Deutscher Gewerkschaftsbund

Die Versorgung der Zukunft

Der DGB hat ein neues Rentenkonzept vorgelegt. Im Mittelpunkt: die junge Generation.

"2030 - Aufstand der Jungen": So hieß vor einiger Zeit mal ein provokanter Science-Fiction-Film im ZDF. Krankenversicherung gibt's nur für Reiche, Arbeit wird kaum noch bezahlt, und die Rente, naja… Voll unrealistisch, oder?

Leider nicht. Denn was ist eigentlich mit der Rente derer, die heute jung sind? Viele Unter-30-Jährige haben prekäre Jobs - sind in der Leiharbeit tätig, haben befristete oder gar keine Verträge, werden miserabel bezahlt. Völlig klar: Über die Runden zu kommen ist da sicher nicht einfach.

Die wenigsten werden an ihre Altersversorgung denken, wenn ihr Arbeitsvertrag in drei Monaten ausläuft. Wenn sie nicht wissen, wo sie nächstes Jahr arbeiten oder ob sie gar in Hartz IV abrutschen.

Da macht sich Hoffnungslosigkeit breit: "Wir Jungen bezahlen noch Beiträge für die Rente, bekommen aber keine mehr", sagt DGB-Bezirksjugendsekretär Mario Patuzzi. "Weil die politischen Entscheider - jetzt zwischen 45 und 60 Jahre alt - die gesetzliche Rente Stück für Stück abfräsen." Und die Ausweitung prekärer Beschäftigung leider nur für große Mengen schwarzer Materie in den Sozialkassen sorgt.

Auch die Finanzkrise zeigt Wirkung. Wo Banken gerettet werden müssen, sind keine Mittel für den sozialen Alltag da.

So kann es nicht bleiben. Deshalb hat der DGB ein Konzept für die Rente vorgelegt - und geht speziell auf die Probleme der jungen Generation ein. Denn von den jetzt gezahlten Sozialbeiträgen wird man im Alter keine vernünftige Rente finanzieren können - weil die Bundesregierung obendrein das Rentenniveau senken will: bis zum Jahr 2030 gar um 20 Prozent!

Wozu das? 2013 ist Wahljahr. Da wollen die Regierungsparteien mit vermeintlichen Geschenken Wählerstimmen einsammeln. Denn die Beiträge, die die Arbeitgeber zur Rente beisteuern, sinken natürlich auch. Durch die Rentenpläne der Regierung werden aber sogar die, die ganz gut verdienen, im Alter ernste Probleme bekommen. Zudem würde die jetzige Rücklage in der Rentenversicherung - rund 30 Milliarden Euro - abgeschmolzen. Die Reserve ist groß, aber die Gesetzeslage sieht vor, dass der Rentenbeitrag gesenkt werden muss, wenn die Rücklage das 1,5-fache der Monatsausgaben übersteigt.

"Die von der Bundesregierung geplante Absenkung des Rentenniveaus wäre unverantwortlich", sagt DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach, die das Konzept entwickelt hat. Würden die Rücklagen aufgelöst, wäre in wenigen Jahren die Rechnung fällig: in Form einer drastischen Beitragserhöhung.

Die Regierungsparteien fordert Buntenbach auch auf, den geltenden gesetzlichen Mechanismus abzuschaffen. Denn der birgt große Risiken - vor allem für die junge Generation, auf die sich das 20-Prozent-Szenario bezieht.

Im Rentenkonzept des DGB wird der Rentenbeitrag, der jetzt bei 19,6 Prozent liegt, nicht gesenkt, sondern der demografischen Entwicklung angepasst und in jährlichen Schritten um je 0,1 Prozentpunkte für Versicherte und Arbeitgeber angehoben. Im Jahr 2025 würde der Beitrag innerhalb des gesetzlichen Rahmens von 22 Prozent liegen. "Das DGB-Rentenkonzept ist ein Angebot für ein Mindestprogramm, um den Absturz der Rente für die jungen Generationen aufzuhalten", sagt Buntenbach.

Mit ihm entstünde eine Demografie-Reserve, mit der die Sicherung des heutigen Rentenniveaus bis 2030 finanziert, darüber hinaus die Erwerbsminderungsrente verbessert und sogar die Rente mit 67 ausgesetzt werden könnte. Und so würde die Rücklage im Jahr 2030 18,9 Milliarden Euro betragen.

Drastische Beitragssprünge würden vermieden: Für DurchschnittsverdienerInnen mit 2.600 Euro wären gerade mal 2,60 Euro pro Monat zusätzlich fällig.


Keine Schrumpfrente, bitte
Das DGB-Konzept für eine gerechte Altersvorsorge.

Die Gesellschaft wird älter - mehr Vorsorge fürs Alter ist angesagt. Wenn aber jeder für sich versucht, den Lücken bei der Rente hinterherzusparen, geht's meistens schief.

Die Bundesregierung hat den Beitrag, den Beschäftigte und Arbeitgeber für die Rentenversicherung zahlen, schon gesenkt. Und so soll es weitergehen: von 19,9% im letzten Jahr auf 19,2% oder 19,1% im Jahr der Bundestagswahl. Noch im Herbst 2012 soll dies beschlossen werden. Die heutigen Rücklagen werden dadurch bald aufgebraucht sein. Die Folge: Die Aussicht auf eine korrekte Rente ist schlecht. Es droht Altersarmut - flächendeckend.

Der DGB will die Reserven der Rentenversicherung für bessere Renten nutzen - der Beitrag soll mit den Jahren um 0,2% angehoben werden. Beschäftigte und Arbeitgeber würden nur jeweils 0,1 % mehr zahlen. Da-durch entsteht eine Demografie-Reserve, mit der auch in Zukunft anständige Renten finan-ziert werden können. Weil die Arbeitgeber mitbezahlen, könnte man auch gleich das Rentenalter wieder absenken.

Es muss aber noch mehr getan werden: Die von der Bundesregierung festgelegte Begrenzung des Rentenbeitrags auf 22% im Jahr 2030 rechtfertigt keinesfalls die Senkung des Rentenniveaus in den nächsten Jahren. Aber selbst unter dieser Bedingung kann die Rente der Zukunft auf heutigem Niveau gesichert werden. Die Mindestanforderungen zur Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung lassen sich auch noch erweitern, wenn der Beitragssatz nicht gedeckelt wird. Junge GewerkschafterInnen fordert der DGB auf, die Kampagne aufzugreifen: "Macht Druck. Bei euren Bundestagsabgeordneten, vor Ort, im Wahlkreis, auf der Straße oder im Internet."


Weitere Infos gibt's auf www.dgb.de/-/fAi


(aus der Soli 8+9/12, Autor: Soli aktuell)