Deutscher Gewerkschaftsbund

Soziale Ungleichheit: Der Nationale Bildungsbericht

Daten einer gespaltenen Gesellschaft: der Nationale Bildungsbericht 2018.

Schild "Rück die Kohle raus!"

© Simone M. Neumann

Auch so eine Sache: die Schwächen der dualen Ausbildung

Junge Menschen ohne Schulabschluss, soziale Ungleichgewichte beim Studium, Ausbildungsabbrüche: Der jetzt erschienene Nationale Bildungsbericht, der alle zwei Jahre auf wissenschaftlicher Grundlage vorgelegt und von Bundesbildungsministerium und Kultusministerkonferenz der Länder gefördert wird, stellt dem deutschen Bildungssystem nicht das beste Zeugnis aus. So verließen im Untersuchungsjahr 2016 49.300 junge Menschen die Schule ohne mindestens einen Hauptschulabschluss. Paradoxerweise stieg gleichzeitig der Anteil der Schulabsolvent_innen mit Abitur binnen zehn Jahren von 34 auf 43 Prozent.

Soziale Ungleichgewichte wie diese machen sich auch beim Studium bemerkbar: Nicht nur der Hochschulzugang ist sozial selektiv. Auch den Übergang ins Masterstudium schaffen Studierende, deren Eltern keinen Hochschulabschluss besitzen, oft nicht. Alarmierend ist die hohe Zahl der Studienabbrüche: Im Bachelorstudium liegen sie bei 28 Prozent, im Masterstudium sind sie in nur sechs Jahren von neun auf 19 Prozent angestiegen.

Schlechte Daten gibt es auch bei der dualen Ausbildung. Die Ausbildungsquote ging zurück, im Osten seit 2005, im Westen seit 2008. Mit unterschiedlicher Stärke: Im Osten halbierte sie sich fast, im Westen sank sie seit ihrem Hochstand von 2007/08 um etwa einen Prozentpunkt bzw. ein Sechstel. Die Anzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge verringerte sich im Vergleich zu 2007 um 16 Prozent von 625.885 auf 523.290.

Mit einer schwindenden Ausbildungsbereitschaft geht auch die Ausbildungsinfrastruktur verloren, die nicht kurzfristig wiederaufzubauen ist. Die anhaltende Lücke zwischen Angebot und Nachfrage bedeutet nach wie vor für eine größere Zahl von Jugendlichen – bundesweit rund 30.000 – sehr geringe Ausbildungschancen. Damit kann Deutschland immer noch kein auswahlfähiges Ausbildungsplatzangebot aufweisen, wie es in einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1980 festgeschrieben wurde, auch wenn sich rein rechnerisch seit 2011 eine Annäherung abzeichnet.

"Bildung liegt in der Verantwortung der gesamten Gesellschaft", kommentiert Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) die Daten. Dafür aber wird entschieden zu wenig getan. Soziale Ungleichheit scheint im deutschen Bildungssystem fest integriert. Die Autor_innen warnen: Die nötigen Entwicklungen können nur durch erhebliche Investitionen eingeleitet werden. Der DGB hat allein hier einen zusätzlichen Bedarf von 27 Milliarden Euro mehr Investitionen in Bildung und Forschung ausgerechnet. Die Forderung der DGB-Jugend lautet: Die Interessen von Auszubildenden, Studierenden und jungen Beschäftigten müssen dringend in den Blick der Politik geraten.

Das bedeutet: auf jeden Fall mehr Bildungsgerechtigkeit, eine Reform des Berufsbildungsgesetzes im Sinne besserer Qualität, einer Mindestausbildungsvergütung sowie eine grundlegende BAföG-Novelle und eine bessere Betreuung der Studierenden durch Aufstockung des Lehrpersonals.


www.bildungsbericht.de

(aus der Soli aktuell 7/2018, Autorin: Soli aktuell)