Deutscher Gewerkschaftsbund

Junge Frauen in die Gewerkschaft! Hanna Wolf zum 8. März

Zum 8. März, dem Frauentag, sagt Hanna Wolf, welche Vorteile junge Arbeitnehmerinnen von einer Gewerkschaftsmitgliedschaft haben.

Hanna Wolf

© DGB

Gewerkschaften? Sind für junge Frauen prima, findet Hanna Wolf

Werde ich nach meiner Ausbildung auch übernommen? Wie bezahle ich die Miete, wenn mein befristeter Vertrag nächsten Monat ausläuft? Wer holt die Kinder von der Kita ab, wenn ich mal wieder Überstunden machen muss? Essenzielle Fragen, die sich viele junge Frauen tagtäglich stellen. Wer hat da noch Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, ob eine Gewerkschaftsmitgliedschaft Sinn macht? Dabei bietet sie vor allem für Frauen viele Vorteile:

Fortbildungen werden immer wichtiger: In Zeiten der Digitalisierung, in der sich die Organisation der Arbeit immer mehr wandelt, aber auch beim Wiedereinstieg in den Beruf z. B. nach einer Elternzeit, entscheiden Weiterbildungen oft über die zukünftigen Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt. Besonders für Frauen sind deshalb qualitative Weiterbildungsangebote essenziell für ihren beruflichen Werdegang.

Die DGB-Gewerkschaften bieten ihren Mitgliedern eine Vielzahl an (Weiter-)Bildungsangeboten. Arbeitnehmer_innen können sich auf ihrem Spezialgebiet fortbilden oder aber politische, allgemeinbildende und kulturelle Seminare besuchen.

Die Diskriminierung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts, z. B. bei einer Beförderung oder Gehaltserhöhung, ist heutzutage leider immer noch Realität in vielen Unternehmen. Wie ihre männlichen Kollegen verdienen auch Frauen einen diskriminierungsfreien Arbeitsplatz. Dafür setzen sich die Gewerkschaften ein. Als Gewerkschaftsmitglied können Arbeitnehmerinnen dank ihres Mitgliedsbeitrags kostenlosen Rechtsschutz in arbeits-, sozialrechtlichen Angelegenheiten in Anspruch nehmen. Nicht nur die juristische Beratung und Unterstützung, sondern auch die Vertretung vor Gericht und die Übernahme der Gerichtskosten sind dabei eingeschlossen.

Mobbing – ein ernstes Thema: Und es ist nur eines von vielen Problemen, die im Laufe des Lebens am Arbeitsplatz oder im Betrieb auftauchen können. Schlechte Arbeitsbedingungen, Überstunden, sexuelle Belästigung und Mobbing müssen nicht ertragen werden.

Betriebs- und Personalrät_innen sowie Jugend- und Auszubildendenvertretungen und Gleichstellungsbeauftragte, die durch DGB-Gewerkschaften unterstützt werden, stehen den Arbeitnehmer_innen mit Rat und Tat bei der Bewältigung dieser Probleme zur Seite, zum Beispiel in einer Vermittlerfunktion bei einem klärenden Gespräch. In einer solidarischen Gewerkschaftsgemeinschaft muss kein Mitglied allein mit solchen Problemen klarkommen.

Altersvorsorge ist für Frauen ein wichtiges Thema. Vor allem da sie in Deutschland nicht mal halb so viel Rente bekommen wie Männer – im Schnitt 57 Prozent weniger. Darum ist es wichtig, sich frühzeitig über Rechte und Möglichkeiten zu informieren: Welche Ansprüche hab ich bei Arbeitslosigkeit? Wie sieht es mit der betrieblichen Altersvorsorge aus? Welche Rechte sichert mir der Tarifvertrag?

In ihren Broschüren und Mitgliedszeitschriften informieren die DGB-Gewerkschaften ihre Mitglieder laufend über aktuelle Sachthemen und bieten praktische Tipps für den Betriebsalltag. Wer konkrete Fragen hat, kann sich von den Kolleg_innen der DGB-Gewerkschaften individuell und kompetent beraten lassen.

Arbeitsplätze werden immer prekärer und unsicherer. Viele Arbeitnehmer_innen sind ständig der Gefahr ausgesetzt, ersetzt oder gekündigt zu werden. Dieses Risiko ist jedoch bei Beschäftigten, die nicht in Gewerkschaften organisiert sind, doppelt so hoch (3,6 Prozent pro Jahr) wie bei Gewerkschaftsmitgliedern.

Eine Gewerkschaftszugehörigkeit lohnt sich also. Besonders Frauen gewinnen mit einer Mitgliedschaft, denn bei ihnen sinkt die Kündigungswahrscheinlichkeit sogar um drei Viertel. Ein entscheidender Faktor ist hierbei der bereits erwähnte kostenlose Rechtsschutz, den Gewerkschaftsmitglieder in solchen Fällen beanspruchen können.

Verhandlungen: Die von den DGB-Gewerkschaften ausgehandelten Tarifverträge bieten viele Vorteile. Besonders Frauen profitieren davon. Sie verdienen im Durchschnitt 13,90 Euro pro Stunde – mit Tarifvertrag kommen sie auf 17,70 Euro. Arbeitnehmerinnen erhalten demnach ein Plus von knapp 30 Prozent, wenn sie in Tarifbindung angestellt sind. Tarifverträge stellen also ein erfolgreiches Mittel auf dem Weg zur Entgeltgleichheit dar.

Als Gewerkschaftsmitglied können sich Frauen vor einem Jobwechsel, Berufseinstieg und schon bei der Wahl der Ausbildungsstätte bei der Gewerkschaft informieren, ob das jeweilige Unternehmen tarifgebunden ist und man eine garantiert angemessene Vergütung erwarten kann – ein wichtiger Schritt zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit!

Interessenvertretung: Bisher sind mehrheitlich Männer in Gewerkschaften organisiert, daher haben sich die Themen und Verhandlungen eher auf ihre Interessen fokussiert. Aber auch Frauen verdienen eine angemessene Interessenvertretung: Kollektiv für die eigenen Rechte und Wünsche einzutreten ist nicht nur effektiver, sondern auch eine Möglichkeit, sich zu vernetzen und auf Belange von Frauen aufmerksam zu machen. Vor allem bekommen frauenpolitische Themen durch die Mitarbeit von Frauen mehr Gewicht. Somit erhält die Gewerkschaftsarbeit an sich ein breiteres Anwendungsfeld – und Frauen mehr Wertschätzung und bessere Arbeitsbedingungen.

Für euch bietet eine Mitgliedschaft in einer DGB-Gewerkschaft demnach viele Vorteile, die auf dem Weg zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit eine entscheidende Stütze sein können.


Hanna Wolf ist Leiterin des DGB-Projekts "Was verdient die Frau? Wirtschaftliche Unabhängigkeit!"

www.was-verdient-die-frau.de


(aus der Soli aktuell 2/2017, Autorin: Hanna Wolf)

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