Deutscher Gewerkschaftsbund

Der Start in die Ausbildung

Ausbildungsplatz gefunden, Bewerbung, Einstellung: Gratuliere, die ersten großen Hürden hast du gemeistert! Für den guten Start ins Berufsleben hat "Dr. Azubi" dir wichtige Tipps zusammengestellt.

Der Ausbildungsvertrag
Die Grundlage für deine Ausbildung ist dein Ausbildungsvertrag. Hier sind alle wichtigen Eckdaten eingetragen:

  • Dauer der Probezeit
  • Ausbildungsdauer
  • Ort der Ausbildung
  • verantwortliche_r Ausbilder_in
  • Höhe der Ausbildungsvergütung
  • Urlaubsansprüche
  • Hinweise auf geltende Tarifverträge.

Ist der Ausbildungsplatz per Handschlag besiegelt, habt ihr einen mündlichen Vertrag abgeschlossen. Dieser muss noch vor Beginn der Ausbildung schriftlich angefertigt und von dir, deinem Betrieb, und wenn du noch minderjährig bist, auch von deinen Erziehungsberechtigten unterschrieben werden.

Dein unterschriebener Vertrag wird von deinem Betrieb an die zuständige Stelle – Kammer oder Innung – geschickt. Sie prüft den Vertrag und ob dein Betrieb alle Anforderungen eines Ausbildungsbetriebes erfüllt. Sie trägt dein Ausbildungsverhältnis in ein offizielles Verzeichnis ein.

"Dr. Azubi"-Tipp: Auch ein mündlich abgeschlossener Vertrag ist gültig. Dennoch solltest du so schnell wie möglich einen schriftlichen Vertrag anfordern, damit es im Nachhinein nicht zu Unstimmigkeiten kommt.

Julia Kanzog

Azubi-Ratgeberin Julia Kanzog

So kann es losgehen: Vorbereitung auf den Ausbildungsstart
Vor Ausbildungsbeginn solltest du dir unbedingt ein Girokonto einrichten. So kann dir deine Vergütung bequem überwiesen werden. Bei vielen Banken kannst du als Auszubildender ein kostenfreies Konto einrichten. Dein Gehalt könnte auch bar gezahlt werden, dennoch ist es sinnvoller, das Geld überweisen zu lassen. So hast du einen guten Nachweis – und Überblick über deine Finanzen.

"Dr. Azubi"-Tipp: Nach dem Gesetz muss deine Ausbildungsvergütung spätestens am letzten Arbeitstag des Monats auf deinem Konto sein.

Die Sozialversicherungen: Krankenkassen und Rente
Mit dem Ausbildungsbeginn bist du nicht mehr bei deinen Eltern mitversichert. Dein Arbeitgeber kümmert sich zwar um die Anmeldung, deine Krankenversicherung kannst du aber frei wählen. Der Beitragssatz wird von dir und deinem Arbeitgeber zur Hälfte getragen und ist einheitlich geregelt. Dennoch unterscheiden sich die Krankenkassen von ihren Leistungen, und ein Vergleich lohnt sich.

Die Rente ist zwar noch in weiter Ferne, dennoch ist der Sozialversicherungsausweis ein weiteres wichtiges Dokument für deinen Start in die Arbeitswelt. Dieser wichtige Pass enthält unter anderem deine Rentenversicherungsnummer.

Der Ausweis wird von deiner zuständigen Krankenkasse automatisch beim Rentenversicherungsträger beantragt und muss deinem Arbeitgeber vorgelegt werden. Er garantiert, dass all deine geleisteten Beiträge richtig zugeordnet werden.

"Dr. Azubi"-Tipp: Bewahre dieses wichtige Dokument gut auf!

Die ärztliche Erstuntersuchung vor dem Start
Wenn du noch minderjährig bist, darfst du nur ausgebildet werden, wenn du innerhalb der letzten vier Monate vor Ausbildungsbeginn im Rahmen einer ärztlichen Erstuntersuchung gecheckt worden bist und deinem Arbeitgeber hierüber eine Bescheinigung vorlegst. Spätestens vierzehn Monate nach Ausbildungsbeginn musst du – als minderjähriger Auszubildender – eine erste Nachuntersuchung vorweisen. Ansonsten darfst du nicht weiter beschäftigt werden.

"Dr. Azubi"-Tipp: Ohne diese Erstuntersuchung darfst du nicht ausgebildet werden. Kümmere dich also frühzeitig um sie. Sie kann durch deinen Hausarzt durchgeführt werden. Einen Untersuchungsberechtigungsschein erhältst du beim Einwohnermeldeamt.

Berufsausbildungsbeihilfe und andere Gelder
Unter bestimmten Umständen kannst du eine finanzielle Förderung des Staates in Form von Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) beantragen. Die Agentur für Arbeit gewährt diese Beihilfe, wenn du während deiner dualen Erstausbildung nicht mehr in deinem Elternhaus wohnst und deinen Lebensunterhalt nicht selber finanzieren kannst.

Kindergeld erhalten deine Eltern bis zur Vollendung deines 25. Lebensjahres weiter, sofern du in der Ausbildung bist.

"Dr. Azubi"-Tipp: Solltest du ausziehen, steht dir das Kindergeld zu.

Die ersten Tage im Betrieb
Wenn du alle Formalitäten erledigt hast und dein erster Arbeitstag ansteht, heißt es tief durchatmen. Zeige dich während deiner Probezeit von deiner besten Seite, unentschuldigtes Fehlen oder Zuspätkommen ist ein absolutes No-Go. Finde heraus, wer für dich zuständig und deine Ansprechperson ist.

Gib dir Zeit und denk immer an deine Rechte
Für jeden Beruf gibt es einen Ausbildungsrahmenplan und einen betrieblichen Ausbildungsplan. Dieser muss deinem Ausbildungsvertrag beigelegt werden. Sei neugierig und frag nach, wenn dir Arbeitsabläufe unklar sind.

Es ist normal, wenn du zu Beginn viele Fragen hast. Das zeigt aber auch dein Interesse an deiner Ausbildung. Mache dir Notizen über deine Arbeitsabläufe. Bei solch einer Informationsflut ist es gut, wenn du dir eine gute Lernstruktur schaffst.

Informiere dich über deine Rechte und Pflichten in der Ausbildung. Nutze die Probezeit, um deinen Betrieb und den Beruf zu testen. Pausenzeiten können wertvolle Zeit sein zur Erholung und zum informellen Austausch mit deinen Kolleg_innen.

Aller Anfang ist schwer: Gib deiner Ausbildung Zeit und wäge Alternativen ab, wenn es gar nicht gut läuft beim Start in den Beruf. Hol dir Unterstützung bei deiner Jugend- und Auszubildendenvertretung und wende dich an "Dr. Azubi".

Checkliste für eine gute Ausbildung

  • Du erhältst deinen Ausbildungsvertrag vor Ausbildungsbeginn.
  • Es gibt eine_n Ausbilder_in, der/die fachlich und pädagogisch qualifiziert ist.  Du hast die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Dir werden Arbeitsabläufe gezeigt und erklärt.
  • Es wird darauf geachtet, dass die gesetzlichen Arbeits- und Pausenzeiten eingehalten werden.
  • Der betriebliche Ausbildungsplan wird eingehalten.
  • Du besuchst von Beginn an die Berufsschule. 


Hier geht es zum Ausbildungsstart-Dossier der DGB-Jugend: http://jugend.dgb.de/-/X1K

(aus der Soli aktuell 8-9 2018, Autorin: Julia Kanzog)