Deutscher Gewerkschaftsbund

Wir wollen mehr Geld! Gegen Niedriglohn trotz Ausbildung

Der DGB kritisiert: Qualifikation schützt nicht vor mehr Armut. Fünf Millionen Beschäftigte verdienen nur Niedriglohn – und das, obwohl sie eine Ausbildung haben.

Quality Jobs

© DGB-Jugend

Sie haben eine abgeschlossene Berufsausbildung, können aber von ihrem Lohn kaum leben: Für mehr als fünf Millionen Menschen in Deutschland ist das Realität. Laut Bundesregierung bekommt jeder fünfte Beschäftigte mit Ausbildung weniger als zehn Euro in der Stunde. Besonders hoch ist der Anteil im Osten.

Nach Angaben der Bundesregierung haben 2014 rund 7,65 Millionen Beschäftigte (21,4 Prozent) im Niedriglohnbereich gearbeitet. Laut der Gesellschaft für wirtschaftliche Zusammenarbeit, OECD, gilt ein Lohn dann als Niedriglohn, wenn er weniger als zwei Drittel des mittleren Bruttolohns beträgt.

In Deutschland liegt die Niedriglohngrenze bei zehn Euro brutto in der Stunde bzw. 1.993 brutto im Monat bei Vollzeitbeschäftigung. "Wenn Millionen Menschen trotz abgeschlossener Berufsausbildung nur wenig verdienen, werden Hochglanzkampagnen für die berufliche Bildung weitgehend wirkungslos verpuffen", sagt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. "Das Handwerk und die Bundesregierung können sich die Millionen für solche teuren PR-Aktionen sparen. Wer über einen vermeintlichen Fachkräftemangel klagt, darf keine Armutslöhne bezahlen."

Nur mit einer stärkeren Tarifbindung könne auch die duale Ausbildung wieder attraktiver werden. Letztlich hätten es die Betriebe selbst in der Hand, ob sich junge Menschen für ein Studium oder eine Berufsausbildung entscheiden. Wichtig seien eine gute Ausbildung, ein anständiger Lohn, gute Arbeits- und Ausbildungsbedingungen sowie gute Entwicklungsperspektiven im Beruf.


(aus der Soli aktuell 2/2017, Autorin: Soli aktuell)

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