Deutscher Gewerkschaftsbund

Mut zur Solidarität - der Fall des Alef N.

Der angehende Fliesenleger Asef N. sollte nach Afghanistan abgeschoben werden. Seine Mitschüler_innen verhinderten das. Ein Fall, der für Diskussionen sorgt. Von Carlo Kroiß und Cornelia Stenzel

Carlo und Cornelia

Am 31. Mai dieses Jahres konnten wir etwas erleben, dass sich in Bayern leider nicht so häufig zeigt: zivilen Ungehorsam. Am frühen Morgen sollte der Nürnberger Berufsschüler Asef N. direkt aus seiner Klasse abtransportiert und am Abend per Flugzeug nach Afghanistan abgeschoben werden.

Allerdings machten seine Mitschüler_innen den Verantwortlichen einen gehörigen Strich durch die Rechnung: Mehrere hundert Menschen verließen spontan die Unterrichtsräume, blockierten die Abfahrt der Polizeifahrzeuge und demonstrierten so ihren spontanen Unmut über eine in ihren Augen sinnlose Abschiebung eines bestens integrierten Mitschülers und Freundes in ein Kriegsgebiet.

Die Blockaden wurden durch die Polizei gewaltsam geräumt, wobei im anschließenden Tumult sowohl auf Seiten der Polizei als auch der Schüler_innen Verletzte zu beklagen waren.

Die Bilder der protestierenden jungen Menschen verbreiteten sich unterdessen bundesweit über Nachrichten und soziale Medien und lösten einen Sturm der Entrüstung aus. Da es kurz zuvor einen Bombenanschlag mit vielen Toten in der Nähe der deutschen Botschaft in Kabul gegeben hatte, entschloss sich die Bundesregierung, den Abschiebeflug abzusagen.

Die Debatte und auch die Proteste in vielen Orten sind aber nicht verebbt. Organisationen, Gruppen und Einzelpersonen positionieren sich aus unterschiedlichen Perspektiven zu diesem Ereignis. Bundesweit werden insbesondere Abschiebungen in das Kriegsgebiet Afghanistan problematisiert.

In Bayern gerät vor allem das Verhalten der dortigen Staatsregierung in den Fokus: Diese unterläuft gezielt die sogenannte 3+2-Regelung, die den Abschiebeschutz für Menschen in Ausbildung und weitere zwei Jahre vorsieht. Im Fall von Asef N. argumentiert die bayerische Staatsregierung gar, dieser falle überhaupt nicht unter die 3+2-Regelung, da seine Ausbildung zum Schreiner im ersten Jahr "nur" schulisch sei und damit gar keine "richtige", geschützte Ausbildung.

Es gibt inzwischen unzählige Fälle in Bayern, in denen junge Menschen aus Schulen, Ausbildungen oder Arbeit abgeschoben wurden, häufig gegen den Protest lokaler Unterstützer_innen und Freund_innen. Als Gewerkschaftsjugend sind wir in diesen Protesten natürlich präsent und versuchen einerseits unsere Positionen – Zugang zu Bildung und Arbeitsmarkt für Geflüchtete – in die Öffentlichkeit zu tragen.

Andererseits wäre es in Bayern bereits ein gewisser Erfolg, wenn sich die Staatsregierung zumindest an die Bundesgesetze halten würde, anstatt zum Zwecke des Wahlkampfes am ganz rechten Rand mit martialischer Härte Abschiebungen zu erzwingen. Hier gilt es jetzt, Druck aufzubauen und zumindest Teilziele wie einen Abschiebeschutz für Menschen in Schule, Ausbildung oder Beruf durchzusetzen.

Vor lauter Ärger über CSU und Wahlkampf darf nicht in Vergessenheit geraten, was wir eigentlich aus dem Fall in Nürnberg lernen sollten: Es braucht mehr mutige Menschen, die solidarisch zusammenhalten.

Und es braucht uns als Gewerkschaftsjugend, um diesen Mut zu unterstützen und zu verbreiten.


Cornelia Frenzel ist Jugendbildungsreferentin beim Verein zur Förderung der Berufe des Bauhauptgewerbes, Region Franken.

Carlo Kroiß ist DGB-Bezirksjugendsekretär in Bayern.

(aus der Soli aktuell 7/2017, Autor_innen: Cornelia Frenzel, Carlo Kroiß)

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Welcome Solidarity
Informationen für junge Geflüchtete zu Schulabschlüssen und zur Ausbildung in verschiedenen Sprachen bietet die Online-Plattform "Welcome Solidarity" der DGB-Jugend. Siehe auch unsere Resolution "#Refugeeswelcome".


http://jugend.dgb.de/refugees, http://jugend.dgb.de/-/pkm

 

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