Deutscher Gewerkschaftsbund

Diese Kooperation macht Sinn: DGB-Jugend und ARBEIT UND LEBEN

Barbara Menke ist Bundesgeschäftsführerin des Bildungsvereins ARBEIT UND LEBEN. In der Soli aktuell spricht sie über die künftige Zusammenarbeit mit der DGB-Jugend.

Barbara Menke

© ARBEIT UND LEBEN

"Viele junge Leute sagen uns, dass sie Interesse daran haben, gemeinsam aktiv zu werden; zu sagen, wie sie
sich unsere Gesellschaft vorstellen": Barbara Menke sieht ein zentrales Weiterbildungsinteresse

Barbara, die Bildungsorganisation ARBEIT UND LEBEN leistet mit politischer Jugendbildung einen Beitrag zur Weiterentwicklung einer Kultur, die auf gesellschaftlichen Werten und Handlungsmaximen wie Solidarität, Gemeinsinn, Emanzipation und Beteiligung beruht. Wo wird die Arbeitsgemeinschaft in dieser Weise aktiv?
Wir bieten politische Bildung für Jugendliche und Erwachsene aus einer Arbeitnehmerperspektive an, das ist der größte Teil unserer Arbeit. Darüber hinaus führen wir mehrtägige Projekte zu aktuellen Themen durch. Die Beratung von Arbeitnehmer_innen zählt zudem zunehmend mehr zu unserem Aufgabenprofil.

Nun soll es verstärkt Kooperationen des Vereins mit der DGB-Jugend geben…
Unsere Bildungsveranstaltungen werden von den Landesorganisationen – den 14 Landesverbänden – und ca. 120 Kreis- und Arbeitsgemeinschaften umgesetzt. Vor Ort kooperieren wir in der Regel mit dem DGB oder seinen Mitgliedsgewerkschaften. In diesem Zusammenhang haben wir eigentlich schon seit vielen Jahrzehnten Kontakte zur DGB-Jugend. Aber das möchten wir intensivieren.

Warum?
Wir müssen mehr in die Ansprache von jungen Menschen investieren. Aktuell haben wir es mit Politikverdrossenheit und Rechtspopulismus zu tun. In beiden Organisationen wird es als zentral angesehen, mit Jugendlichen über unsere Demokratie zu sprechen – und darüber, wie Teilhabe und Engagement aussehen können. Gemeinsam sind wir stärker! Die DGB-Jugend vertritt die Interessen junger Arbeitnehmer_innen, von Auszubildenden und Studierenden. Es ist angebracht, uns intensiver zu vernetzen.

Welche Angebote macht ihr jungen Menschen?
Wir bieten eine Fülle von Veranstaltungen mit aktuellen Themen an: Mindestlohn, Rassismus, Salafismus… Im Zentrum immer die Frage: Wie kann ich mich als junger Mensch mit meinen Interessen einbringen? Da wir aus öffentlichen Geldern gefördert werden, sind die Veranstaltungen grundsätzlich für alle Interessierten offen. Bei uns lernt man, dass es die Gewerkschaften als Interessenvertretungen gibt, wir arbeiten sozusagen im Vorfeld einer Mitgliedschaft.

Wo und wie sprecht ihr junge Menschen an?
Zunehmend mehr im Sinne aufsuchender politischer Bildungsarbeit – wir gehen dahin, wo die Jugendlichen sind: in Berufskollegs, in Betriebe, in Jugendclubs und -zentren. Wie hat man sich das zum Beispiel in Ostdeutschland auf dem Land vorzustellen? Wir haben in den neuen Bundesländern gute und stabile Strukturen von ARBEIT UND LEBEN. Politische Bildung im ländlichen Raum ist eine besondere Herausforderung. Wir versuchen mit dem Ansatz aufsuchender Bildungsarbeit vor Ort in den Dörfern und Kleinstädten präsent zu sein und zunächst wahrzunehmen, was dort "Thema" ist. Auf der Basis entwickeln wir dann ein Programm.

Junge Leute nutzen häufig das Internet. Wie sieht es da mit der Präsenz aus?
Wir haben seit Jahren einen Facebook-Account, dort bewerben wir unsere Veranstaltungen. Darüber hinaus ist Social Media eben selbst ein Thema: Es gibt eine Reihe von Veranstaltungen, die die Digitalisierung in den Mittelpunkt stellen. Was bei uns gut läuft, sind Videobotschaften – z.B. über Youtube einen Spot zu senden, in dem das Seminarergebnis präsentiert wird. Wir haben einen eigenen Kanal. Wir brauchen zeitgemäße Formate, um unsere Ziele und Ergebnisse zu kommunizieren.

Wie werden künftig gemeinsame Projekte mit der DGB-Jugend aussehen?
Zunächst ist vorgesehen, dass wir im Bereich der Teamer-Fortbildung kooperieren, d. h. wir bilden Leute aus, die in der Praxis aktiv werden. Wie man den Zugang zur politischen Bildung findet, ist ja immer sehr vielfältig. Manche kommen aus dem Studium, manche direkt aus der Arbeit. Es gibt bisher nur wenige systematische Fortbildungen für Kolleg_innen, die die Seminare teamen. Wir werden die Veranstaltungen wechselseitig bewerben und gemeinsame Fortbildungen für diese "Nebenamtlichen" anbieten. Einen ersten Aufschlag gibt es im März 2018 in Wuppertal: Wir starten mit einer Konferenz der Jugendbildungsreferent_innen, da ist die DGB-Jugend dann auch mit dabei. Ein ganz konkreter erster Schritt, sich gegenseitig besser kennenzulernen und gemeinsame Interessen auszuloten.

Gewerkschaftliche Werte wie Solidarität oder Emanzipation haben es schwer heute – bei dem, was auf Jugendliche einströmt. Sind sie einfach so noch vermittelbar?
Wir machen die Erfahrung, dass dies ganz zentrale Punkte sind. Das Gefühl, abgehängt zu sein, keine Möglichkeit zu haben, die eigenen Interessen zu artikulieren, prägt. Viele junge Leute sagen uns, dass sie Interesse daran haben, gemeinsam aktiv zu werden; zu sagen, wie sie sich unsere Gesellschaft vorstellen. Wir wollen, dass die Jugend, die wir ansprechen, eine lautere Stimme bekommt.


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Auftrag: Politische Bildung
ARBEIT UND LEBEN ist eine Weiterbildungseinrichtung, die vom DGB und dem Deutschen Volkshochschulverband, DVV, getragen ist. Sie ist eine Fachorganisation der politischen und sozialen Bildungsarbeit. 1948 wurde diese Arbeitsgemeinschaft gegründet. Die Bundesgeschäftsstelle befindet sich in Wuppertal.

Das Ziel: dazu beizutragen, dass sich die Arbeit und das Leben der Menschen nach den Prämissen von sozialer Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Solidarität mit dem Ziel einer demokratischen Kultur der Partizipation entwickeln. Mit Bildungsangeboten sollen Möglichkeiten geschaffen werden, Menschen Wissen zu vermitteln, Urteilsbildung zu fördern und gesellschaftliche Mitwirkung anzuregen.
Mit seinen Angeboten erreicht der Verein jährlich rund 300.000 Menschen aller Altersstufen.


Infos: www.arbeitundleben.de

(aus der Soli aktuell 11-12/2017, Autorin: Soli aktuell)

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