Deutscher Gewerkschaftsbund

Ein starker Auftritt: Die DGB-Jugend auf dem DGB-Kongress

Richtig präsent und durchsetzungsfähig: Die DGB-Jugend auf den DGB-Bundeskongress in Berlin.

DGB-Jugend auf der Bühne des DGB-Kongresses

© DGB/Simone M. Neumann

Die DGB-Jugend auf dem DGB-Bundeskongress im Mai 2018

"Uns als Jugend geht es um gute Rahmenbedingungen in der Ausbildung und ein Mindestauskommen. Jede Ausbildung ist es wert, vergütet zu werden. Und jeder junge Mensch ist es wert." So beschreibt Miriam Hagelstein, die Delegierte des DGB-Bundesjugendausschusses, ihre Arbeit auf dem 21. DGB-Bundeskongress.

Die DGB-Jugend konnte ein starkes Signal vom diesmaligen "Parlament der Arbeit", das sich vom 13. bis 17. Mai 2018 im Berliner Estrel-Hotel zusammenfand, aussenden. Und Miriams Satz war Programm: Vor allem auf dem Feld der beruflichen Bildung stärkte der Kongress der Gewerkschaftsjugend den Rücken – mit einem klaren Bekenntnis zur Verbesserung der Qualität der beruflichen Bildung durch eine wirksame Novellierung des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) im Sinne der Auszubildenden.

In diesem Zusammenhang forderte der DGB-Bundeskongress die Bundesregierung auf, nicht nur eine Mindestausbildungsvergütung (siehe die Position der DGB-Jugend auf http://jugend.dgb.de/-/aok) einzuführen, sondern auch die arbeitgeberfinanzierte Lehr- und Lernmittelfreiheit und eine Ankündigungspflicht bei geplanter Nichtübernahme der Auszubildenden zügig umzusetzen. Zudem sollen die Schutzrechte und damit der Geltungsbereich des BBiG auf die Sozial-, Erziehungs-, Pflege- und Gesundheitsberufe und schulisch-betrieblichen Ausbildungen ausgeweitet werden.

Die Jugenddelegation mit ihren insgesamt 60 Mitgliedern brachte die meisten ihrer 16 Anträge wie geplant zur Abstimmung. Gleich zu Beginn hielt Hagelsteins Kollegin Melanie Geigenberger ein furioses Plädoyer für den Antifaschismus als Basis der Gewerkschaftsarbeit, das mit stehenden Ovationen bedacht wurde: "Dort, wo Menschenwürde mit Füßen getreten wird, müssen wir gegenhalten. Ich bin jung. Ich darf Utopien haben, die wir als Gewerkschaftsjugend auch so sehr brauchen."

Sie wolle in einer Welt leben, in der Menschen andere Menschen einfach akzeptierten, wie sie seien. "In einer Welt, wo die Grenzen in unseren Köpfen einfach verschwunden sind. Lasst uns von diesem Kongress ein klares Zeichen in die Welt schicken, ein Zeichen für Solidarität und Vielfalt! Denn heute wie damals gilt: Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!"

Nicht nur bei diesem Thema erwiesen sich die Delegierten der Jugend als wortgewaltige und überzeugende Redner_innen. Ob zur Situation von Geflüchteten in Ausbildung, zur Digitalisierung der Berufswelt oder bei der Arbeitszeitgestaltung: Die DGB-Jugend begründete ihre Anträge mit guten Beiträgen und erhielt viel Unterstützung.

Auch bei den Aktionen auf der Bühne war die DGB-Jugend äußerst präsent. So überbrachte die Vorsitzende der ver.di Jugend Isabell Senff ("Würden Sie mich mal ganz kurz ans Rednerpult lassen?") dem neuen Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) klare Botschaften von der Gewerkschaftsjugend zum Thema Befristungen. Mit ihr enterten die Delegierten mit Transparenten und Schildern die Bühne.

Isabell Senff und Hubertus Heil, Aktion der Gewerkschaftsjugend

© Simone M. Neumann

Aktion zum Thema Befristungen: Isabell Senff mit Hubertus Heil am Rednerpult

Gemeinsam rangen sie Heil das Versprechen ab, sachgrundlose Befristungen und Kettenzeitverträge, unter denen insbesondere junge Beschäftigte zu leiden haben, künftig einzudämmen. Heils Antwort: "Wir brauchen Sicherheit im Wandel. Das heißt, dass wir die sachgrundlose Befristung zurückdrängen müssen. Darauf könnt ihr euch verlassen, dafür setze ich mich ein." Die Gewerkschaftsjugend wird ihn daran erinnern.

Ein weiterer wichtiger Punkt auf dem Kongress war das Thema Digitalisierung, die vor der Ausbildung natürlich nicht Halt macht. Längst sind Laptops und iPads als Lehrmittel normal. Aber wer kommt für die Kosten auf? Die DGB-Jugend sagt: der Arbeitgeber. Denn "Arbeitsplatz 4.0" – das bedeutet, dass auch die Arbeitsbedingungen neu vermessen werden. Wann endet die Arbeitszeit, wenn man zu Hause noch dienstliche E-Mails lesen muss?

Dies sind Abläufe, die die Gewerkschaftsjugend mitgestalten will und muss. Dazu gehört nicht zuletzt der Ausbau der betrieblichen Mitbestimmung. Die Rechte der Jugend- und Auszubildendenvertretungen müssen im Betriebsverfassungsgesetz gestärkt werden. Und ganz wichtig: die Abschaffung der Probezeit bei Übernahme. Wozu noch weiter in Unsicherheit arbeiten, wenn man seine Ausbildung im gleichen Betrieb absolviert hat?

Für den DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften ist klar, dass sie als starke und handlungsfähige Gewerkschaften gefordert sind, die großen Umbrüche in Gesellschaft und Arbeitswelt zu beeinflussen. Sie sehen sich selbst als aktiven Part beim Wandel durch Globalisierung, europäische Integration, Digitalisierung und Migration.

Es braucht kreative Lösungen für Wohnungsnot und prekäre Lebensbedingungen. Sie entwickeln Standpunkte, um die seit Jahrzehnten neoliberal geprägte Politik zu überwinden – für eine Welt, in der die Menschen ihr Leben verlässlich und selbstbestimmt planen können und in der es sozial gerecht und divers zugeht.

Die Botschaft des DGB-Kongresses: Alle, die für demokratische Werte eintreten, sind gefordert, diese Chance zu ergreifen – um den gesellschaftlichen Zusammenhalt, das Vertrauen in das demokratische System zu stärken und um die Populisten, Nationalisten und Autokraten in Deutschland, Europa und der Welt zu stoppen.

Junge Beschäftigte stehen unter besonderem Druck, sie sind oft prekär beschäftigt und leiden in höherem Maße unter schlechten Arbeits- und Ausbildungsbedingungen.

Die DGB-Jugend hat eindrucksvoll klargemacht, wie sie in den nächsten vier Jahren dagegen angehen will und von den Delegierten des DGB-Bundeskongresses dafür viel Anerkennung bekommen.

Mit den Worten Melanie Geigenbergers: "Lasst uns weiterhin für diese Welt kämpfen. Sie verändert sich nämlich nicht von alleine. Lasst uns gemeinsam einstehen für unsere Wertevielfalt, Integration und Teilhabe. Lasst uns weiterhin dem Faschismus klare Kante zeigen und denen helfen, die diese Hilfe dringend nötig haben."

Melanie und Miriam

@ Simone M. Neumann

"Junge Menschen wollen für etwas einstehen": Melanie Geigenberger (l.) und Miriam Hagelstein

Melanie und Miriam, warum wart ihr auf dem DGB-Bundeskongress?
Miriam: Ich glaube, es hat uns erwischt, weil wir zwei engagierte junge Frauen sind, die Lust hatten, die Jugendanträge vorzustellen. Ich war schon auf der Bundesjugendkonferenz dabei, wo wir die ganzen Anträge beschlossen und dann weitergeleitet haben. Wir waren also ganz gut drin im Thema.

Worum ging es euch?
Melanie: Antifaschismus, Abschaffung der Altersgrenzen bei der Kranken- und Pflegeversicherung für Studierende, Mindestausbildungsvergütung und Reform der Berufsbildung. Wir waren als Jugend sehr präsent. Man sah: Wir können Schwerpunkte setzen, wir kooperieren gut mit den Kolleg_innen in den Gewerkschaften. Wir sind superzufrieden.

Melanie, für deine Rede zum Antifaschismus als Kernthema der Gewerkschaften gab es stehende Ovationen…
Melanie: Weil wir in Zeiten leben, wo die Gesellschaft immer weiter nach rechts rückt, Faschismus immer salonfähiger wird. Ich glaube, die Delegierten wussten: Da müssen Gewerkschaften gerade gegenhalten. Man muss immer wieder deutlich machen: Antifaschismus ist eine gute Sache. Eine Zeit wie von 1933 bis ’45 wollen wir nicht mehr haben.

Miriam: Ich glaube, dass der Kongress sehr darauf ausgerichtet war, eine Botschaft nach außen zu senden. Deswegen war er auch recht opulent gestaltet. Es war unglaublich viel Presse hier, und das bestimmt nicht umsonst. Der DGB wollte zeigen: Wir sind viele.

Wo wart ihr besonders gefordert?
Melanie: Bei den Abstimmungen musste man doch schon ganz schnell ganz viel Lobbyarbeit leisten: Wie sieht es in den Mitgliedsgewerkschaften aus, wie für uns als DGB-Bundesjugendausschuss, wo stehen wir da? Wie können wir was bewirken? Innerhalb von wenigen Minuten sind da hunderte Nachrichten hin und her gegangen – super!

Eure Aussicht für die nächsten vier Jahre?
Miriam: Dass es genau so weitergeht. Ich glaube, dass wir ein positives Bild von der Jugend vermitteln konnten und in den nächsten vier Jahren immer ernster genommen werden, unsere Kompetenz anerkannt wird.

Melanie: Mitglieder, Mitglieder, Mitglieder! Wir haben zu wenige. Junge Menschen wollen heute für etwas einstehen. Ich glaube, die Voraussetzungen sind gut: Es wächst eine junge Generation heran, die sehr viel von Solidarität hält.


(aus der Soli aktuell 6/2018, Autorin: Soli aktuell)

Impressionen vom 21. DGB-Bundeskongress