Deutscher Gewerkschaftsbund

Die neue JAV ist im Amt

Bisher alles richtig gemacht und nichts vergessen? Die JAV-Checkliste für den laufenden Betrieb.

Im Herbst letzten Jahres wurden die Jugend- und Auszubildendenvertretungen (JAV) neu gewählt. Zeit für eine erste Bilanz: Habt ihr bisher auch alles Notwendige für die Interessenvertretung eurer Azubis getan? Und was steht als Nächstes an?

Der Betriebsrat
Grundlage der Tätigkeit einer jeden JAV ist die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat. Ohne seine Unterstützung könnt ihr keine Interessen vertreten. Denn als Hilfsorgan des Betriebsrats kann die JAV beim Arbeitgeber direkt nichts durchsetzen. Von daher ist ein gutes Zusammenwirken das A und O.

Mittlerweile sollte es nicht nur zum Austausch sämtlicher Kommunikationsdaten zwischen JAV und Betriebsrat gekommen, sondern auch klar sein, wer als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Denn als Mitglieder einer mehrköpfigen JAV müsst ihr wissen, wer zu den JAV-Sitzungen eingeladen werden kann.

Merke: Laut Gesetzgeber hat der Betriebsratsvorsitzende bzw. ein beauftragtes Betriebsratsmitglied ein Teilnahmerecht an den JAV-Sitzungen, an ihren Sprechstunden und der Jugend- und Auszubildendenversammlung.

Wichtig: Umgekehrt dürft ihr an den Betriebsratssitzungen teilnehmen. Ein Teilnahmerecht gilt auch für die Sitzungen der Ausschüsse. Deshalb sollte die JAV eine Liste der Ausschussvorsitzenden haben.

Kontakt mit der Gewerkschaft
Die Jugendsekretär_innen haben die Aufgabe, die JAVen in ihrer Arbeit zu unterstützen und zu beraten. Ladet die Gewerkschafter_innen zu euren Sitzungen ein! Außerdem können sie euch bei der Einladung zur Jugend- und Auszubildendenversammlung behilflich sein.

Erforderliche Unterlagen
Mittlerweile sollte die neue JAV zumindest das von dem Vorgängergremium überlassene Material gesichtet haben. Dabei erfahrt ihr, was eure Vorgänger_innen auf Anregung der jungen Beschäftigten an Änderungen oder Maßnahmen eingefordert haben und wie der Stand etwaiger Verhandlungen mit dem Betriebsrat bzw. zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber ist. Ihr braucht also in vielen Fällen nicht bei Null anfangen.

Nach dem Gesetz hat die JAV die Aufgabe, darauf zu achten, ob die im Betrieb geltenden Gesetze, Verordnungen, Unfallverhütungsvorschriften, Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen von der Arbeitgeberseite eingehalten werden. Sofern diese nicht speziell für die Auszubildenden vereinbart wurden, solltet ihr euch mit Unterstützung des Betriebsrats ein Bild machen, ob sie etwaige Sonderregelungen für eure Wähler_innen enthalten.

Wichtig: Die JAV sollte die für den Betrieb in Frage kommenden Ausbildungs- und Prüfungsordnungen, Ausbildungsrahmenpläne und die Ausbildungspläne des Betriebs erhalten haben. Der Betriebsrat stellt sie zur Verfügung.

Nicht vergessen: Sofern der Betrieb einem Unternehmen/Konzern angehört, sollten auch auf Unternehmens- bzw. Konzernebene abgeschlossene Betriebsvereinbarungen daraufhin geprüft werden, ob diese speziell für Auszubildende abgeschlossen wurden oder ob sie etwaige Sonderregelungen für Auszubildende enthalten, von denen dann natürlich auch die Auszubildenden des Betriebs profitieren können.

GJAV/KJAV
Inzwischen sollte geklärt sein, ob es auf Unternehmensebene eine Gesamtjugend- und Auszubildendenvertretung (GJAV) gibt. Die hat man immer dann, wenn es im Unternehmen einen Gesamtbetriebsrat gibt und mindestens zwei örtliche JAVen im Unternehmen vorhanden sind. Besorgt euch beim Betriebsrat die Kontaktdaten der Mitglieder!

Sollten diese Voraussetzungen vorliegen, ist eine GJAV zwingend einzurichten. Und jede örtliche JAV ist verpflichtet, eines ihrer Mitglieder dorthin zu entsenden. Zu klären wäre auch, ob eine KJAV existiert.

Hinweis: Im Normalfall werden die örtlichen JAVen vom Betriebsrat auf diese Gremien hingewiesen und bekommen von ihm auch die entsprechenden Kontakte.

Literatur
Ihr braucht für eure Arbeit eine Menge Literatur, z. B. die Erläuterungen des Berufsbildungs- und des Jugendarbeitsschutzgesetzes. Entweder hat eure Vorgänger-JAV sie hinterlassen oder der Betriebsrat hat sie. Schaut, dass die Bücher auf dem neuesten Stand sind!

Schulungen
JAV-Mitglieder sollten vom gesetzlichen Schulungsanspruch Gebrauch machen. Sofern euch der Betriebsrat nicht schon darauf aufmerksam gemacht hat: Informiert euch über Schulungen und teilt dem Betriebsrat eure Entscheidungen mit. Der ist dann in der Pflicht, einen Entsendungsbeschluss über die Teilnahme eines bzw. mehrerer JAV-Mitglieder zu fassen und dies auch dem Arbeitgeber mitzuteilen. Der muss euch dann freistellen und auch die Kosten komplett tragen.

Plant gemeinsam mit dem Betriebsrat die (weiteren) Schulungen: Je eher, umso besser für die effektive Interessenvertretung eurer Wähler_innen.

Kontakt zu den Wähler_innen
In unserer Mediendemokratie ist es wichtig, das Ohr an der Basis zu haben. Inzwischen solltet ihr mindestens die Kontaktdaten am Schwarzen Brett und, falls vorhanden, im Intranet veröffentlicht haben. Dabei solltet ihr als JAV auch Angebote zur Kontaktaufnahme machen. Wer dies bisher noch nicht gemacht hat, prüft am besten, ob die Durchführung einer eigenen Sprechstunde sinnvoller ist oder die Teilnahme an Sprechstunden des Betriebsrats. Genauso ist zu überlegen, ob sich in der Vergangenheit die Durchführung einer eigenständigen Jugend- und Auszubildendenversammlung bewährt hat oder ob diese ausprobiert werden soll.

Wichtig: Um alle Wähler_innen zu erreichen, solltet ihr eine aktuelle Liste sämtlicher Azubis bzw. Jungarbeiter_innen haben, die auch Daten zu den jeweiligen Einsatzorten in den verschiedenen Ausbildungsabschnitten enthält.

Sehr wichtig: Sorgt dafür, dass eure Post nur an euch geht und an niemand anders!

Weiteres Equipment
Der Zugriff auf Sachmittel wie die Nutzung eines Computers oder Büroräume sollte jetzt mit dem Betriebsrat geklärt sein. Da die JAV, außer in ganz großen Betrieben, kein eigenes Büro hat, müsste inzwischen geklärt sein, ob, wie und wann Räumlichkeiten über den Betriebsrat zur Verfügung stehen.

Nicht vergessen: Auf jeden Fall braucht ihr einen eigenen abschließbaren Schrank, in dem die teilweise sensiblen JAV-Unterlagen gelagert werden können, ohne dass Dritte – auch Betriebsratsmitglieder – Zugriff haben.


(aus der Soli aktuell 3/2017, Autorin: Soli aktuell)

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