Deutscher Gewerkschaftsbund

Datenschutz ist unser Thema

Auch die DGB-Jugend geht zum "Chaos Computer Congress". Überschneidungen zwischen alternativem Computergebrauch und Gewerkschaften gibt es zu Genüge, sagt Konstantin Kohl.

© Simone M. Neumann

Konstantin, du warst vor kurzem zu Gast auf dem "34. Chaos Communication Congress" in Leipzig – mit sage und schreibe 15.000 Besucher_innen! Das Motto lautete "Tu wat!" Was bedeutet das?
Das bezieht sich auf eine Reihe politischer Ereignisse Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre, von Hausbesetzungen über undogmatische Linke bis hin zur Gründung der Tageszeitung "taz". Letztendlich steht es aber für das Gründungsmanifest "TUWAT.TXT" des Chaos Computer Clubs im September 1981.

Wen trifft man so auf dem "34c3"?
Neben Computer-Nerds viele aus dem eher linken Spektrum. Der Frauenanteil war höher als man das vielleicht vermutet hätte, und auch der wahrnehmbare Anteil von Transgender-Personen hat mich positiv überrascht. Ich traf auf viele Organisationen, die sich mit Datenschutz und Flüchtlingshilfe auseinandersetzen, unterschiedliche "Hack-Spaces", aber auch Menschen aus Kunst und Kultur wie etwa das Kollektiv "Mensch Meier".

Welche Inhalte wurden diskutiert?
Neben IT-Security, Hardware-Hacking und eben Kunst und Kultur wurde auch viel über Gesellschaftspolitik diskutiert. So konnte ich neben Vorträgen, die sich mit dem Hack der in vielen Bundesländern schon eingesetzten Auswertungssoftware von Bundes-, Landes- und Kommunalwahlen ("PC-Wahl") beschäftigten, auch Workshops besuchen, die sich mit der Verschmelzung von Mensch und Maschine auseinandersetzten – Motto: "Sind wir alle schon Cyborgs?" Nicht zu vergessen: Bildung. Die sich, so bemängelt es der Jahresbericht des Chaos Computer Clubs, in Lehrplänen nicht wiederfindet, wenn es um Netzpolitik und soziales Verhalten in digitalen Netzwerken geht.

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Hat Drähte zur Gewerkschaftsjugend: der Chaos Computer Club

Da müsste wohl nachgebessert werden.
Ich denke, da wächst eine Generation heran, die keinerlei Wegweiser für die soziale Nutzung und Verhalten im Internet besitzt, geschweige denn Bescheid weiß, was mit ihren Daten passiert. Hier reicht es nicht aus – das hat der CCC richtig erkannt –, temporäre Seminare zu veranstalten. Das Problem muss flächendeckend angegangen werden, und das schon für Menschen in jungen Jahren.

Finden sich da Berührungspunkte zur Gewerkschaftsjugend?
Ja. Auch wir beschäftigen uns natürlich mit Bildung und Netzpolitik. In unserem bundesweiten Bildungsprogramm bieten wir immer auch Seminare dazu an. Aber auch bei dem Thema Datenschutz gibt es Überschneidungen: So hat der DGB darauf hingewirkt, dass ein sehr umstrittener Entwurf zu einem Beschäftigungsdatenschutzgesetz zurückgenommen wurde. Im Vordergrund der Kritik stand damals, dass private Daten unkontrolliert gesammelt werden. Und auch die Videoüberwachung am Arbeitsplatz.

Stichwort Arbeitszeiten: Wurde auch nachts diskutiert?
Ihr werdet es nicht glauben: Tatsächlich war der Kongress bis drei Uhr morgens noch auf den Beinen – und die Verantwortlichen freuten sich über volle Zuschauerränge!


Konstantin Kohl ist politischer Referent der DGB-Jugend für JAV-Arbeit, Bildungsprogramm und Websites.

(aus der Soli aktuell 2/2018, Autorin: Soli aktuell)