Deutscher Gewerkschaftsbund

Sehr, sehr gute Beteiligung: Jugend im Metaller-Streik

Metall-Tarifrunde 2018: Ein Streik ist eine Grunderfahrung der Mitbestimmung, sagt Florian Jendrny. Als Jugendvertreter bereitet er in seinem Betrieb den Arbeitskampf mit vor.

Florian Jendrny

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Jugend- und Auszubildendenvertreter in der Metall- und Elektrobranche: Florian Jendrny

Florian, wie bereitet man sich auf Warnstreik vor?
Wir, die Vertrauensleute der IG Metall im Werk, haben uns zusammengesetzt und überlegt, welche Aufgaben und Hürden gemeistert werden müssen. Daraus ist eine Art "Schlachtplan" entstanden, mit Aufgaben, die unter den Vertrauensleuten verteilt wurden. Wir planten den Tag und halfen uns gegenseitig bei der Kommunikation nach außen. Als Jugend- und Auszubildendenvertretung informierten wir unsere rund 70 Auszubildenden über ihren rechtlichen Status. Das haben wir über Newsletter, Gruppen- und Einzelgespräche unter die Leute gebracht.

Sind die Azubis gut mitgezogen?
Die hatten da voll Bock drauf! Wir haben lange nicht richtig gestreikt. Wir konnten uns bisher mit dem Arbeitgeberverband immer relativ zeitig einigen. Dieses Jahr war das nicht so. Das war auch für die Auszubildenden eine ganz neue Erfahrung.

Ab und zu hört man von älteren Kollegen, wie früher über Tage hinweg Errungenschaften wie die 35-Stunden-Woche erstreikt wurden. Da ist es jetzt sehr viel interessanter, dies selbst zu erfahren. Ja, die Beteiligung war sehr, sehr gut. Wir nahmen an Kundgebungen bei kurzen Warnstreiks teil, zeigten uns. Die Azubis haben ordentlich auf sich aufmerksam gemacht – visuell und mit Redebeiträgen.

Die Arbeitgeber zeigten sich dieses Jahr nicht so flexibel…
Ich hatte das Gefühl, dass der Arbeitgeberverband einfach mal gucken wollte, ob wir als IG Metall wirklich so stark sind und zusammenhalten. Die Arbeitgeber gingen uns da natürlich ein bisschen auf die Nerven. Behaupteten, unsere Aktionen sind nicht rechtlich abgesichert, was totaler Quatsch ist. Aber die wollten ein bisschen Eskalation spüren.

Meiner Meinung nach ist unsere Forderung nach einer optionalen 28-Stunden-Woche ein Schritt in die richtige Richtung. Wenn die Elektrifizierung des Automobils wirklich unsere Arbeitswelt so massiv verändert, wie man immer hört, dann wird womöglich viel Arbeit wegfallen. Und wenn wir die nicht verteilen, fallen die Leute auch als Konsumenten aus. Und wer soll die Produkte dann kaufen? Das kann man auch mal so rum betrachten.

Wenn die Arbeitgeber sich bockig stellen, ist das dann gut für die Mitbestimmung?
Auf jeden Fall! Aber nur, wenn wir dann unsere Arbeit gut machen. Dann stehen die Leute auch hinter ihrer Interessenvertretung. In diesem Sinne: Danke, Arbeitgeber!


Infos zu Aktionen und Ergebnissen in den Tarifverhandlungen der Metall- und Elektroindustrie findet ihr auf www.igmetall.de

(aus der Soli aktuell 2/2018, Autorin: Soli aktuell)