Deutscher Gewerkschaftsbund

Heraus zum 1. Mai, Gewerkschaftsjugend! Von Abdullah Sevik

Die Gewerkschaftsjugend muss auffällig und laut sein, sagt Abdullah Şevik.

Abdullah Sevik

Abdullah Sevik, 25, ist stellvertretender Vorsitzender der ver.di Jugend. Er arbeitete nach seiner Ausbildung zum Krankenpfleger in einem Verlag im Gesundheitswesen. Derzeit studiert er Politikwissenschaft und Philosophie in Kassel. © Privat

Abdullah, warum ist der 1. Mai für dich wichtig?
In unseren Betrieben arbeiten wir mit vielen Menschen unter einem Dach zusammen. Aber meistens bekommen wir all unsere Kolleg_innen selten oder gar nicht zu Gesicht. Am 1. Mai können wir uns treffen und sehen, wie viele wir eigentlich sind – und dass wir nicht allein sind. Ich finde das Gefühl der Zugehörigkeit, der Solidarität am wichtigsten. Das kann man an diesem Tag erleben.

Du hast in der Pflege gearbeitet. Was hast du dort erlebt?
Dort war vieles schlimm: Der Stress, der einem gemacht wurde. Zeit für die Patienten konnte man sich kaum nehmen, sonst gab es Ärger. Man wurde angerufen, wenn man frei oder Urlaub hatte. Damit war ich überhaupt nicht einverstanden. Gesundheit ist so ein elementarer Bereich, es geht nicht an, dass man in dieser Branche so verheizt wird. Unter anderem deswegen habe ich mich in der Jugend- und Auszubildendenvertretung meines Klinikums engagiert.


Das führt direkt zu deinem Einsatz für die DGB-Jugend…

Ich möchte den Grundgedanken der Solidarität weitertragen und möglichst viele Menschen für die gewerkschaftliche Arbeit gewinnen. Ich habe in meiner Gewerkschaft ver.di eine starke Partnerin gefunden, mit der ich gemeinsam die Arbeits- und Ausbildungsbedingungen zum Guten hin verändern kann. Als ich meine Ausbildung selbst einmal abbrechen wollte, war die Gewerkschaft meine Rettung. Ich habe gesehen, dass man die Welt besser machen kann, wenn man sich aktiv dafür einsetzt. Ich kann nicht schweigend zusehen, wenn Unrecht geschieht. Ich bin ein rastloser Mensch. Beim Zustand der heutigen Ausbildungs- und Arbeitswelt gibt es mehr zu tun als jemals zuvor. Da kann ich mich ausleben.

1. Mai Plakat mit Aufschrift Solidarität - Vielfalt - Gerechtigkeit

© DGB

1. Mai mit dem DGB: Alle hin!

Warum sollten junge Menschen zur 1. Mai-Demonstration der Gewerkschaften gehen?
Wir haben als Jugend die Aufgabe – nein: die Pflicht, zu zeigen, dass man mit uns nicht spaßen kann. Wir wollen als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft anerkannt werden. Was wir nicht wollen: schlecht ausgebildet oder als billige Arbeitskraft benutzt werden, in prekären Beschäftigungsverhältnissen von einer Befristung in die nächste springen. Für unsere Ziele müssen wir sichtbar werden. Das können wir am 1. Mai.

Wir fordern die Mindestausbildungsvergütung, eine qualitativ hochwertige Ausbildung, ein modernes Berufsbildungsgesetz, bezahlbaren Wohnraum. Wir wollen viel und müssen uns mit aller Kraft dafür einsetzen.

Wir brauchen Mut zur auffälligen und kreativen Sichtbarkeit – durch Tarifkampagnen, durch stärkere Organisierung. Mit Kampfgeist und Fokus auf der Jugend. Nach dem Motto: Hey Leute, wenn wir all das erreichen wollen, dann müssen wir Einsatz zeigen. Und das macht Spaß!


Die DGB-Jugend ist live dabei am 1. Mai – schickt uns eure Bilder: www.facebook.com/jugendimdgb

(aus der Soli aktuell 4/2018, Autorin: Soli aktuell)