Deutscher Gewerkschaftsbund

Für die Solidarität: Der zweite Tag der 20. DGB-Bundesjugendkonferenz

Die 20. DGB-Bundesjugendkonferenz 2017 am 11. November: Die Gewerkschaftsjugend diskutierte die Themen Bildung und Ausbildung und warnte vor Rechtspopulismus.

BJK

@ DGB-Jugend

Debatten und Grußworte auf der 20. Bundesjugendkonferenz in Berlin

Am zweiten Tag der DGB-Bundesjugendkonferenz in Berlin wurde die Antragsberatung fortgesetzt. "Bildung und Weiterbildung" standen auf dem Programm: Anträge zur Chancengleichheit durch den Abbau von Bildungsbarrieren. Dazu gehört die Gebührenfreiheit beim Studium ebenso wie eine Verbesserung des BAföG. Auch soll gewerkschaftliche Arbeit stärker in die Rahmenlehrpläne der Schulen integriert werden.

Weitere Beschlüsse wurden gegen Zwangsexmatrikulation an den Hochschulen, zu arbeitgeberfinanzierter Weiterbildung sowie zur internationalen Solidarität verabschiedet: In Baden-Württemberg wurden Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer_innen eingeführt – das ist mit der DGB-Jugend nicht zu machen.

Außerdem stand an diesem Tag das Sachgebiet A "Für eine gute Ausbildung" zur Beratung. Wie entwickelt sich die Ausbildung der Zukunft, gerade unter den Veränderungen durch Digitalisierung? Wie muss sich die betriebliche Mitbestimmung verändern?

Nach langer Diskussion verabschiedete die Konferenz den Beschluss für eine Untergrenze bei Azubi-Vergütungen. Darin heißt es: "Die DGB-Jugend bekennt sich zu einer gesetzlichen Mindestausbildungsvergütung."

Impressionen von der Bundesjugendkonferenz

Qualifizierung der Ausbilder_innen, Verbot von Schichtarbeit – bei der Entwicklung der dualen Ausbildung planen die Gewerkschaftsjugendlichen die soziale Zukunft. Ein wichtiger Punkt ist in diesem Zusammenhang auch die Forderung nach einem bundesweiten Azubi-Ticket. Denn die Fahrtkosten können zu einem erheblichen Problem werden: Bei manchen Azubis können sie sogar die gesamte Vergütung ausmachen.

Für die DGB-Jugend gehört es zu den Anforderungen an gute Ausbildung und Arbeit, dass die Kosten für Arbeitswege übernommen werden. Konkret heißt das, dass die Arbeitgeber in der Verantwortung stehen, für die Fahrtkosten aufzukommen.

Besonderes Augenmerk verdient auch die Forderung nach einer echten Novellierung des Berufsbildungsgesetzes. Die Rechte der Jugend- und Auszubildendenvertretungen müssen gestärkt und das aktive Wahlrecht der Azubis in den Betrieben unabhängig vom Alter ausgeweitet werden.

Im Antragsblock C wurde die Forderung nach einem Verbot von Leiharbeit - auch nach der Ausbildung - beschlossen, und auch, dass die Probezeit bei der Übernahme abzuschaffen sei. Die Delegierten sprachen sich für faire, freiwillige Praktika statt unbezahlter Pflichtpraktika aus und unterstrichen die Forderung nach der Angleichung der Arbeitsbedingungen in Ost- und Westdeutschland.

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Grußworte aus Israel, Europa, Österreich und Brasilien

Die DGB-Jugend hatte viele internationale Gäste zu Besuch, die Grüße ihrer Organisationen überbrachten.

Avital Shapira

© DGB-Jugend

Avital Shapira-Shabirow vom israelischen Gewerkschaftsdachverband Histadrut

Solidarität ist international - niemand beschrieb dies besser als Avital Shapira-Shabirow vom israelischen Gewerkschaftsdachverband Histadrut. Sie verwies in ihrer Rede auf die besonders enge, jahrzehntelange Zusammenarbeit mit DGB-Jugend und DGB: "Ich bin sehr stolz darauf und freue mich immer sehr, die zukünftigen Entscheidungsträger der DGB-Gewerkschaften zu treffen, von denen die meisten heute mit uns auf dieser großartigen Konferenz sind."

2018 wird es in diesem Sinne einen neuen Rekord geben: Gleich vier Delegationen aus Deutschland werden nach Israel, fünf Jugenddelegationen der Histadrut werden nach Deutschland reisen. Sie sei stolz darauf, mit einer Organisation zusammenzuarbeiten, "die - wie wir - alle Arbeitnehmer beschützt. Unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Geschlecht, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Religion oder ihrer politischen Ausrichtung. Dies geschieht aus der klaren Überzeugung heraus, dass wir für jeden Arbeitnehmer und dessen Rechte einstehen müssen". Dies sei Recht wie moralische Verpflichtung.

Shapira-Shabirow sprach dem DGB besonderen Dank für die Solidarität mit den israelischen Gewerkschaften aus. "Jene Solidarität, die ihr uns entgegenbringt, wenn die Histadrut gezwungen ist, sich mit einer unsachlichen und ungerechten Anti-Israel-Haltung von Gewerkschaften aus der ganzen Welt auseinanderzusetzen."

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Tom Vrijens

© DGB-Jugend

Tom Vrijens von der EGB-Jugend

Tom Vrijens, der Präsident des Jugendkomitees beim Europäischen Gewerkschaftsbund, dankte für die konstruktive Zusammenarbeit der letzten zwei Jahre, in denen er im Amt war. Wenn man den Politiker_innen in Brüssel zuhöre, sei immer eitel Sonnenschein. Aber die Wirklichkeit sehe anders aus. "Wenn Europa eine Zukunft haben soll, dann eine soziale."

Eine große Bedrohung sah er in dem europaweit grassierenden Rechtspopulismus. "Alles was hier auf der Konferenz diskutiert wird, sollte nicht hier drin, in diesen vier Wänden bleiben. Die Diskussionen sollten nach draußen getragen werden. Nicht die AFD ist eine Alternative für Deutschland. Hier im Saal der DGB-Jugend, das ist eine echte Alternative. Wir alle müssen europaweit gegen diese Welle von rechts kämpfen."

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S. Ernszt

© DGB-Jugend

Sascha Ernszt von der österreichischen Gewerkschaftsjugend

Sascha Ernszt, der Bundesjugendsekretär des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, betonte die enge Verbundenheit mit der DGB-Jugend. "Wir haben uns viel abschauen können bei euch, unsere politischen Forderungen sind ähnlich."

Ausbildung, Vergütung, Sozialleistungen: Auch Ernszt warnte vor den Rechten, denn wenn sie an die Macht kämen, strichen sie als erstes alles zusammen, was Sinn mache.

Ob FPÖ oder AfD: Rechtspopulismus bedeute immer Umverteilung von unten nach oben. Aber, sagte er: "An uns wird der Widerstand nicht scheitern. Wir haben den Plan für eine solidarische Gesellschaft. Wir sagen ihnen den Kampf an. Solidarität ist das, wofür wir in ganz Europa eintreten müssen."

Danach trat der junge Rapper Kassem auf. Er ist selbst mit seiner Familie aus Syrien vor Krieg und Terror geflüchtet und verarbeitet seine Eindrücke in seinen Liedtexten. Mit seinem Song "Du kannst froh sein" sorgte der 16-Jährige diesen Sommer für Aufsehen. Als die Bilder von Krieg in Syrien zu sehen waren, fing er an, Lieder zu schreiben: "Du kannst froh sein, dass du eine Haus hast, dass du eine Familie hast, die auf dich aufpasst", singt er. "Du kannst froh sein, dass hier keine toten Kinder liegen – keine Bomben fallen und keine Menschen fliehen."

Die DGB-Jugend dankte für die Performance mit tosendem Applaus.

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Edjane Rodrigues

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Edjane Rodrigues (r.) vom brasilianischen Gewerkschaftsdachverband CUT

Anschließend überbrachte Edjane Rodrigues die Grüße der brasilianischen Beschäftigten. Die Gewerkschaftssekretärin vom größten brasilianischen Dachverband Central Única dos Trabalhadores mit 7,2 Millionen Mitgliedern - 25 Prozent sind junge Leute - ist zugleich Vorsitzende der amerikanischen Gewerkschaftsjugend.

"Guten Tag an die kämpferische Jugend!", begann sie ihren Vortrag. Die gewerkschaftlichen Jugendorganisationen müssten weltweit kooperieren. Denn in diesen Zeiten von internationaler Krise und aufkommenden Faschismus helfe nur eines: "Die Solidarität der Jugend gegen den Verlust der Demokratie!"

Die Arbeitslosigkeit betrage schon 13 Prozent in Brasilien, beschrieb sie die Lage in dem riesigen Land, insbesondere bei den jungen Arbeitnehmer_innen nehme sie drastisch zu. Neue Arbeitsgesetze machten schwer erkämpfte Rechte rückgängig. Eine rechte Regierung, die alles Soziale hasse – das sei in Brasilien schon Realität. Erst kürzlich wurden Bildungs- und Gesundheitsprogramme für alle ausgesetzt.

Die junge Generation stehe überall unter Druck. Mit Blick auf die Auseinandersetzung wollen CUT und DGB-Jugend ein Jugendbildungsprogramm entwickeln, mit dem Jugendliche an die Gewerkschaften herangeführt werden sollen. "Sie sollen sich ihrer sozialen Klasse bewusst werden und selbst ihre Realität verändern", sagte Rodrigues. "Durch diese Zusammenarbeit zeigen wir, dass die Kämpfe der Jugend in Deutschland und Brasilien eins sind. Gemeinsam werden wir siegen!"

Die Antragsberatung wurde in den Abend hinein fortgesetzt.