Deutscher Gewerkschaftsbund

Ich habe mein Recht eingefordert

Katja Engels ging als studentische Hilfskraft vor Gericht – mit Erfolg.

Katja Engels

© Privat

Hat prozessiert: Katja Engels

Katja, wieso geht eine studentische Hilfskraft mithilfe der Gewerkschaft vors Arbeitsgericht?
Ich habe an einer Berliner Universität in der IT-Abteilung als studentische Beschäftigte gearbeitet. Dort habe ich Erweiterungen für den zentralen Webauftritt programmiert. Mein Vertrag lief im Juni letzten Jahres aus. Obwohl ich Daueraufgaben erledigt habe, konnte meine Vorgesetzte mich nur über Projektgelder beschäftigen, die zu diesem Zeitpunkt ausliefen, da der Arbeitgeber nicht genügend Gelder zur Verfügung gestellt hat.

Darüber hinaus bin ich darauf aufmerksam geworden, dass meine Arbeit nicht als wissenschaftliche Hilfstätigkeit klassifiziert werden kann, sondern vergleichbar mit der des hauptberuflichen Personals ist.

Dies hat einerseits zur Folge, dass für mich statt des Tarifvertrags der studentischen Hilfskräfte, dem TVStud, der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L) gelten muss, ich also u. a. einen Anspruch auf einen deutlich höheren Stundenlohn (16,61 Euro statt 10,98 Euro), mehr Urlaub und eine Jahressonderzahlung habe. Zum anderen war meine Befristung nach dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissHG) unwirksam und mir stand ein unbefristetes Arbeitsverhältnis zu.

Warum ließen sich die Probleme nicht anders lösen?
Ich habe mein Recht auf einen unbefristeten Arbeitsvertrag nach dem TV-L eingefordert. Dies wurde aber abgelehnt, da die Universität der Meinung war, dass meine Tätigkeiten sehr wohl Hilfstätigkeiten in der Wissenschaft sind. Insbesondere weil die Möglichkeit einer Entfristung und Eingruppierung potenziell sehr vielen studentischen Beschäftigten möglich ist – allein in der IT-Abteilung liegt ihr Anteil bei 30 Prozent aller Beschäftigten – hat sich die Universität nicht auf eine außergerichtliche Einigung eingelassen.

Wie ist das ausgegangen?
Ich habe den Prozess sowohl vor dem Arbeits- als auch dem Landesarbeitsgericht gewonnen. Mir wurde ein unbefristeter Arbeitsvertrag nach TV-L-Entgeltgruppe 8, Stufe 2 zugesprochen. In den Verhandlungen wurde betont, dass Tätigkeiten in den IT-Abteilungen von Universitäten genauso wie in den Bibliotheken nicht über die nötige Nähe zur Wissenschaft verfügen, die im WissZeitVG und im TVStud vorausgesetzt wird.

Wie ist denn das Verhältnis zum Arbeitgeber jetzt?
Aktuell wird ein Auflösungsvertrag zum Ende des Monats auf meinem Wunsch erarbeitet, da ich aufgrund der Verfahrenslänge von einem Jahr mittlerweile einen anderen Job habe, in dem ich bleiben möchte. Ich hoffe vor allem, dass meine Klage und deren positiver Ausgang andere studentische Beschäftigte ermuntert, den gleichen Weg zu gehen.


Informatikstudentin Katja Engels kämpft für einen neuen Tarifvertrag der studentischen Beschäftigten. Sie ist im Leitungsteam des GEW-Landesausschusses der Studierenden.

(aus der Soli aktuell 7/2018, Autorin: Soli aktuell)