Deutscher Gewerkschaftsbund

Keine Phrasen!

Niklas Bachmann, IG BAU-Mitglied und GJAV-Vorsitzender in einem deutschen Straßenbaukonzern.

Junger Mann vor Baumaschinen

© Simone M. Neumann

Was ist eine GJAV? Wenn ein Unternehmen mehrere Betriebe hat und es dort jeweils JAVen gibt, kommt Niklas Bachmann!

Niklas, du bist seit 2014 Jugend- und Auszubildendenvertreter. Was machst du denn den ganzen Tag?
Na, ich habe ganz normale Arbeitszeiten wie meine Kolleg_innen auch. Weil ich ein praxisintegriertes Studium zum Bauingenieur mache, gehe ich also zur Uni oder auf die Baustelle. Aber ihr wollt sicher wissen, was ich als JAVi mache…

Ja! Wie viele Auszubildende vertrittst du?
Das sind rund 850 Kolleg_innen.

Und was treibt die um?
Ganz häufig die Frage, ob sie nach der Berufsschule noch in den Betrieb müssen. Ähnlich oft geht es um die Anfahrtszeiten zu den Berufsschulen und überbetrieblichen Ausbildungsbaustellen: Weil es weniger Azubis gibt, werden immer mal wieder Klassen zusammengefasst, dadurch kann es sein, dass man zu einer anderen Berufsschule muss, die weiter weg ist. Während die erste Frage leicht zu beantworten ist, ist bei diesem Problem noch keine Lösung in Sicht.

Ist die Beratung die Hauptarbeit?
Um beraten zu können, muss man sich natürlich auskennen und dafür ab und zu auch ein Seminar besuchen. Sonst trifft sich die JAV aber auch regelmäßig, um sich auszutauschen; zu besprechen, was neu ansteht, wie Probleme weiter verfolgt worden sind. Mal muss man eine Abstimmung vorbereiten oder auch eine Betriebsvereinbarung. Und der JAV-Vorsitzende nimmt auch an Sitzungen des Betriebsrats teil. Für diese Arbeit werde ich freigestellt.

Wie viele Stunden oder Tage sind das?
Ganz unterschiedlich, manche Seminare und Sitzungen sind mehrtägig, aber dann ist auch mal länger nichts. Ich würde sagen: Im Schnitt ein bis zwei Stunden pro Tag.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat?
Die größte Herausforderung ist, die Betriebsratsmitglieder davon zu überzeugen, dass die JAV auch wirklich arbeiten will. Wenn in zwei Jahren JAV-Zeit mal nichts passiert ist, haben es die nachfolgenden JAVen ganz schön schwer, das Vertrauen wieder aufzubauen. Aber wenn man dann kontinuierlich dran bleibt, ist der Betriebsrat schon eine wichtige Unterstützung.

Du bist Vorsitzender der GJAV. Was heißt das genau?
Wenn ein Unternehmen mehrere Betriebe hat und es dort jeweils JAVen gibt, muss es auch eine Gesamt-JAV geben. Sie ist das übergeordnete Gremium, in dem sich Vertreter_innen der einzelnen JAVen austauschen und versuchen, Themen, die alle betreffen, auch für alle zu regeln, also ein Konzernthema daraus zu machen. Das ist manchmal schwierig, wenn es irgendwo schon eine gute Regelung gibt, die die anderen Betriebe aber nicht vollständig übernehmen wollen. Es ist nicht in unserem Interesse, dass es dann für alle eine mittelmäßige Lösung gibt.

Triffst du den Vorstandsvorsitzenden?
Ja, relativ regelmäßig. Dabei geht es um die Azubis und die Ausbildungssituation. Wenn du schon so viel Zeit investierst – geht dir da auch was auf die Nerven? Ja! Phrasen wie "Das geht nicht" oder "Das haben wir immer so gemacht". Das ist inhaltslos. Ein gutes Gegenargument und konstruktive Kritik kann ich aber akzeptieren.

Und was macht so richtig Spaß?
Das Organisieren und Koordinieren der Sitzungen und das Vorbereiten von Argumentationen für Diskussionen. Das bringt Abwechslung in den Arbeitsalltag. Und das Diskutieren selbst! Aber am meisten freue ich mich, wenn die Kolleg_innen meine Arbeit gut finden.