Deutscher Gewerkschaftsbund

Bildungspolitische Beschlüsse der Bundesjugendkonferenz

Die mehr als 100 Delegierten der 20. DGB-Bundesjugendkonferenz haben sich vom 10. bis 12. November 2017 in Berlin für die kommenden vier Jahre aufgestellt. Dabei haben sie wegweisende Beschlüsse für eine gute und gerechte Bildung verabschiedet.

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© DGB-Jugend

Solidarität statt Einzelkämpfertum: Weil es an öffentlichen Geldern mangelt, breiten sich private Schulen und Hochschulen immer mehr aus. Gebühren für Lernende und schlechtere Arbeitsbedingungen für Lehrende sind hier die Regel. Die Gewerkschaftsjugend fordert, dieser Entwicklung einen Riegel vorzuschieben. Bildung muss als öffentliche Daseinsvorsorge begriffen und auch öffentlich verantwortet werden.

"Bildung macht begreifbar, dass Arbeits- und Lebensverhältnisse durch Menschen geschaffen sind und auch von Menschen verändert werden können. Bildung ist ein Menschenrecht."

Warum sich gerade Gewerkschafter_innen mit Bildung auseinandersetzen sollten, stellten die Delegierten im Leitantrag "Für eine gute und gerechte Bildung" an den Anfang: "Bildung macht begreifbar, dass Arbeits- und Lebensverhältnisse durch Menschen geschaffen sind und auch von Menschen verändert werden können. Bildung ist ein Menschenrecht".

Doch Bildung gibt es nicht zum Nulltarif und für bestehende Herausforderungen braucht es neue Investitionen und ausreichend Personal. Bildungskosten durch Gebühren auf die Individuen umzulagern, lehnt die DGB-Jugend hingegen strikt ab.

Wie notwendig diese Forderungen der Gewerkschaftsjugend sind, zeigt die zunehmenden Privatisierung im Bildungsbereich: Weil es an öffentlichen Geldern mangelt, breiten sich private Schulen und Hochschulen immer mehr aus. Gebühren für Lernende und schlechtere Arbeitsbedingungen für Lehrende sind hier die Regel.

Die Gewerkschaftsjugend fordert, dieser Entwicklung einen Riegel vorzuschieben. Bildung muss als öffentliche Daseinsvorsorge begriffen und auch öffentlich verantwortet werden.

Integration durch Bildung

Die Delegierten machen sich für einen Abbau struktureller, institutioneller und individueller Diskriminierungen im Bildungssystem stark. Dazu gehören sowohl ein gebührenfreier Bildungszugang für Geflüchtete unabhängig des Aufenthaltsstatus, als auch interkulturelle und sprachliche Kompetenzen als Querschnittsqualifikation für alle Lehrkräfte.

Bildung in digitalen Zeiten

Am Zahn der Zeit zeigte sich die Konferenz in der Diskussion um Digitalisierung. Es kommt darauf an, Bildung bewusst zu gestalten, damit es sozial und geschlechtergerecht zugeht. Die Chancen der Digitalisierung müssen dabei genutzt werden, um mehr Menschen den Bildungszugang zu ermöglichen und Barrieren abzubauen. Mehr Leistungsdruck durch Digitalisierung erteilten die Gewerkschafter_innen eine Absage.

Durchlässigkeit und lebenslanges Lernen

Welcher Weg individuell auch immer gegangen wird, für die Gewerkschaftsjugend steht fest: Berufliche und akademische Bildung sind gleichwertig. Damit alle ihren individuellen Weg gehen können und nicht in Sackgassen enden, forderten die Delegierten mehr Einsatz für eine gute Berufsorientierung, die bereits in der Schule starten muss.

Weiterbildung

Bei Weiterbildungen werden derzeit Arbeitnehmer_innen finanziell immer mehr belastet. Vom individuellen Recht auf Bildung kann hier also noch immer keine Rede sein. Die Bundesjugendkonferenz fordert daher den Gesetzgeber auf, ein bundesweites Weiterbildungsgesetz ins Leben zu rufen. Dieses soll ein Recht auf Weiterbildung festschreiben und Standards setzen.

Gemeinsames Lernen für alle

Eine gute Ausbildungsförderung und qualitativ hochwertige Bildungsinstitutionen sind die Ausgangsbedingungen für diskriminierungsfreie Bildungswege.

Der Kern einer guten Ausbildungsförderung ist immer noch das BAföG, das allerdings dringend reformiert werden muss, um seine Wirkung wieder zu entfalten.

Die Gewerkschaftsjugend hat hier zahlreiche konkrete Änderungsvorschläge ins Rennen gebracht, wie z.B. den einfacheren Bezug für Asylbewerber_innen und Geduldeten. Denn das Ziel muss sein, gemeinsam mit allen zu lernen, statt zu selektieren.

Konsequent wird daher auch gefordert, das mehrgliedrige Schulsystem und Ziffernnoten abzuschaffen. Zudem machten sich die Delegierten dafür stark, dass umfassend gebildet wird und auch gewerkschaftliche Themen, wie z. B. Tarifverhandlungen, ihren Platz im Unterricht finden.

Hochschule

Gute Lehre gibt es nur, wenn auch die Arbeitsbedingungen für die Lehrenden stimmen. Ein Ende des Befristungswahns für den Mittelbau und eine Ausweitung der Mitbestimmungsrechte studentischer Hilfskräfte sind daher mehr als überfällig.

Beim stetig wachsenden Modell des dualen Studiums sieht die Gewerkschaftsjugend noch viel zu regeln. So sind die praktischen Phasen dualer Studiengänge kaum normiert, weshalb die Regelung innerhalb des Berufsbildungsgesetzes gefordert wird.