Deutscher Gewerkschaftsbund

Jugendarmut bekämpfen

Defizite in Deutschland und Europa sind ein gesellschaftlicher Skandal. Zum DBJR-Fachtag Jugendarmut. Von Matthias Schröder

Hartz und Jung

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"Prekäre Lebensverhältnisse der Jugend werden als eigenständiges, separat zu betrachtendes Phänomen kaum wahrgenommen": Der Sozialstaat muss aktiv werden

Während über (Kinder-)Armut in Gesellschaft, Politik und Verwaltung zunehmend diskutiert wird, werden die prekären Lebensverhältnisse der Jugend als eigenständiges, separat zu betrachtendes Phänomen kaum wahrgenommen. Gerade für junge Menschen bedeutet Armut oft Verlust persönlicher Zukunftsperspektiven, sie verlieren das Vertrauen in die Gesellschaft und in sich selbst. Dabei sind sie ohnehin in einer Lebensphase mit entscheidenden Umbrüchen am Anfang ihres eigenständigen Lebensweges.

Auf dem Fachtag des Deutschen Bundesjugendrings (DBJR) am 19. September 2018 in Duisburg beschäftigten wir uns gemeinsam mit ca. 50 Vertreter_innen aus Jugendsozialarbeit, Jugendverbänden, Stadtjugendringen und Jugendämtern mit den Ursachen und Folgen von Jugendarmut sowie mit Gegenstrategien. Die Gruppe der 18- bis 24-Jährigen ist am stärksten von Armut betroffen, betonte Sozialforscher Christoph Butterwegge in seinem Input. Und fasste zusammen: "Mein Vortrag beschäftigt sich mit Jugendarmut im gesellschaftlichen Diskurs. Daher könnte er hiermit zu Ende sein." Denn er findet schlichtweg nicht statt.

Kerstin Griese (SPD), Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, betonte, der Nichtbeachtung gegensteuern zu wollen. Das Thema Jugendarmut gehöre auf die tagespolitische Agenda.

Im kommenden Jahr soll das Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung reformiert werden – ein erster Schritt. Geplant sind aber auch Anreize, damit junge Menschen besser auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen können. Dazu sollen etwa die Jugendberufsagenturen gestärkt werden.

Wir werden uns das genau anschauen und an den Entwicklungen dran bleiben. Denn das Ausmaß der Jugendarmut in Deutschland und Europa ist ein gesellschaftlicher Skandal. Jugendarmut muss konsequent auf allen Ebenen angegangen werden. Fazit: Der Sozialstaat muss endlich aktiv werden, damit nicht ganze Generationen den Halt verlieren.


www.dbjr.de

Matthias Schröder ist für die DGB-Jugend aktiv und stellvertretender DBJR-Vorsitzender.

(Aus der Soli aktuell 10/2018, Autor: Matthias Schröder)