Deutscher Gewerkschaftsbund

Die Qual der (Berufs)wahl

"Ich werde Spieledesigner!" – "Und ich Tierärztin!" Wer kennt das nicht? Wir setzen uns schon ab dem Kindesalter mit unseren Berufswünschen auseinander. Was es zu beachten gilt, um in einem Beruf zu landen, der zu den eigenen Interessen und Fähigkeiten passt.

Julia Kanzog

Azubi-Ratgeberin Julia Kanzog

Vorausschauend planen
Die Bewerbungsphase um einen dualen Ausbildungsplatz beginnt bereits ein Jahr vor Ausbildungsbeginn. Zu diesem Zeitpunkt solltest du dir bereits darüber im Klaren sein, in welchem Ausbildungsberuf du arbeiten und welchen Weg du einschlagen möchtest. Denn deine Bewerbungen müssen jetzt rausgeschickt werden!

Aber keine Panik: Zu diesem Zeitpunkt stellst du die Weichen für deine Ausbildung für die nächsten Jahre. Du verpflichtest dich damit aber nicht, ein Leben lang in diesem Beruf zu arbeiten. Der Berufsweg ist ein individueller und lebenslanger Prozess: Es gibt viele Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten.

Mit Offenheit und Neugierde
Es ist auf jeden Fall ratsam, dich mit deiner Berufswahl frühzeitig auseinanderzusetzen. Gehe neugierig und offen an die Sache ran: Es ist spannend und interessant, sich mit seinen Interessen und Fähigkeiten zu beschäftigen, sie überhaupt erst kennenzulernen. Lass dich nicht von dem Leistungsdruck, der in unserer Gesellschaft herrscht, anstecken. Unterhalte dich mit Menschen deines Umfeldes aus unterschiedlichen Berufsfeldern: Wie sieht ihr Arbeitsalltag aus? Was macht ihnen Spaß? Was muss man gut können?

Stärken und Fähigkeiten
Je nach Beruf werden unterschiedliche Interessen und Fähigkeiten gefordert. Für dich gilt: Werde dir deiner eigenen Stärken und Fähigkeiten bewusst. Frage Lehrkräfte, Eltern, Freunde, Betreuer_innen, was sie an dir schätzen, was du gut kannst, wo sie deine Stärken sehen. So findest du heraus, wie dein Umfeld dich sieht – und du kannst abgleichen, ob deine Außenwirkung zu deiner Selbsteinschätzung passt. Berufswahltests, die du im Internet finden kannst, sind oft eine Mischung aus Selbsteinschätzung und dem Abfragen von Fähigkeiten und Fertigkeiten. Sie können dir eine weitere Orientierung und einen breiteren Überblick über mögliche Berufe geben.

Sammle Erfahrungen
Studieren geht über Probieren? Nicht unbedingt: Ein wichtiger Punkt im Berufswahlprozess ist das Sammeln von Erfahrungen. Absolviere Praktika, arbeite in Nebenjobs. Berufsorientierungstage und Tage der offenen Tür können dir Einblicke in den Firmenalltag geben. Suche dir Hilfe und Unterstützung bei Leuten, die sich mit dem Thema Berufswahl auskennen: Das können Berufsberater_innen bei der Agentur für Arbeit sein oder Fachkräfte an deiner Schule. Im Gespräch kannst du auf Ideen und Berufe stoßen, die du zuvor noch nicht im Kopf hattest.

Mach den Realitätscheck
So langsam formt sich eine Berufsvorstellung in deinem Kopf? Oder bist du dir schon ganz sicher, wo du hinmöchtest? Dann gilt es immer wieder zu überprüfen, wie du zu deinem Ziel kommst und ob sich deine beruflichen Vorstellungen – jetzt schon – realisieren lassen. Bei heiß begehrten Ausbildungsberufen und Unternehmen kann die Ausbildungsplatzsuche auch schon mal an der Anzahl der Bewerber_innen scheitern. Leider stehen gerade Absolvent_innen mit einem niedrigeren Schulabschluss in Deutschland nicht alle Ausbildungsberufe offen.

Schaue dich nach Alternativen um. Es ist immer gut, einen Plan B in der Tasche zu haben. Sicherlich gibt es Berufe, die auch deinen Stärken entsprechen. Und mit einer erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung kannst du auch den Realschulabschluss erwerben und dich weiterentwickeln.

Im nächsten Schritt geht es um das richtige Matching – also deine Bewerbung und das Finden eines geeigneten Betriebes, der zu deinen Wünschen und Vorstellungen passt.

Und wenn ich…
…in der Ausbildung merke, dass ich die falsche Berufswahl getroffen habe? Kein Grund zur Panik: Dich kann niemand zwingen, die Ausbildung zu Ende zu führen. In Deutschland gilt die Berufsfreiheit, d. h. wenn du merkst, dass du dich für das Falsche entschieden hast, kannst du deine Ausbildung jederzeit mit einer Frist vier Wochen wegen Berufsaufgabe kündigen.

Vorsicht! Du solltest nie überstürzt kündigen. Finde erst einmal heraus, was dich an deiner Ausbildung stört: Sind es die Inhalte und Gegebenheiten, die in dem Beruf herrschen? Oder ist das Betriebsklima mies und die Ausbildungsqualität mangelhaft in deiner Firma?

Im zweiten Fall – wenn gar nichts mehr geht – kann ein Ausbildungsplatzwechsel ratsam sein. Wenn du bereits im dritten Ausbildungsjahr bist, kann es sinnvoll sein, die Ausbildung noch abzuschließen und dich erst danach umzuorientieren. Wenn du dir absolut sicher bist, nicht mehr in deinem Ausbildungsberuf arbeiten zu wollen, dann ist es die richtige Entscheidung, einen anderen Weg einzuschlagen.

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Ausbildungsordnung, Vertrag, Berufsschule etc.
Mit der Berufsausbildung beginnt für dich ein neuer und spannender Lebensabschnitt. Da fällt es manchmal schwer, den Blick für das Wesentliche zu behalten. Damit du immer einen guten Überblick über die zentralen Aspekte deiner Ausbildung hast, hat die DGB-Jugend das Wichtigste in ihrer Broschüre "Deine Rechte in der Ausbildung" zusammengefasst. Die Themen:

  • Berufsausbildung: Tipps und Tricks rund um die Ausbildung
  • Mitbestimmung in Betrieb und Berufsschule
  • Geld: Finanzielle Hilfe während der Ausbildung
  • Arbeitsschutz: Damit dir nichts auf die Füße fällt
  • Nach der Ausbildung: Wie es weiter geht
  • Gewerkschaften: Was sie tun und wie sie dir helfen
  • Mindestlohn: Was ändert sich für Jugendliche und junge Beschäftigte?
  • Ausbildungslexikon: Von Abmahnung bis Zukunftsinvestitionsprogramm
  • Adressen und Kontakte: Die DGB-Jugend hat zusammengestellt, an wen du dich wenden kannst.


Die Broschüre "Deine Rechte in der Ausbildung" steht zum Download bereit auf http://jugend.dgb.de/-/XgM

(Aus der Soli aktuell 10/2018, Autorin: Julia Kanzog)