Deutscher Gewerkschaftsbund

"Equal Pay Day"? Da hilft nur Solidarität, sagt Schauspielerin Friederike Kempter

"Equal Pay Day": Die Schauspielerin Friederike Kempter akzeptiert keine Lohnunterschiede und schwört auf Organisation gegen Ungerechtigkeiten.

Friederike Kempter

© Niklas Vogt

Kämpft dür Frauenrechte: Friederike Kempter

Am 18. März ist "Equal Pay Day". Wie steht es um die Lohngerechtigkeit in der Schauspielbranche?
Wer erfolgreich ist, verdient am besten. Männer bekommen deutlich mehr als Frauen, das wurde mir schon zum Berufseinstieg klargemacht. Es heißt, es gibt mehr Schauspielerinnen und weniger Frauenrollen. Angebot und Nachfrage bedingen angeblich diese Ungerechtigkeit.

Ich habe den Verdacht, das finden Sie nicht sehr überzeugend…
Nein. Ich glaube, irgendwann haben die Männer das mal für sich so entschieden. Hinterfragt wurde das nie. Ich finde, dass es jetzt an uns Frauen ist, diese Umstände infrage zu stellen, um etwas zu ändern. Und die Männer sollten uns darin unterstützen. Mehr Gerechtigkeit ist doch immer für die ganze Gesellschaft gut.

Wie lässt sich dieses Ziel erreichen?
Ich komme aus einer Familie, in der alle in ihrer jeweiligen Gewerkschaft sind oder waren, mein Onkel war sogar Gewerkschaftsfunktionär. Ich glaube an Solidarität: Dass man gemeinsam etwas erreichen kann. Tendenzen zu Hass und Spaltung machen mir wirklich große Sorgen. Ich glaube, da hilft nur noch mehr Solidarität. Solidarität in allen Formen und überall. Das fordere ich, das will ich leben. Dafür lohnt es sich zu kämpfen.

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Ungleichheit bekämpfen

Der "Equal Pay Day" markiert symbolisch den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden.

100 Jahre Frauenwahlrecht

Frauen in Deutschland verdienen im Durchschnitt 21 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Damit sich daran etwas ändert, engagieren sich Gewerkschafter_innen rund um den "Equal Pay Day" mit vielfältigen Aktionen.

Zum Frauentag am 8. März hatte die DGB-Abteilung Frauen die Aktionstage eingeläutet. Denn dieses Jahr gibt es auch 100 Jahre Frauenwahlrecht zu feiern: Es war der Rat der Volksbeauftragten, der während der Novemberrevolution von 1918 ein Gesetz erließ, mit dem Frauen in Deutschland erstmals das aktive und passive Wahlrecht erhielten. Lange hatte die Arbeiterinnenbewegung dafür kämpfen müssen.

Zu tun gibt es trotzdem noch genug: Heute ist das deutsche Parlament so männlich wie seit 20 Jahren nicht mehr – nur ein Drittel der Abgeordneten sind Frauen. Und rechte Politiker_innen fördern offensiv ein reaktionäres Frauenbild. Frauendominierte Berufe werden immer noch schlechter bezahlt, Frauen haben geringere Karrierechancen und zum Schluss eine niedrigere Rente als Männer.

Bereits zum 6. März gab es eine Soiree der DGB-Frauen in Berlin. Exemplarisch wurde mit einer Lesung der Schauspielerin Friederike Kempter an die Frauenrechtlerin Emma Ihrer (1857–1911) erinnert. Ihrer gründete feministische Arbeiterinnenvereine und kämpfte für die Gleichheit von Frauen in Gesellschaft, Politik und Arbeitsrecht. "Emma Ihrer war eine Wegbereiterin. Eine Frau, die aus einem proletarischen Elternhaus vom Land kam – quasi aus dem Nichts", sagt Kempter. "Sie hat aus eigener Kraft ganz viel geschaffen, erneuert und verändert und unter schwierigsten Bedingungen unermüdlich für Frauenrechte gekämpft. Und wir Frauen heute haben diesem Kampf viel zu verdanken."


www.equalpayday.de

(aus der Soli aktuell 3/2018, Autorin: Soli aktuell)