Deutscher Gewerkschaftsbund

Wir brauchen Zeit für uns: Serie "Unsere Forderungen zur Bundestagswahl" II

Serie "Unsere Forderungen zur Bundestagswahl" – Teil 2: Flexibilität ist keine Einbahnstraße.

IG Metall Arbeitszeit

© IG Metall

Arbeitszeit - die DGB-Jugend ist für neue Regelungen

In vielen Unternehmen haben Personalabbau und Umstrukturierungen dazu geführt, dass die gleiche Arbeit von immer weniger Menschen in immer kürzer werdender Zeit geschultert werden muss. Der steigende Arbeitsdruck für die verbliebenen Beschäftigten und die entstehende Arbeitsverdichtung führen mittel- und langfristig zu gesundheitlichen Schäden.

Für Auszubildende und junge Beschäftigte sind Arbeitsverdichtung und entgrenzte Arbeitszeiten bereits von Beginn ihrer Ausbildung an Realität, die nicht folgenlos bleibt: Wie der DGB-Jugend-Ausbildungsreport 2016 zeigt, müssen bereits 34,8 Prozent der Auszubildenden regelmäßig Überstunden machen und die Hälfte der Auszubildenden ist von Arbeitsanforderungen und Arbeitsbelastungen "stark" bis "sehr stark" beeinträchtigt.

In Branchen wie dem Hotel- und Gaststättengewerbe, aber auch in Sozial- und Pflegeberufen mit Schichtdienst dient die freie Zeit am Tag häufig ausschließlich der Regeneration. Die hohen Vertragslösungsquoten in den betroffenen Ausbildungsberufen belegen, dass ein solcher Alltag für viele junge Menschen nicht lange durchhaltbar ist.

Viele junge Kolleg_innen wollen nach ihrer Ausbildung neben dem Beruf studieren, andere stehen in der Phase der Familiengründung vor der Herausforderung, zwei Erwerbs- und das Familienleben unter einen Hut zu bekommen. Auszubildende und junge Beschäftigte benötigen selbstbestimmte und frei verfügbare Zeit, z. B. für gesellschaftliches, soziales und politisches Engagement in Vereinen, Verbänden oder Parteien.

Leider wurde die Flexibilisierung der Arbeitszeit bisher vor allem auf dem Rücken der Arbeitnehmer_innen ausgetragen. Denn die Unternehmen wollen die Arbeitszeiten ihrer Beschäftigten möglichst eng an die Schwankungen der Märkte anpassen. So ermöglichen Vertrauensarbeitszeit, Leiharbeit aber auch mobile Arbeit und "Arbeit auf Abruf" den Unternehmen, den Einsatz von Arbeitskraft anzupassen, ohne Überstundenzuschläge zu zahlen. Wir finden hingegen: Flexibilität ist keine Einbahnstraße! Die DGB-Jugend fordert:

  • Die im Arbeitszeitgesetz formulierte Arbeitshöchstzeitgrenze muss von 48 auf 40 Stunden pro Woche gesenkt werden.
  • Flexible, von den Arbeitnehmer_innen bestimmbare Arbeitszeitkonten müssen als wichtiges Element der Arbeitszeitgestaltung stärker zum Tragen kommen.
  • Insbesondere Beschäftigte in Schichtarbeit brauchen – im Zuge des gesetzlichen Anspruchs auf einen Kindertagesstättenplatz – hinreichend Betreuungsmöglichkeiten, um auch einem Beruf im Schichtdienst oder im Rahmen von sogenannten 24-Stunden-Diensten nachgehen zu können.


(aus der Soli aktuell 2/2017, Autorin: Soli aktuell)

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Bundestagswahl 2017
Im Herbst ist Bundestagswahl. Die Gewerkschaftsjugend erwartet, dass sich Politiker_innen der Lebensrealitäten junger Menschen in Ausbildung, Studium und im Berufseinstieg ernsthaft annehmen.

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