Deutscher Gewerkschaftsbund

Der Start in die Ausbildung

Zum 1. August 2017 hat das neue Ausbildungsjahr begonnen. Und gerade am Anfang gibt es viele Unklarheiten – das zeigt sich auch in den Anfragen im "Dr. Azubi"-Forum der DGB-Jugend. Hier kommen die wichtigsten Themen!

Was ist beim Ausbildungsvertrag zu beachten?
Der Ausbildungsvertrag ist die zentrale Vertragsgrundlage für deine Ausbildung. Er muss von dir und deinem Betrieb unterschrieben werden. Bist du noch minderjährig, müssen die gesetzlichen Vertreter_innen ihre Unterschrift noch mit unter den Vertrag setzen. Mindestinhalte des Vertrages sind:

  • Beginn und die Dauer der Ausbildung
  • Ausbildungsort
  • tägliche und wöchentliche Ausbildungszeit
  • Dauer der Probezeit
  • Ausbildungsvergütung
  • Anzahl der Urlaubstage.


Er kann darüber hinaus Hinweise auf anzuwendende Tarifverträge, Betriebs- oder Dienstvereinbarungen enthalten. Beigefügt werden muss ein betrieblicher Ausbildungsplan, der die Inhalte der Ausbildung sachlich und zeitlich gliedert.

"Dr. Azubi"-Tipp: Auch mündliche Verträge sind gültig. Aus Nachweisgründen und um die vertraglichen Konditionen zu kennen, solltest du noch vor Ausbildungsbeginn einen schriftlichen Vertrag anfordern. Die unterschriebene Vereinbarung muss dann von deinem Betrieb umgehend an die zuständige Kammer geschickt werden, wo er inhaltlich kontrolliert und abgestempelt wird.

Diese Registrierung ist sehr wichtig: Nur dann ist gewährleistet, dass dein Betrieb alle Voraussetzungen eines Ausbildungsbetriebes erfüllt und du an den Prüfungen teilnehmen kannst.

Julia Kanzog

Azubi-Ratgeberin Julia Kanzog © Privat

Wie läuft das mit dem Geld?
Deine Ausbildungsvergütung muss mit jedem Ausbildungsjahr ansteigen und dir monatlich, spätestens an deinem letzten Arbeitstag eines Monats ausgehändigt werden. Da lohnt sich für dich ein Girokonto – dann hast du einen Nachweis, welches Geld du wann erhalten hast. Und du behältst den Überblick über deine Finanzen.

Auch wenn für dich kein Tarifvertrag gilt: Dein Betrieb darf den branchenüblichen Tariflohn nicht um mehr als 20 Prozent unterschreiten. Ansonsten ist die Vergütung sittenwidrig und muss angepasst werden.

"Dr. Azubi"-Tipp: Wenn die Ausbildung aus Gründen ausfällt, die du nicht zu vertreten hast – zum Beispiel wenn die Betriebsferien länger als dein jährlicher Urlaubsanspruch sind oder dein Ausbilder dich heimschickt, weil nichts zu tun ist –, muss dir dein Gehalt sechs Wochen lang weitergezahlt werden.

Bleibt das Geld aus, kannst du es schriftlich einfordern. Kosten, die dir durch den Ausfall entstehen, muss der Betrieb zahlen. Hol dir am besten Unterstützung bei deiner Gewerkschaft.

Und wenn mein Gehalt nicht ausreicht?
Während deiner Ausbildung erhalten deine Eltern weiterhin Kindergeld. Wenn du ausziehst, dann steht dir das Kindergeld zu. Wohnst du nicht mehr bei deinen Eltern, kannst du Berufsausbildungsbeihilfe bei der Bundesagentur für Arbeit beantragen. Laut Gesetz müssen deine Eltern dir unter Umständen Unterhalt leisten. Wenn das nicht reicht, dann hilft nur noch ein Nebenjob.

"Dr. Azubi"-Tipp: Stelle den Antrag auf Berufsausbildungsbeihilfe frühzeitig, am besten vor Ausbildungsbeginn. Achtung: Die Leistungen werden nicht rückwirkend gezahlt und die Bearbeitung kann gerade zu Ausbildungsbeginn länger dauern.

Wie läuft das mit der Berufsschule ab?
Die Ausbildung findet im Betrieb und in der Berufsschule statt. Der Betrieb muss dich daher bezahlt für die Berufsschule freistellen. Die Anrechnung der Arbeitszeit unterscheidet sich bei Minder- und Volljährigen. Auch für andere Kurse, zum Beispiel Lehrgänge bei der Innung oder einer anderen zuständigen Stelle, muss der Betrieb dich freistellen.

"Dr. Azubi"-Tipp: Die Schule geht der betrieblichen Ausbildung vor. Dein Betrieb darf dich also nicht einfach aus der Berufsschule holen, damit du im Betrieb arbeitest. Und du hast in der Berufsschule genau die gleichen Pflichten wie im Betrieb. Bist du während der Schule krank, musst du dich auch im Betrieb melden. Unentschuldigtes Fehlen kann zu einer Abmahnung führen.

Muss ich Überstunden machen?
Eine gute Ausbildung braucht keine Überstunden, sie sind in der Ausbildung nicht vorgesehen. Die vertraglich festgelegte Arbeitszeit ist ausreichend, dir alle Ausbildungsinhalte beizubringen. Fallen dennoch Überstunden an, müssen die Grenzen nach dem Jugendarbeitsschutz- sowie dem Arbeitszeitgesetz eingehalten werden.

"Dr. Azubi"-Tipp: Überstunden sind freiwillig und sollten die Ausnahme bleiben. Machst du Überstunden, müssen sie in Form von Freizeit oder zusätzlicher Vergütung ausgeglichen werden. Frag bei deiner Gewerkschaft nach, ob für dich ein Tarifvertrag gilt, in dem ein Zuschlag vereinbart wurde.

Wer hilft, wenn ich Unterstützung brauche?
Schnelle Auskünfte gibt es unkompliziert und kostenlos im "Dr. Azubi"-Forum der DGB-Jugend. Auszubildende können anonym Fragen stellen, die in kurzer Zeit beantwortet werden.

"Dr. Azubi"-Tipp: Als erste Anlaufstelle im Betrieb hilft dir die Jugend- und Auszubildendenvertretung, die JAV. Sie ist die betriebliche Interessenvertretung der Azubis und jungen Beschäftigten. Sie achtet darauf, dass Gesetze, Tarifverträge sowie Betriebs- und Dienstvereinbarungen, die sie betreffen, eingehalten werden.

Und wenn es einfach nicht passt?
Wenn du gute Gründe hast, ist ein Ausbildungsplatzwechsel möglich. Deine bisherige Ausbildungszeit kann angerechnet werden. Während der Probezeit kannst du ohne Angabe von Gründen kündigen. Nach der Probezeit ist ein Wechsel nur möglich, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist oder wenn er gegen seine Pflichten als Ausbildungsbetrieb verstößt.

"Dr. Azubi"-Tipp: Für einen reibungslosen Übergang solltest du erst kündigen, wenn du eine neue Ausbildungsstelle gefunden hast. Deine Verhandlungsposition bei der Bewerbung ist viel besser, wenn du noch in einem bestehenden Ausbildungsverhältnis bist. Da eine Kündigung eine Wissenschaft für sich ist, solltest du sie nie alleine schreiben und dir Unterstützung bei deiner Gewerkschaft holen.


(aus der Soli aktuell 8-9/2017, Autorin: Julia Kanzog)

 

Hier geht's zum Soli-Archiv

WIR IM SOCIAL WEB