Deutscher Gewerkschaftsbund

Achtung, Stress

Ängste, Zweifel, Schlafstörungen: Durch die Umstellung der Studiengänge auf Bachelor und Master haben auch die Belastungen zugenommen. Die Folge: gesundheitliche Probleme. Von Stefanie Geyer

Prüfungen, Zeit- und Konkurrenzdruck, finanzielle Sorgen - das sind die häufigsten Ursachen für Stress im Studium seit der Umstellung der Studiengänge auf Bachelor und Master. 60 Prozent der Studierenden kommen mit den Anforderungen und Belastungen nicht mehr zurecht. Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Techniker-Krankenkasse (TK) kommt zu beunruhigenden Ergebnissen: Die in Nordrhein-Westfalen befragten Studierenden zeigen jede Menge typische Stresserkrankungen. Jeder siebte leidet unter Panik attacken. Jeder fünfte kennt "Phasen tiefster Verzweiflung", fast jeder zweite hat Schlafstörungen, drei Viertel aller Studierenden fühlen sich nervös und unruhig. Auffällig ist, dass Studentinnen in höherem Maße als ihre männlichen Pendants für Stress anfällig sind.

Ein besonders schlimmer Trend: Studierende greifen immer häufiger auf Psychopharmaka zurück. In den letzten vier Jahren stellte die TK einen Anstieg um 55 Prozent fest.

Die meisten befragten Studierenden empfinden die Studienzeitverkürzung als großen Stressfaktor und beklagen weniger Freiräume durch die neuen Studiengänge. Es fehle die Zeit zum Nachdenken und zur Persönlichkeitsentwicklung.

Zu ganz ähnlichen Ergebnissen kommt auch eine von Doreen Liebold durchgeführte Befragung von psychosozialen BeraterInnen des Deutschen Studentenwerks (DSW), bei dem die Zahl der Beratungsanfragen in den letzten Jahren deutlich angestiegen ist. Viele Studierende suchen die Beratungsstellen wegen Zukunftsängsten, Stressbewältigungsproblemen, Schlafstörungen, Schreibblockaden und Motivationsdefiziten auf.

Das DSW fordert mehr - finanzielle - Unterstützung. Liebold: "53 Prozent der befragten Berater gaben an, dass die aktuellen personellen Kapazitäten der Beratungsstellen angesichts der sich anstauenden Probleme völlig unzureichend sind."

Die Gewerkschaftsjugend sieht dringenden Handlungsbedarf und fordert einen Kurswechsel bei der Umsetzung des Bologna-Prozesses: Die Arbeitsbelastung der Studierenden muss gesenkt und die Prüfungslast reduziert werden.


Techniker-Krankenkasse (Hg.): Stress-Studie NRW-Studenten 2012. Im Internet: http://tinyurl.com/TK-Studie

Psychosoziale Beratung des DSW: www.studentenwerke.de, "Beratung und soziale Dienste"


Stefanie Geyer ist bei der DGB-Jugend für Studierendenarbeit zuständig.


(aus der Soli 8+9/12, Autorin: Stefanie Geyer)