Deutscher Gewerkschaftsbund

Nachhilfe: Das Lernen wird privatisiert

Statt im Bildungssystem verursachte soziale Ungleichheiten zu verringern, verstärken außerschulische Förderstunden sie eher, wie die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung (HBS) herausgefunden hat.

Ihre Schulexpert_innen müssen es wissen: "Außerschulische Nachhilfe. Ein prosperierender Bildungsmarkt im Spannungsfeld zwischen kommerziellen und öffentlichen Interessen" heißt die neueste HBS-Studie, die den Markt des privaten Unterrichts unter die Lupe nimmt. Die HBS-Wissen schaft ler_innen haben eine Vielzahl von Forschungsstudien ausgewertet und zudem Nachhilfe-Institute befragt. Zentrales Ergebnis: Kinder höherer Schichten bekommen die meiste Nachhilfe – weil deren Angehörige häufig von Abstiegsängsten geplagt seien, die sie auf ihren Nachwuchs projizierten.

Nachhilfe

© HBS

Nach Schätzungen wird jedes Jahr mehr als eine Milliarde Euro für Nachhilfestunden ausgegeben. Die Gründe für das Wachstum des Nachhilfemarktes sehen die Bildungsforscher_in nen in zunehmender Unzufriedenheit der Eltern mit dem öffentlichen Schulsystem, gestiegenem Leistungsdruck und einem verschärften Wettbewerb um aussichtsreiche Bildungswege. Eingebettet sei diese Entwicklung in einen allgemeinen Trend zu Kommerzialisierung und Privatisierung an den Rändern der Bildungslandschaft. "Das verschärft die soziale Kluft an unseren Schulen", warnt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack.


(aus der Soli aktuell 4/2017, Autorin: Soli aktuell)

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