Deutscher Gewerkschaftsbund

So läuft das nicht! Die DGB-Jugend zum Berufsbildungsbericht

Der Berufsbildungsbericht 2018 offenbart die Mängel bei den Arbeitsbedingungen. Die DGB-Jugend fordert strukturelle Veränderungen.

Zeug zum Lernen: Transparent

© DGB NRW

1. Mai 2018: Die DGB-Jugend geht für bessere Ausbildungsbedingungen auf die Straße

Ralf ist eigentlich Straßenbauer-Azubi. Seit geraumer Zeit wundert er sich allerdings: Warum renoviere ich seit Wochen die Wohnung vom Chef? "Ist das überhaupt erlaubt?", fragt er die DGB-Jugend-Ausbildungsexpert_innen von "Dr. Azubi". Aylin wundert sich auch – warum sie im dritten Ausbildungsjahr so viele Überstunden kloppen muss. Sie sagt: "Ich habe ein Problem damit, dass sie weder vergütet noch mit Freizeit ausgeglichen werden. Selbst im Berichtsheft darf ich keine Überstunden vermerken, da ich sonst Ärger mit meiner Ausbilderin bekomme."

Eigentlich wollen die beiden richtig was lernen. Aber unter diesen Umständen wird das wohl schwierig. Nun überlegen beide ernsthaft, ihre Ausbildungen vorzeitig zu beenden.

Womit sie nicht allein wären: Jede_r Vierte hat die Ausbildung abgebrochen, wie der im April veröffentlichte Berufsbildungsbericht der Bundesregierung mit Daten für das Jahr 2016 bestätigt.

Die Abbruchquote betrug 25,8 Prozent – der höchste Wert seit Anfang der neunziger Jahre. 146.376 Ausbildungsverträge wurden vorzeitig gelöst. Eine alarmierende Zahl, die sogar Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für bedenklich hält. Er hatte am Rande der "Woche für berufliche Bildung" das Ziel vorgegeben, "dass wieder mehr Azubis ihre Lehre zu Ende bringen".

"Arbeitgeber und Politik müssen ihre Verantwortung endlich ernst nehmen. Während sich über den sogenannten Facharbeitermangel beklagt wird, bildet nicht mal mehr jeder fünfte Betrieb aus", kritisiert DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte. Bereits in ihrem Ausbildungsreport 2017 hatte die DGB-Jugend auf diese gravierende Quote hingewiesen.

Die Zahlen sind also nicht wirklich eine Überraschung. Beispiel Hotel- und Gaststättenbranche: Jan Krüger, Bundesjugendsekretär der NGG, sagt über die hohe Abbrecherquote: "Gerade in den Berufen von Hotel- und Gaststättengewerbe sind Überstunden und Belastung hoch und die Vergütung ist niedrig. Niemand darf sich wundern, wenn einem unter diesen Bedingungen die Auszubildenden weglaufen."

Und das sind bei Berufen wie Koch oder Hotelfachangestellte bis zu 50 Prozent. Aber nicht nur dort brodelt es: Mehr als jeder zweite Azubi zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit bricht die Ausbildung ab (50,7 Prozent), bei den Fachkräften für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice sind es 49,8, bei den Friseur_innen 49,6 Prozent.

Die Zahl der jungen Menschen ohne Berufsabschluss lag 2006 bereits bei 2,13 Millionen – das waren 180.000 mehr als im Vorjahr. Ihnen droht ein Leben in prekärer Beschäftigung oder Arbeitslosigkeit. Ausbildung muss endlich besser werden. "Wir brauchen mehr betriebliche Ausbildungsplätze, ein modernes Berufsbildungsgesetz und die Mindestausbildungsvergütung ", fordert Manuela Conte.