Deutscher Gewerkschaftsbund

Das war der alternative Gipfel

Auf Einladung des DGB kamen am 3. Juli 2013 junge GewerkschafterInnen aus ganz Europa in Berlin vor dem Kanzleramt zusammen.

Bloß weil wir jung sind, heißt das nicht, dass wir nicht rechnen können!" Sophie Binet, Jugendgewerkschafterin der französischen CGT, weiß, dass sechs, vielleicht acht Milliarden Euro, verteilt auf die nächsten Jahre und die 17 Euro-Raum-Staaten nicht mehr besonders viel sind. Schon gar nicht, wenn es darum geht, die grassierende Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen. Soviel aber planen Europas Regierungen für das Problem ein. Seriöse Quellen sprechen von einem Bedarf von mindestens 21 Milliarden Euro. In Europa sind derzeit rund 5,6 Millionen junge Menschen ohne Arbeit, die meisten davon in den südlichen EU-Mitgliedsländern.

So wie Sophie sind deshalb am 3. Juli 2013 junge GewerkschafterInnen aus vielen europäischen Ländern nach Berlin vors Kanzleramt gekommen. Dort findet auf Einladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein Treffen der europäischen ArbeitsministerInnen statt. Thema: die Jugend und ihre Arbeitslosigkeit. In Griechenland ist letztere schon über die 60-Prozent-Marke gesprungen.

Die Gewerkschaften sehen in Merkels Treffen nur eine Show-Veranstaltung. Sie fordern: "Stop Talking - Act Now" und haben europaweit junge ArbeitnehmervertreterInnen zum Gegengipfel eingeladen. Die jungen Leute haben sich im Tipi am Kanzleramt versammelt, haben Trillerpfeifen dabei, malen Schilder.

Drinnen findet die Podiumsdiskussion statt. Moderatorin Anna Helmy hat die GewerkschaftsvertreterInnen gebeten, die Situation in ihren Ländern zu beschreiben. "Europa gehört den Menschen, nicht den Banken", sagt Bruno Teixeira aus Portugal. "Wir sind alle Europäer", gemeinsam sind wir stark", glaubt Ioannis Poupkos, der griechische Gewerkschafter. Tomasz Jasinski aus Polen sagt: "Die Gewerkschaften sind die einzigen Organisationen, die etwas tun. Wir müssen Europa hegen und pflegen." Die Forderung: Wir wollen eine andere Politik. Menschen sollen als Menschen behandelt werden und nicht als Zahlen. "Wir brauchen massive Investitionen", sagt EGB-Jugend-Präsident Thiébaut Weber. "Eine soziale Roadmap."

Eine Delegation um DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller und den DGB-Vorsitzenden Michael Sommer stattet Merkel im Kanzleramt einen Besuch ab. 30 Minuten lang kann die Delegation ihre Standpunkte darlegen. Die Rückkehrer können aber nicht viel Positives verkünden. "Die Kanzlerin sieht auch, dass das Geld nicht reichen wird", sagt Haggenmiller. Dann habe sie auf den nächsten Gipfel verwiesen und zu einem weiteren Gespräch eingeladen. Haggenmiller: "Wir wollen endlich Taten sehen. Lippenbekenntnisse reichen der europäischen Jugend nicht."


Das fordert die Gewerkschaftsjugend:

  • ein Sofortprogramm zur Jugendbeschäftigung
  • Mittel nicht umschichten – sondern aufstocken
  • eine Taskforce zur Unterstützung für die betroffenen Länder
  • langfristige Konzepte der Berufsausbildung
  • verbindliche europaweite Standards für Praktika
  • ein Zukunfts- und Investitionsprogramm für die EU.


Weitere Infos auf jugend.dgb.de


Europa und die Jugendbeschäftigung
"Das war ein sehr wichtiger Tag zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa": Na, wenigstens Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) war zufrieden. Die TeilnehmerInnen der Konferenz zur Förderung der Jugendbeschäftigung am 3. Juli 2013 in Berlin gingen schöne Selbstverpflichtungen ein, um für Europas junge Generation eine Zukunft zu schaffen. Merkel sagte, dass das Problem der Jugendbeschäftigung nicht "von einem Tag zum anderen" gelöst werden könne. Vorsorglich wurde für November gleich der nächste Gipfel eingetaktet.

Zentrale Themen der Konferenz waren der Austausch über Bildungssysteme sowie deren Weiterentwicklung und Modernisierung. Die Bundesregierung setzt dabei auf das in Deutschland erfolgreiche System der dualen Ausbildung. Ziel der Konferenz war es, "konkrete Maßnahmen und Konzepte zu erarbeiten, um die Jugendbeschäftigung in Europa zu verbessern". Die europäischen ArbeitsministerInnen brachten eine Reihe Vorschläge zur Umsetzung der Jugendgarantie in Europa mit: das Nachholen von Schulabschlüssen und die bessere Verbindung von schulischer und beruflicher Bildung. Arbeitgeber sollen zeitlich befristete Lohnkostenzuschüsse erhalten. Betriebliche Praktika, die Förderung von Existenzgründungen - vor allem in Zukunftsbranchen - und der Aufbau von flächendeckenden Berufsberatungsstrukturen. Das Studienprogramm Erasmusplus soll die Mobilität der Jugendlichen anregen. Angeblich stehen derzeit acht Milliarden Euro zur Verfügung, durch die Neuprogrammierung der europäischen Strukturfonds will man gar 16 Milliarden Euro zusätzlich zur Förderung der Jugendbeschäftigung mobilisieren. Die Gelder müssen vom Europa-Parlament freigegeben werden - abgemacht ist da noch nichts.


Die Abschlusserklärung findet ihr auf http://tinyurl.com/Jugendbeschaeftigung

 

(aus der Soli aktuell 7/13, Autor: Soli aktuell)