Deutscher Gewerkschaftsbund

Digital gerecht gestalten

Ausbildung 4.0 war das Thema der diesjährigen DGB-Jugend-Sommerakademie in Hattingen. Über die Ergebnisse des Treffens sprach Soli aktuell mit Daniel Gimpel.

Junger Mann vor Laptop

© BIBB/ES

"Alles ist gestaltbar, aber wir müssen uns einmischen" - auch bei der Ausbildung 4.0

"Ausbildung 4.0" lautete das Thema der diesjährigen Sommerakademie der DGB-Jugend in Hattingen. War dies das richtige Thema für die brütende Hitze dieses Jahr?
Wir hatten zum Glück Klimaanlagen in den Räumen. Das war wichtig, um einen kühlen Kopf zu bewahren, denn das Thema Ausbildung 4.0 ist in der Tat eine heiße Sache! Wir haben darüber diskutiert, wie eine moderne Berufsausbildung aufgestellt sein muss, um den Anforderungen von Digitalisierung und Wandel der Arbeitswelt gerecht zu werden. Wir haben mit verschiedenen Workshops und dem Einstiegsvortrag der Arbeitssoziologin Nicole Mayer-Ahuja eine sachliche Herangehensweise gewählt.

Dabei kam heraus: Wir sind als Beschäftigte und Auszubildende nicht nur Leidtragende der technischen Entwicklung. Die Arbeitswelt ist Resultat komplexer ökonomischer, sozialer und politischer Strukturen und Prozesse. Alles ist gestaltbar, aber wir müssen uns einmischen. Als DGB-Jugend wollen wir genau das tun: eine moderne und zukunftsorientierte Berufsausbildung mitgestalten.

Womit sind junge Leute in den Betrieben konfrontiert?
Die Digitalisierung in den Betrieben und Branchen geht mit unterschiedlicher Geschwindigkeit und Intensität vonstatten: In einigen Betrieben passiert richtig viel, in anderen spielt das alles noch keine Rolle. In einem waren sich aber alle einig: Digitalisierung ist mehr, als nur ein iPad in die Hand gedrückt zu bekommen.

Interessant war da der Vortrag von Peter Raber, dem Vorsitzender der Konzern-Jugend- und Auszubildendenvertretung (KJAV) der Schaeffler-Gruppe. Peter hat ein Pilot-Projekt vorgestellt, bei dem eine Ausbildungsplan-App entwickelt wurde, die auch als Feedbacksystem zwischen Azubi und Fachabteilung fungiert. Darüber laufen Notenerfassung, Verwaltung der Lernziele, Abruf der Ausbildungspläne und Schreiben des Berichtshefts.

Die Auszubildenden können diese App flexibel auf jedem Endgerät nutzen. Die KJAV konnte den Prozess im Rahmen einer Projektgruppe jederzeit mitgestalten und mitbestimmen. Am Ende wird dann eine Betriebsvereinbarung stehen, die diese Erfahrungen aufgreift.

Solche Mitbestimmungsprozesse sind wichtig, um als Interessenvertretung bei der Einführung von digitalen Systemen die Kontrolle zu behalten – und damit die Arbeitgeber keinen Unfug mit den Daten betreiben. Die Einhaltung des Beschäftigtendatenschutzes ist dabei das oberste Gebot.

Es waren eine Reihe Expert_innen vor Ort. Bei welchen gab es die interessantesten Diskussionen?
Wir hatten neun Workshops mit Fachreferent_innen aus verschiedenen Bereichen. Wir hatten sogar eine Vertreterin der Arbeitgeber eingeladen, die ebenfalls einen Workshop gestaltet hat. Interessanterweise haben die Arbeitgeber bei Ausbildungsinhalten und der notwendigen Ausstattung teilweise ähnliche Vorstellungen wie wir. Gerade in den Berufsschulen muss noch einiges passieren, eine starke Kooperation zwischen Schule und Betrieb wird unerlässlich sein.

Eines kam ganz klar heraus: Eine komplexe Wirtschaft, wie wir sie in Deutschland vorfinden, benötigt vollumfänglich und breit ausgebildete Fachkräfte. Das System der dualen Berufsausbildung bietet die perfekten Voraussetzungen, dies zu gewährleisten.

Welche Veränderungen sind dafür nötig?
Wir müssen diese guten Voraussetzungen auch nutzen und entsprechend gestalten. Es wird neue Lernformen und Methoden geben müssen: Das traditionelle Lehrer_innen-Schüler_innen-Verhältnis in der Ausbildung hat endgültig ausgedient. Die Ausbilder_innen werden zu Lernbegleiter_innen. Auch werden die Berufe einen inhaltlichen Refresh benötigen, um Digital- und Medienkompetenz in die Rahmenpläne einzubauen.

Wie geht es jetzt weiter?
Es gibt auf jeden Fall noch einiges zu tun, um die Ausbildung zukunftsfähig aufzustellen. Wir stehen am Anfang. Mit der Sommerakademie haben wir aber einen wichtigen Schritt gemacht: Mit den Ergebnissen können wir als DGB-Jugend eigene Positionen und Forderungen zum Thema Ausbildung 4.0 weiterentwickeln.


Zum DGB-Jugend-Dossier "Ausbildung 4.0": http://jugend.dgb.de/ausbildung4punkt0

Daniel Gimpel ist Referent mit Schwerpunkt Ausbildung beim DGB-Bundesvorstand.

(Aus der Soli aktuell 10/2018, Autorin: Soli aktuell)