Deutscher Gewerkschaftsbund

Vom Auszubildenden zur Fachkraft: Die Prüfung

Auf der Zielgerade: Termine, Kosten, Übernahme, Zeugnis – wir schließen die Ausbildung ab. Die Azubi-Ratgeberin

Julia Kanzog

Azubi-Ratgeberin Julia Kanzog

Prüfungstermin? Keine Panik!
Die Termine für die Abschlussprüfung sind schon bekannt und die letzte Phase eurer Ausbildung beginnt. Gerade in dieser Zeit gibt es noch viele Fragen zu den Rechten und Pflichten im Ausbildungsverhältnis im "Dr. Azubi"-Forum. Damit es in den letzten Zügen eures Ausbildungsverhältnisses kein böses Erwachen gibt, bereiten wir euch mit diesem Abschlusspaket gut auf den Weg in ein Arbeitsverhältnis vor.

Die Anmeldung
Euer Betrieb muss euch für die Abschlussprüfung bei der zuständigen Kammer fristgerecht anmelden und auf die Prüfung vorbereiten. Die Anmeldung erfolgt in der Regel etwa vier Monate zuvor. Viele Kammern veröffentlichen die Prüfungstermine schon im Voraus. In der jeweiligen Prüfungsordnung sind die Zulassungsvoraussetzungen, die Inhalte der Prüfungen, der konkrete Ablauf sowie die Regularien des Bestehens der Prüfung geregelt.

Seid ihr euch unsicher oder euer Betrieb stellt sich quer, lohnt sich ein Blick in die jeweilige Ordnung. Ihr findet sie auf der Internetseite der zuständigen Kammer.

Die Prüfung beginnt mit der Ausbildung
Eine gute Vorbereitung ist das A und O für eine erfolgreiche Abschlussprüfung. Und diese beginnt praktisch schon im ersten Lehrjahr: Euer Betrieb muss euch die Möglichkeit geben, alle Ausbildungsinhalte nach dem Ausbildungsrahmenplan zu erlernen. Eine Voraussetzung für die Prüfungszulassung ist daher euer vollständig geführtes Berichtsheft mit allen wichtigen Ausbildungsinhalten. Naht die Prüfung und euer Berichtsheft ist noch lückenhaft, ist es ratsam, fehlende Inhalte nachzutragen und den Ausbilder um Kontrolle zu bitten.

Eine weitere Bedingung: Ihr habt die erforderliche betriebliche Ausbildungszeit absolviert. Fehlen euch aufgrund von Krankheit Ausbildungszeiten, dann kann die Ausbildung auch verlängert werden (§ 8 Berufsbildungsgesetz, BBiG). Wenn nicht mehr als ungefähr zehn Prozent der Ausbildungszeit fehlen, dann stehen die Chancen für eine Zulassung durch die Kammer gut.

Achtung: Diese Regelung ist eine Richtlinie und kein Gesetz! Ihr solltet auf jeden Fall mit der zuständigen Kammer Kontakt aufnehmen.

In einigen Berufen findet der erste Teil der Abschlussprüfung schon während der Ausbildung statt und fließt mit bis zu 40 Prozent in die Gesamtnote mit ein. Teil 2 der Prüfung wird dann am Ende der Ausbildung abgelegt.

In anderen Berufen gibt es eine Abschlussprüfung am Ende der Ausbildung, die aus einem theoretischen und einem praktischen Teil besteht. Auch betriebliche Aufträge und Projektarbeiten sind üblich.

Kosten
Da die Ausbildung für Auszubildende kostenfrei ist, muss euer Betrieb die Prüfungsgebühren und Kosten für notwendige Mittel übernehmen, zum Beispiel für die erforderlichen Lebensmittel bei einer Abschlussprüfung zum Koch.

Prüfungszeit ist Arbeitszeit
Volljährige müssen vom Betrieb für die Prüfungszeit inklusiver Pause freigestellt werden (§ 15 BBiG). Sollt ihr nach der Prüfung noch im Betrieb antreten, dann muss euch die Fahrtzeit vom Prüfungsort in den Betrieb als Arbeitszeit angerechnet werden. Minderjährige sind dazu noch einen Tag vor der Prüfung freigestellt (§ 10 Jugendarbeitsschutzgesetz).

Werde ich übernommen?
Die Ausbildung ist mit offizieller Bekanntgabe der Prüfungsergebnisse durch den Prüfungsausschuss zu Ende. So wie auch bei Kazim: Seine Ausbildung endet laut Ausbildungsvertrag am 31. August 2018. Das Schreiben über die bestandene Prüfung der Kammer erhält er am 17. Juni 2018. Gratulation, Kazim!

Wird Kazim anschließend durch seinen Betrieb weiterbeschäftigt, hat er stillschweigend ein Arbeitsverhältnis mit seinem Betrieb abgeschlossen und ihm steht das Gehalt einer ausgelernten Fachkraft zu.

Gilt für euch ein Tarifvertrag, dann ist hier oftmals eine Übernahmeregelung vereinbart und ihr habt einen Arbeitsplatz in der Tasche.

Eine Übernahme kann erst sechs Monate vor Ende der Ausbildung schriftlich vereinbart werden. Damit Auszubildende Planungssicherheit haben, fordert die DGB-Jugend, dass die Übernahme oder Nicht-Übernahme drei Monate vor Ausbildungsende vom Betrieb verpflichtend angekündigt werden muss.

Das Arbeitszeugnis
Zum Ende der Ausbildung steht euch ein Arbeitszeugnis zu. Ihr könnt zwischen einem einfachen und einem qualifizierten Zeugnis wählen. Es ist, neben deinem Abschlusszeugnis und dem Berufsschulzeugnis, ein wichtiges Dokument für deine Bewerbungsunterlagen.

Tipp: Auch wenn ihr übernommen werdet, solltet ihr ein Arbeitszeugnis einfordern.

Durchgefallen – und jetzt?
Und wenn es mit der Prüfung nicht geklappt hat? Kopf hoch und nicht aufgeben. Ihr habt auf jedem Fall die Möglichkeit, die Prüfung noch zweimal zu wiederholen. Die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein: Zoe hat die theoretische Prüfung nicht bestanden. Ihre betriebliche Ausbildung läuft dann bis zum vertraglich vereinbarten Zeitpunkt weiter. Auf ihren Wunsch hin verlängert sich aber die Ausbildung in ihrem Betrieb bis zu der nächstmöglichen Wiederholungsprüfung, höchstens um ein Jahr (§ 21 BBiG).

Eine Verlängerung ist in ihrem Fall sinnvoll: Sie behält weiterhin den Azubi-Status, kann die Berufsschule besuchen und an der Nachhilfe der Agentur für Arbeit teilnehmen, um sich optimal vorzubereiten.

Paul hingegen hat in seiner Ausbildung keine Ausbildungsinhalte erlernt, wurde nur für Hilfstätigkeiten eingesetzt. Jetzt ist er durch die praktische Prüfung durchgefallen. Er möchte definitiv nicht mehr in seinem Betrieb bleiben und hat schon ein Angebot in einer anderen Firma. Er kann seine Ausbildungszeit auslaufen lassen, als "Ungelernter" ins Berufsleben einsteigen und an der Wiederholungsprüfung als externer Prüfling teilnehmen.

Er muss sich aber dann eigenständig um die Prüfungsanmeldung kümmern, die Gebühren selbst tragen und in die Berufsschule kann er auch nicht mehr. Aber er kann von seinem ehemaligen Betrieb Schadenersatz fordern, wenn er durch die Prüfung fällt, denn offensichtlich wurden Ausbildungsinhalte nicht vermittelt.

In solchen Fällen gilt: Holt euch auf jeden Fall Unterstützung bei eurer zuständigen Gewerkschaft!


(aus der Soli aktuell 6/2018, Autorin: Soli aktuell)