Deutscher Gewerkschaftsbund

Wir brauchen Wohnraum! Plan B und Bundestagswahl. Interview mit Sebastian Cramer in der Soli aktuell

Plan B: Infrastruktur, Arbeitszeitmodelle, Digitalisierung – Sebastian Cramer sagt, was vor der Bundestagswahl im Betrieb diskutiert wird.

Sebastian Cramer

© Privat

"Diskussionen zur politischen Lage auf hohem Niveau": Sebastian Cramer

Sebastian, welches Problem in eurem Betrieb könnte auch im Bundestagswahlkampf eine Rolle spielen?
Wir haben bei Merck viele Azubis, die für die Ausbildung nach Darmstadt ziehen müssen. Der Wohnungsmarkt ist jedoch leer. Wir haben bereits einige Werkswohnungen zu Azubi-WGs umfunktionieren können, das reicht jedoch bei weitem nicht aus. Ein weiteres Problem ist die Qualität der Berufsschulen. Wir haben hier zwar zum Großteil qualifiziertes Personal, jedoch zu wenig Kapazitäten. Alles redet von "Industrie 4.0" und "Ausbildung 4.0" – bei den Berufsschulen sind wir meilenweit davon entfernt.

Eure Azubis und jungen Beschäftigten nehmen Politik ganz konkret wahr…
Viele Azubis fühlen sich von der Politik nicht gehört bzw. nicht gut vertreten. Das Problem liegt oft schon bei den Jugendstrukturen der Parteien, die meist von Vollzeitstudenten dominiert werden und somit keine Affinität zum dualen Ausbildungssystem haben. Dennoch haben wir einige Aktive. Diese finden zum Teil in der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV), aber auch bei unseren Jugendvertrauensleuten zusammen – und diskutieren zum Teil die politische Lage auf hohem Niveau.

Du kennst die Plan-B-Forderungen der Gewerkschaftsjugend: Welche der geforderten -Veränderungen rund um Ausbildung, Bildung, Flexibilität und Umverteilung sind am wichtigsten?
Merck selbst hat keine großartigen Defizite bei der Ausbildung zu verzeichnen und kompensiert mit dem Werkunterricht auch die bereits genannte zum Teil sehr schlechte Qualität der Berufsschulen. Dennoch ist die Berufsschule ein heißdiskutiertes Thema. Gerade haben unsere Jugendvertrauensleute ein Projekt ins Leben gerufen, das auf die katastrophalen Zustände der Berufsschulen aufmerksam machen soll.

Flexibilität ist ebenfalls ein wichtiges Thema für die Jugendlichen: Sie haben bereits vor einem Jahr gefordert, mit dem Unternehmen Verhandlungen dazu aufzunehmen. Hier soll demnächst ein Pilotprojekt starten, in welchem die Azubis verschiedene Arbeitszeitmodelle ausprobieren können. Als zusätzlichen Ausbildungsinhalt finde ich das eine klasse Idee.

Wie werdet ihr in eurem Betrieb oder auch darüber hinaus aktiv?
Viele von unseren JAVis und Jugendvertrauensleuten sind in der Gewerkschaft und im Bezirksjugendausschuss aktiv. Dieser stellt in Darmstadt ein perfektes, branchenübergreifendes Netzwerk dar. Hier versuchen wir, die Thematik über die verschiedensten Kanäle immer wieder auf die Agenda der Stadt zu bringen.


Sebastian Cramer, IG BCE-Mitglied, ist JAV-Vorsitzender bei der Firma Merck in Darmstadt.

(aus der Soli aktuell 6/2017, Autorin: Soli aktuell)

Die Langfassung des Interviews findet ihr auf http://jugend.dgb.de/-/aH1

***

Wir haben den Plan B
In Zeiten zunehmender Polarisierung in der Gesellschaft kündigt sich ein spannender Bundestagswahlkampf an. Die Gewerkschaftsjugend will dafür sorgen, dass die Interessen junger Menschen in den Fokus der Politik geraten. Denn (Aus-)Bildung und Arbeit haben eine große Bedeutung im Leben der jungen Generation – die Politik muss dafür die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Ihre Forderungen findet ihr auf:

http://jugend.dgb.de/planb

 

Hier geht's zum Soli-Archiv

WIR IM SOCIAL WEB