Deutscher Gewerkschaftsbund

Azubi-Ticket in NRW: Kostenlos wäre traumhaft, sagt Manuel Bunge

Einsatz für den Nahverkehr: Die DGB-Jugend Nordrhein-Westfalen fordert seit langem ein Azubi-Ticket. Dieses Jahr könnte es kommen, glaubt Manuel Bunge.

Manuel Bunge

© Privat

Manuel Bunge ist Vorsitzender der JAV bei der Leopold Kostal GmbH & Co. KG in Lüdenscheid

Manuel, brauchen Azubis ein extra Ticket?
Einerseits geht es um Fairness zwischen Azubis und Studis – die sind mit ihrem Semesterticket eindeutig im Vorteil! Andererseits aber auch ganz klar darum, den ÖPNV zu stärken und Leute in die Busse und Bahnen zu bekommen. Azubis wird teilweise auch vorgeworfen, sie wären nicht so politisch wie die Studis und wären nicht so sehr auf Demos vertreten. Kein Wunder, wenn ich die Anreise jedes Mal komplett aus eigener Tasche zahlen darf!

In Vorstellungsgesprächen wird ganz offen gefragt, wie die künftigen Azubis zur Arbeit und zur Berufsschule kommen wollen. Gerade für die unter 18-Jährigen wird das schnell zum Problem – und kann ein Argument dafür sein, diesem Azubi keine Stelle anzubieten. Wäre der ÖPNV für Azubis günstiger und auch besser ausgebaut, dann würden viele umsteigen.

Was nervt dich und deine Kollegen am meisten beim Hin- und Herfahren?
Schon mal die Kosten. Laut Ausbildungsreport der DGB-Jugend müssen Azubis im Durchschnitt 669 Euro im Jahr für Fahrtkosten im Rahmen ihrer Ausbildung aufbringen. Und dann: Wir haben einen echt guten Autobahnanschluss – aber die Abfahrt ist morgens von 7 bis 9 Uhr komplett verstopft. Die Zeit, die man auf der Autobahn rausholt, wartet man dann am Ende. Bei uns gibt's das SchülerZeitTicket der Märkischen Verkehrs-Betriebe für den Verkehrsverbund Ruhr-Lippe für 186 Euro im Monat – also deutlich teurer als Studi-Tickets, bei einer gleichzeitig viel geringeren Reichweite. Deshalb steigen viele aufs Auto um. Aber ein Unfall oder eine schlechtgelaufene TÜV-Prüfung bringt dann natürlich den ein oder anderen finanziell sehr schnell an die Grenzen.

Wenn es so offensichtlich ist: Warum gibt es die Fahrkarte für Auszubildende nicht schon längst?
Man muss so viele unterschiedliche Interessengruppen an einen Tisch bekommen, das ist gar nicht so einfach – Gewerkschaften, Verkehrsverbünde, Arbeitnehmerverbände, Politik und so weiter. Ein gemeinsames Ziel zu erreichen, bei dem jeder mit dem Kompromiss zufrieden ist, dauert seine Zeit. Aber: Man sieht ja ganz eindeutig, dass es geht, wenn man als aktiver Jugendverband nur beharrlich dabei bleibt und sinnvolle Konzepte aufzeigt! Ein politischer Wille der Landesregierung muss natürlich auch da sein – und da sieht es für uns sehr gut aus.

Was meinst du, sollte das Ticket überhaupt etwas kosten?
Umsonst wäre traumhaft – genau wie ein Studi-Ticket für lau. Aber es wird auch eine gute Infrastruktur und moderne Technik benötigt. Genauso wie gute Löhne für die Beschäftigten – die leben ja nicht nur von Luft und Liebe. Nahverkehr kostet Geld. Unser Ziel ist die Finanzierung der Tickets über die Arbeit als solche. Wenn dann mittelfristig auch eine Kostenübernahme über Tarifverhandlungen und Betriebsvereinbarungen verankert wird – noch besser!

Dieses Jahr ist Bundestagswahl. Geht da was fürs ganze Land?
Ja, ich denke schon. Die NRW SPD wirbt mit dem Azubi-Ticket und hat es als Forderung der NRW- Jusos ins Parteiprogramm übernommen. Auch bei den Grünen ist das eine Forderung. Ein bundesweites Ticket stelle ich mir zwar schwierig vor, da es ja in den Bereich der jeweiligen Landesvertretungen fällt. Aber es wäre natürlich ein sehr gutes Signal, wenn NRW als bevölkerungsreichstes Bundesland einer solchen Regelung zustimmen würde.


Manuel Bunge ist Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung bei der Leopold Kostal GmbH & Co. KG in Lüdenscheid.

(aus der Soli aktuell 5/2017, Autorin: Soli aktuell)

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