. Damit fehlen allein für die registrierten Bewerber_innen rein rechnerisch noch weitere 122.126 Ausbildungsstellen – und selbst, wenn es sie gäbe, würde noch kein auswahlfähiges Angebot vorliegen.

Darüber hinaus werden noch immer viele junge Menschen in Maßnahmen im Übergangsbereich zwischen Schule und Beruf vermittelt - laut Schnellmeldung vom Mai 2017 (Statistisches Bundesamt 2017) 298.800 junge Menschen im Jahr 2016 - obwohl die meisten von ihnen nur einen Ausbildungsplatz und keine Maßnahmen benötigen.

Das ist ein deutlicher Anstieg, der sich teilweise durch die höhere Anzahl junger geflüchteter Menschen erklären lässt, die in Sprachkursen auf eine Ausbildung vorbereitet werden. Und noch immer hatten im vergangenen Jahr 1,95 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren keinen qualifizierenden Berufsabschluss - das sind 13,4 Prozent der Altersgruppe.

Die Betriebe dürfen nicht nur über den vermeintlichen Fachkräftemangel und Akademisierungswahn klagen, sie müssen endlich mehr ausbilden. Die anhaltende Ablehnung von Hauptschüler_innen im Bewerbungsverfahren um einen Ausbildungsplatz muss ein Ende haben. Wir brauchen dringend eine gesetzliche Ausbildungsplatzgarantie.

Diese Zahlen zeigen: Bund, Länder und Sozialpartner müssen wieder gemeinsam die duale Berufsausbildung stärken. In der Allianz für Aus- und Weiterbildung haben sich die Allianz-Partner genau dies vorgenommen. Beim genauen Blick auf den Anstieg der betrieblichen Ausbildungsplätze zeigt sich aber, dass viele „neue“ Plätze gar nicht neu sind, sondern jetzt nur neu bei der BA gemeldet wurden.

Wenn man bedenkt, dass die Anzahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge in 2016 mit 520.332 gleichzeitig einen Tiefstand erreicht hat, kommt das Angebot dieser neuen Ausbildungsplätze offenbar nicht bei den jungen Menschen an. Grund dafür ist die seit Jahren bestehende Bestenauslese der Unternehmen: Abitur und mittlerer Schulabschluss sind zur Leitwährung auf dem Ausbildungsmarkt geworden.

Junge Menschen mit einem Hauptschulabschluss haben dagegen kaum noch eine Chance auf einen direkten Einstieg in die Ausbildung – nur 45 Prozent schaffen diesen direkten Einstieg.

Deshalb fordern wir auch im Blick auf die Weiterentwicklung der Allianz für Aus- und Weiterbildung: Junge Menschen brauchen ein Recht auf Ausbildung.

Die Betriebe dürfen nicht nur über den vermeintlichen Fachkräftemangel und Akademisierungswahn klagen, sie müssen endlich mehr ausbilden. Die anhaltende Ablehnung von Hauptschüler_innen im Bewerbungsverfahren um einen Ausbildungsplatz muss ein Ende haben.

Wir brauchen deshalb dringend eine gesetzliche Ausbildungsplatzgarantie. Damit sichergestellt ist, dass alle ausbildungsinteressierten Jugendlichen auch einen Ausbildungsplatz bekommen.

 

Wartezimmer im Arbeitsamt

© DGB/Simone M. Neumann

(Fast) jeden Monat frisch: Die Ausbildungstellenstatistik aus dem Hause BA

Die Ausbildungssituation im Juni 2017 – Die Zahlen auf einen Blick:

Gesamtes Bundesgebiet
Bundesweit haben sich bei der BA 488.702 Bewerber_innen für einen Ausbildungsplatz gemeldet. Das sind 1.825 mehr (+0,4 Prozent) als im Vorjahresmonat. Den gemeldeten Bewerber_innen steht ein Angebot von zurzeit 495.857 gemeldeten Ausbildungsstellen gegenüber (davon sind 487.174 betriebliche Ausbildungsstellen). Das sind 1.345 Stellen (+0,3 Prozent) mehr als im Vorjahresmonat. Dabei ist die Zahl in den östlichen Bundesländern im Vergleich zu Juni 2016 um 0,8 Prozent gesunken, in den westlichen Bundesländern um 0,5 Prozent gestiegen.

Westdeutschland
Den 410.667 Bewerber_innen stehen 415.759 Ausbildungsplätze (409.572 betriebliche) gegenüber. Die Zahl der Bewerber_innen ist um 5.104 (+1,3 Prozent) gestiegen, auch die Anzahl der Ausbildungsstellen (+2.008 Ausbildungsstellen; +0,5 Prozent) ist leicht gestiegen.

Ostdeutschland
Hier stehen 77.687 Bewerber_innen, 79.962 Ausbildungsstellen (77.466 betriebliche) gegenüber. Die Zahl der Bewerber_innen ist im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1.155 (-1,5 Prozent) gesunken, die Anzahl der Ausbildungsplätze (-663 Plätze) ebenfalls.

Daten nach Bundesländern, Regionaldirektionen und den Agenturen für Arbeit sind hier zu finden: Statistik

Anna Leona Gerhardt

© Privat

Anna Leona Gerhardt, DGB-Referentin für Ausbildungsfragen, E-Mail

 


Die Ausbildungsdaten der Bundesagentur für Arbeit vom Oktober 2001 bis heute zum Download:

Ausbildungsjahr 2017

Ausbildungsjahr 2016

Ausbildungsjahr 2015

Ausbildungsjahr 2014

Ausbildungsjahre 2007-2013