Deutscher Gewerkschaftsbund

Bildung für alle und gute Politik! Interview mit Niko Weicht

PlanB: Wir müssen dafür sorgen, dass die Politik wieder ehrlicher wird, sagt Nico Weicht.

Niko Weicht

© Privat

Nico, wie nehmen Azubis und junge Beschäftigte Politik wahr?
Mir kommt es so vor, als würden junge Menschen wenig Mitbestimmungsmöglichkeiten und Ehrlichkeit in der Politik sehen – wenn die Parteien im Wahlkampf Äpfel versprechen und hinterher im Koalitionsvertrag oder der Tagespolitik faule Birnen einbringen. Wie zum Beispiel bei der PKW-Maut: Die SPD blieb im Wahlkampf bei ihrem klaren "Nein", ebenso die CDU – nun kommt sie trotzdem. Das ist nicht gerade vertrauenerweckend und fördert Politikverdrossenheit.

Du kennst die PlanB-Forderungen der Gewerkschaftsjugend: Welche Veränderung ist für euch am wichtigsten?
Der Punkt "Wir wollen Bildung für alle". Dazu gehören für mich Aus-, Fort- und Weiterbildung. Viele Auszubildende sehen heute im Studium die einzige Aufstiegsmöglichkeit – ein großer Verlust für das Handwerk. Deshalb sollten auch abseits vom Studium Weiterbildungsmaßnahmen besser gefördert werden, zumal man mit guten Aufstiegschancen im Beruf auch Auszubildende besser in der Branche halten kann.

Und dann: Das BAföG sowie die Wohnungsmarktpolitik müssen angepasst werden. Es ist nicht richtig, dass Studierende und Auszubildende auf zusätzliche Jobs angewiesen sind. Auch junge Arbeitnehmer_innen, junge Familien, Geringverdiener_innen und Rentner_innen fallen aus dem aktuellen Wohnungsmarkt einfach raus. Es ist nicht hinnehmbar, dass teilweise 60 bis 70 Prozent des Einkommens für die Miete aufgebracht werden müssen.

Welches Problem in eurem Betrieb könnte auch im Wahlkampf eine Rolle spielen?
Die Rente! In unserem Betrieb gibt es zwei "ältere" Arbeitnehmer, die aufgrund von saisonaler Arbeitslosigkeit nicht in den Genuss der Rente mit 63 kommen können. Aber auch für uns junge Arbeitnehmer ist Alterssicherung ein Thema: Auf dem Bau ist es de facto kaum möglich, bis 67 zu arbeiten. Viele Kolleg_innen leiden unter körperlichen Beschwerden oder müssen sich gar einen anderen Beruf suchen. Parallel sinkt das Rentenniveau stetig, mit Abschlägen durch eine frühere Verrentung droht Altersarmut. Niemand, der sein Leben lang geackert hat, sollte im Alter um seine finanzielle Grundversorgung bangen.

Wie werdet ihr aktiv?
Viele Ziele müssen in einem breiten Bündnis vorgetragen werden, da es Geringverdiener_innen wesentlich schlechter gelingt, Einfluss auf die Politik zu nehmen als finanziell Bessergestellten. Breit aufgestellt kriegen unsere Forderungen auch wieder Gehör, sodass sich die Politik und die oberen zehn Prozent nicht einfach wegducken können. Auch müssten Menschen in unseren Berufen endlich wieder Respekt erfahren. Sei es der Bandarbeiter im Werk, der dein Auto baut, oder die Putzfrau, die täglich unsere Büros saubermacht, oder der einfache Bauarbeiter, der dafür Sorge trägt, dass alle Menschen ein Dach über dem Kopf haben.

Welche Rolle spielt da die Gewerkschaft?
Die Gewerkschaftsbewegung muss Druck auf die Länder machen, damit das Thema "Gewerkschaften" mehr in den allgemeinen Schulen unterrichtet wird. Auch medial muss viel mehr passieren, damit es nicht mehr nur heißt: "ver.di legt den deutschen Flugverkehr lahm." Wir müssen rausgehen und der Gesellschaft erklären, warum wir was machen. Wir dürfen uns nicht hinter unserer Arbeit verstecken, wir müssen unsere Forderungen auf die Straße bringen.


Nico Weicht ist Maurer und engagiert sich in der jungen IG BAU.

(aus der Soli aktuell 7/2017, Autorin: Soli aktuell)

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Wir haben den PlanB

In Zeiten zunehmender Polarisierung in der Gesellschaft kündigt sich ein spannender Bundestagswahlkampf an. Die Gewerkschaftsjugend will dafür sorgen, dass die Interessen junger Menschen in den Fokus der Politik geraten. Denn (Aus-)Bildung und Arbeit haben eine große Bedeutung im Leben der jungen Generation – die Politik muss dafür die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Die DGB-Jugend- Forderungen findet ihr auf:


http://jugend.dgb.de/planb

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