Deutscher Gewerkschaftsbund

Die Ausbildung der Zukunft: Die DGB-Jugend-Sommerakademie

Was bedeutet Digitalisierung für die Mitbestimmung und Qualifizierung junger Beschäftigter? Daniel Gimpel über die diesjährige Sommerakademie der Gewerkschaftsjugend.

Daniel Gimpel

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Geht zur Sommerakademie der DGB-Jugend: Daniel Gimpel

Daniel, der Fokus der diesjährigen DGB-Jugend-Sommerakademie liegt auf "Ausbildung 4.0". Was macht dieses Thema so wichtig?
Die Arbeitswelt wandelt sich immer schneller. Da stellt sich nicht nur die Frage, inwieweit sich Berufe verändern, sondern wie lange es sie überhaupt noch gibt. Und auch, ob wir demnächst alle nur noch mit Datenbrillen rumrennen. Wir wollen wissen: Wie wird die Berufsausbildung der Zukunft aussehen? Welche Qualifikationsniveaus werden entstehen? Da gibt es sehr viel Unklarheit. Wir wollen analysieren, was man unter Digitalisierung von Ausbildungs- und Arbeitswelt versteht. Dazu gibt es Referate von Wissenschaftler_innen und Fishbowl-Formate, damit jeder mitdiskutieren kann.

Ausbildung per Laptop oder Handy, Prüfungen im Internet: Die Digitalisierung verändert jetzt schon massiv die Ausbildungsplätze…
Ganz besonders wollen wir uns die Berufsschulen anschauen. Wie können sie sich auf die Zukunft einstellen? Die Lehrer_innen müssen sehr gut qualifiziert sein, zum Beispiel mit der neuesten Technik umgehen können. Die Ausstattung an den Schulen lässt vielerorts noch zu wünschen übrig: Oft ist nicht mal WLAN vorhanden. Da muss letztlich unheimlich viel Geld investiert werden, es passiert zu wenig. Beim Thema "Ausbildung 4.0" interessiert uns als Gewerkschaftsjugend natürlich auch, wie Mitbestimmung unter den Bedingungen der fortschreitenden Technisierung funktionieren kann. Dazu werden wir Workshops anbieten, insbesondere wollen wir über Datenschutz, Flexibilität und Mobilität sprechen.

Im Herbst dieses Jahres finden die Wahlen zur Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) statt. Wo trifft explizit die Gremienarbeit auf die technischen Neuerungen?
Mittlerweile werden Ausbildungsmappen und Berichtshefte elektronisch geführt, Informationen für Auszubildende über Social-Media-Kanäle verbreitet. Es entstehen Grauzonen: Welche Kommunikation ist privat, welche beruflich? Welche Daten werden schon erfasst, wo müssen Leute gewarnt werden?

Da ist der Beschäftigtendatenschutz ein großes Thema für die JAV. Home Offices werden in Zukunft eine immer größere Rolle spielen – wir schauen uns an, welche Folgen Flexibilität und Mobilität haben, was es für die Gewerkschaftsarbeit bedeutet, wenn junge Beschäftigte gar nicht mehr an einem Arbeitsort zusammenkommen. Das ist eine große Herausforderung für die Gewerkschaftsjugend. Wir wollen dieses Thema nicht anderen überlassen, sondern unsere eigenen Anforderungen formulieren.

Ist die Konferenzform der Sommerakademie da überhaupt noch angebracht oder sollte man sie gleich im Internet stattfinden lassen?
Ich hab mal irgendwo gelesen: "Die Revolution ist analog, nicht digital." Der beste Austausch findet immer noch face to face statt.

Was geschieht mit den Ergebnissen?
Wir werden die Diskussionen der Sommerakademie zusammenfassen und dann ein Positionspapier im Bundesjugendausschuss verabschieden. Das wird Startschuss für die Agenda der Gewerkschaftsjugend zum Thema "Ausbildung 4.0" für die nächsten Jahre.


Daniel Gimpel ist der Ausbildungsexperte der DGB-Jugend.

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Ausbildung 4.0: Die Sommerakademie 2018 der DGB-Jugend in Hattingen
Die Arbeitswelt ist in einem tiefgreifenden Wandel begriffen. Kaum eine Firma kommt ohne Computer aus: Nach neuesten Daten der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung wird in 98 Prozent der Betriebe mit dem Internet gearbeitet. 88 Prozent setzen Diensthandys ein, 50 Prozent Tablets. 38 Prozent führen elektronische Personalakten, ein Drittel nutzt Social Media und ein Fünftel Roboter. Wobei letztere nur in sechs Prozent der Fälle die menschliche Arbeit komplett ersetzen, in 14 Prozent der Betriebe aber als Unterstützung der Beschäftigten wahrgenommen werden.

In beinahe jedem dritten Betrieb ist es "verbreitet" oder "sehr verbreitet", dass Arbeit durch Computer erfasst wird, rund 20 Prozent arbeiten mit computergesteuerten Zeit- oder Kennziffernvorgaben, ebenso viele haben virtuelle Dienstbesprechungen oder Videokonferenzen.

Damit einher geht ein Wandel in den Arbeitsanforderungen und auch -belastungen, aber keine Abkehr von der Arbeit mit Menschen. Gute Arbeit und gute Ausbildung sind daher die entscheidenden Schlagwörter, wenn es um die Gestaltung einer modernen beruflichen Bildung von morgen geht, einer Ausbildung 4.0.

Die Digitalisierung im Sinne der Beschäftigten mitzugestalten, ist dabei keine leichte Aufgabe. In einem Drittel der Betriebe kommt es regelmäßig vor, dass der Arbeitgeber die Beteiligungsrechte des Betriebsrats bei der Einführung neuer Technik missachtet. Zudem brauchen Betriebsräte der Stiftung zufolge mehr Fachexpertise. Eine Herausforderung ist außerdem das hohe Innovationstempo im IT-Bereich: Kaum ist eine Betriebsvereinbarung durchgesetzt, sind schon wieder neue Programme und Geräte mit potenziell problematischen Eigenschaften im Einsatz.

Auf der DGB-Jugend-Sommerakademie werden die Delegierten:

  • die Auswirkungen der Digitalisierung in der Produktion, in der Dienstleistung und im Öffentlichen Dienst sowie in der Gesellschaft allgemein analysieren
  • die Wirkung der Digitalisierung auf die Praxis in der beruflichen Ausbildung untersuchen
  • die Anforderungen an die Berufs- und Berufsbildenden Schulen sowie in Ausbildungsstätten in den Betrieben, Verwaltungen und Dienststellen überprüfen
  • die Auswirkungen der Digitalisierung und der Transformation der Arbeitswelt auf die Mitbestimmung, die Arbeitszeiten und den Beschäftigtendatenschutz diskutieren.

Die ca. 60 Teilnehmer_innen sind haupt- und ehrenamtliche Aktive der Gewerkschaftsjugend, die über die Mitgliedsgewerkschaften und die DGB-Jugend-Bezirke benannt wurden. Referieren werden Expert_innen aus Politik und Wissenschaft, zum Beispiel Nicole Mayer-Ahuja, Arbeitssoziologin und Direktorin des Soziologischen Forschungsinstituts an der Universität Göttingen.


10. bis 12. August 2018. 3. Sommerakademie der DGB-Jugend. DGB-Jugendbildungszentrum Hattingen

(aus der Soli aktuell 7/2018, Autorin: Soli aktuell)