Deutscher Gewerkschaftsbund

Befristung ist jung

Zeitverträge sind die neue alte Form der prekären Beschäftigung. Die DGB-Jugend fordert von der Politik dringend Regulierungen.

Manuela Conte

© Andreas Pleines

Sieht in Befristungen eine Gefahr: DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte

Die Zahl der befristet Beschäftigten in Deutschland hat nach neuesten Angaben des Statistischen Bundesamtes stark zugenommen: Innerhalb der vergangenen 20 Jahre wuchs sie um mehr als eine Million auf rund 2,8 Millionen im vergangenen Jahr. Dabei stieg der Anteil der befristet Beschäftigten an allen abhängig Beschäftigten seit 1996 von 6,4 auf 8,5 Prozent. Mehr als jeder dritte von ihnen arbeitet unfreiwillig befristet. Befristet Beschäftigte verdienen weniger als Arbeitnehmer_innen mit regulärem Vertrag. Vor allem aber ist Befristung jung: Besonders oft sind 25- bis 34-Jährige befristet beschäftigt. Hier stieg der Anteil von 9,6 Prozent vor 20 Jahren über 16,6 Prozent 2006 auf 18,1 Prozent im Jahr 2016.

Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung hat gezeigt: Fast jeder fünfte abhängig Beschäftigte unter 35 Jahren hatte 2017 nur einen befristeten Arbeitsvertrag, mehr als 60 Prozent aller befristet Beschäftigten in Deutschland sind jünger als 35.

Auf das Einkommen wirken sich Befristungen deutlich aus: Mehr als ein Viertel der befristet Beschäftigten unter 35 Jahren verdiente mit einer Vollzeittätigkeit netto weniger als 1.100 Euro im Monat. Das entspricht in etwa dem Minimum, das der Mindestlohn garantiert. 2015 waren 15,5 Prozent der befristet Beschäftigten zwischen 20 und 34 Jahren wegen eines Haushaltseinkommens von unter 60 Prozent des Durchschnitts von Armut bedroht – aber nur 7,5 Prozent derjenigen mit Dauervertrag.

So sind Arbeitnehmer_innen in der Berufseinstiegs- und Familiengründungsphase besonders stark von den Nachteilen dieser atypischen Beschäftigungsform betroffen. "Die Politik muss handeln: Sachgrundlose Befristungen und Kettenbefristungen gehören endlich abgeschafft", forderte deshalb DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte kürzlich angesichts der Koalitionsverhandlungen von CDU, CSU und SPD.

Damit sich die Befristung nicht unbefristet fortsetzt, sind bessere Arbeitsbedingungen vonnöten – je jünger die Menschen sind, desto dringlicher. Denn es werden immer mehr: Ein Drittel der unter 25-Jährigen arbeitet befristet und hangelt sich von einem Job zum nächsten. Conte: "Das schafft Unsicherheit – so lässt sich Arbeit und Privatleben nicht vereinbaren. Junge Menschen wollen sichere Arbeitsplätze."

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Wer keinen unbefristeten Vertrag hat, kann seine Zukunft kaum planen.


Hier gibt es die neue DGB-Broschüre "Befristet. Arbeiten ohne Bestandsschutz": www.dgb.de/-/nZm

(aus der Soli aktuell 2/2018, Autorin: Soli aktuell)