Deutscher Gewerkschaftsbund

PlanB ist mein ständiger Begleiter, sagt Ronny

PlanB: Tarife, Sozialstandards und Digitalisierung – wofür sich junge Bahn-Gewerkschafter_innen einsetzen, sagt Ronny Nguyen.

Ronny Nguyen

"Die Jugend sollte niemals alleine dastehen": Ronny Nguyen von der EVG-Jugend © Privat

Ronny, welches Problem in eurem Betrieb könnte auch im Bundestagswahlkampf eine Rolle spielen?
Für mich als JAV-Vorsitzenden und Gewerkschafter bei der Bahn sind zwei Themen zentral: Das erste sind die Ausschreibung und der Wettbewerb, der durch verschiedene Rahmenbedingungen eine große Herausforderung für die DB Vertrieb GmbH stellt. Dabei zählen Tarif- und Sozialstandards, die noch sehr unterschiedlich geregelt sind. Die zweite große Sache ist die Digitalisierung. Sie wird sowohl in meinem Geschäftsfeld als auch im gesamten DB-Konzern große Auswirkungen auf die Tätigkeitsfelder der Kolleg_innen haben. Hier geht es um Weiterqualifizierung und Beschäftigungssicherung im ganz umfassenden Sinne. Da braucht es gesamtgesellschaftliche Lösungen, die Politik ist gefragt.

Im DB-Konzern wurden in der Vergangenheit viele Errungenschaften in Betriebsvereinbarungen und Tarifverträgen festgeschrieben, das vermittelt schon ein Gefühl der Sicherheit. Gerade bei jungen Kolleg_innen geht es aber um sehr konkrete Fragen: Wie kann ich mich weiterentwickeln und welche Perspektive habe ich beim DB-Konzern?

Also diskutiert ihr ganz konkret über Ausbildung, Bildung, Flexibilität und Umverteilung – die PlanB-Themen der Gewerkschaftsjugend?
Ja, die sind sozusagen meine ständigen Begleiter. In vielen Bereichen wurde die Zahl der Ausbildungsplätze reduziert, vor allem in dem Beruf, den ich selbst gelernt habe: Kauffrau/-mann für Verkehrsservice. Da ist viel Diskussionsstoff drin: Lässt sich die Ausbildung für diese Bereiche wieder nach vorne bringen bzw. ist der ganze Beruf überhaupt noch zeitgemäß? Die Debatten um die Funktionsausbildung werden deutlich lauter, sie scheint die klassische Ausbildung zu verdrängen. Wir sagen natürlich: Die berufliche Erstausbildung kommt immer zuerst.

Dann die Flexibilisierung: Kolleg_innen sollen möglichst 24 Stunden auf Abruf stehen, möglichst viele Standorte abdecken. Und am Ende soll es den Arbeitgeber bitte schön nichts kosten. Ausschreibungen fordern solche Flexibilisierungen immer öfter, der Preisdruck ist groß. Du hast kaum eine Wahl, wenn du einen sicheren Arbeitsplatz willst. Umverteilung hingegen wird fast ausschließlich in gewerkschaftlichen Kreisen thematisiert. Warum spielt das eine Rolle? Weil von den Gewinnen, die die Unternehmen zusätzlich durch die Digitalisierung machen, auch die Gesellschaft was haben soll.

Was ist euch am wichtigsten?
Ganz klar: Die Qualität der Ausbildung ist der Dauerbrenner, auch wenn manche der Positionen teilweise bereits bei der Bahn umgesetzt oder gelebt werden. Und die Forderungen nach der Aufnahme aller Praxisphasen ins Berufsbildungsgesetz und die Ausbildungsgarantie sind wichtige Themen, an denen sich die DB AG besonders messen lassen muss, will sie ihrer Verantwortung gegenüber jungen Menschen gerecht werden. Sollte so etwas kommen, werden die Gewerkschaften besonders gefragt sein: in den Berufsausbildungsausschüssen, in denen Qualität zu definieren sein wird und Standards zu vereinbaren.

Wie werdet ihr aktiv?
Wir arbeiten weiter an Verbesserungen, das ist das Ziel der EVG und ihrer Jugendvertre-ter_innen. Es geht ja auch darum, unsere Forderungen nachhaltig in der Politik zu positionieren. Dazu benötigt man viele Aktive und eine gute Organisation. Ganz wichtig: Die Jugend sollte niemals alleine dastehen. Sie sollte immer von den älteren Gewerkschafter_innen unterstützt werden!


Ronny Nguyen, EVG-Mitglied, ist JAV- und GJAV-Vorsitzender der DB Vertrieb GmbH sowie erster stellvertretender KJAV-Vorsitzender der DB AG.

(aus der Soli aktuell 8-9/2017, Autorin: Soli aktuell)

Hier geht's zum Soli-Archiv

WIR IM SOCIAL WEB