Deutscher Gewerkschaftsbund

Stärken und Schwächen: Martin Friese über internationale Polizeiarbeit

In Brüssel trafen sich 60 junge Polizeibeamt_innen aus der Schweiz, der Slowakei, Tschechien, den Niederlanden und Deutschland zur ersten "Internationalen Polizeijugendkonferenz" (IPYC). Gewerkschafter Martin Friese war dabei.

Martin Friese GdP

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"Insbesondere bei dem Thema Digitalisierung der Polizei ist die Diskrepanz eklatant": Martin Friese von der GdP

Martin, womit haben eure jungen Kolleg_innen in Europa am meisten zu kämpfen?
Die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen in den einzelnen Ländern können durchaus sehr unterschiedlich sein. In der Slowakei zum Beispiel herrscht aufgrund von Korruptionsvorwürfen bei der Polizeiführung ein großes Misstrauen der Bevölkerung in die Polizei. Im Gegensatz dazu ist in Deutschland das Vertrauen in die Polizei sehr hoch. Was alle gemein haben, ist der Umstand, dass sich die Polizeien auf die rasanten Entwicklungen und die Entwicklung der Kriminalität einstellen müssen.

Gibt es große Unterschiede zwischen den Ländern?
Insbesondere bei dem Thema Digitalisierung der Polizei ist die Diskrepanz eklatant. So ist in der Schweiz jede Kollegin und jeder Kollege mit einem iPhone samt polizeieigenen Apps ausgestattet. Das vereinfacht und beschleunigt sehr viele Prozesse. Insbesondere Deutschland mit dem Anspruch einer modernen Polizei hinkt hier deutlich hinterher. Es gibt auch unterschiedliche Anforderungen an den Polizeiberuf – und die Ausbildung ist teilweise sehr verschieden strukturiert.

Was macht europäische Gewerkschaftsarbeit im Zusammenhang mit jungen Polizeibeamt_innen aus?
Neugier, Wissbegier und Kreativität. Niemand käme auf die Idee, sich auf den Status Quo im eigenen Land zu beschränken: Es geht bei der IPYC in erster Linie um Offenheit im Umgang mit den "strengths and weaknesses" (dt. Stärken und Schwächen) in der eigenen Polizei. Es muss auch Ziel sein, der EU und ihren Mitgliedsstaaten zu verdeutlichen, dass die Rahmenbedingungen bei den Polizeien auf einem vergleichbaren Level sein müssen.

Welche Absprachen habt ihr getroffen?
Das Ziel ist die Fortführung der IPYC, da wir in der europäischen Vernetzung von Gewerkschaften eine gute Möglichkeit sehen, voneinander zu lernen. Außerdem werden auf Ebene der EU Richtlinien und Verordnungen beschlossen, die alle Polizist_innen in jedem EU-Land im täglichen Dienst treffen. Hier müssen sich die europäischen Polizeigewerkschaften im Sinne ihrer Mitglieder positionieren.

Wie sprecht ihr miteinander?
Während der Konferenz gab es Dolmetscher_innen. Daneben wurde aber problemlos in Englisch kommuniziert. Dies entspricht auch unserem Ideal: eine professionelle europäische Zusammenarbeit unter den Polizeien sicherzustellen.

Was war das Spannendste für dich auf der Konferenz?
Der Vortrag einer Kollegin aus den Niederlanden zum Thema "Künstliche Intelligenz in der Polizei" – Zukunftsvision pur! Man arbeitet am künstlichen Beamten, der zum Beispiel E-Mails beantwortet. Wenn der echte Beamte diese Dinge dann bearbeitet, bekommt er also schon eine ausgewertete Vorlage.


Martin Friese ist stellvertretender Bundesjugendvorsitzender der GdP.

(aus der Soli aktuell 8-9 2018, Autorin: Soli aktuell)