Deutscher Gewerkschaftsbund

Alle Jahre wieder... Das Weihnachtsgeld-Special mit "Dr. Azubi"

Alle Jahre wieder kommt das Christuskind! Und damit die Frage im "Dr. Azubi"-Beratungsforum der DGB-Jugend, ob ich mich als Auszubildender über ein Weihnachtsgeschenk meines Arbeitgebers in Form einer zusätzlichen Finanzspritze – das Weihnachtsgeld – freuen darf.

DGB-Jugend-Logo mit Weihnachtsmütze

© DGB-Jugend/Schrenkwerk

Mehr als die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland erhalten Weihnachtsgeld. Angestellte in tarifgebundenen Unternehmen profitieren deutlich: Von den Beschäftigten, in deren Betrieb ein Tarifvertrag gilt, erhalten 77 Prozent ein Weihnachtsgeld. Ist der Arbeitgeber nicht tarifgebunden, können sich nur 42 Prozent über die Sonderzahlung freuen. Außerdem gilt: Gewerkschaft lohnt sich! 65 Prozent der organisierten Mitglieder erhalten ein Weihnachtsgeld, während Nicht-Mitglieder nur zu 50 Prozent eine Gratifikation bekommen. Zu diesem Ergebnis kommt das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung.

Und jetzt die brisantesten Fragen:

Anfrage: Sabrina, 18, 1. Ausbildungsjahr Elektronikerin für Anwendungstechnik: "Was ist überhaupt das Weihnachtsgeld?"
"Dr. Azubi": Beim Weihnachtsgeld handelt es sich um eine Gratifikation, die als Sonderzahlung neben der regulären Vergütung ausbezahlt wird. Es muss ganz regulär versteuert werden – ist also beitragspflichtiges Arbeitsentgelt. Es kann eine Zahlung darstellen, die als Honorierung für die erbrachte Leistung im laufenden Kalenderjahr steht. In diesem Fall ist häufig die Rede von einem "13. Monatsgehalt".

Ausschlaggebend für die Auszahlung ist dann, wie lange du schon im Betrieb arbeitest. Wenn du zum Beispiel erst zum 1. September deine Ausbildung angefangen hast, hast du nur einen anteiligen Anspruch auf ein Weihnachtsgeld von vier Zwölftel.

Das Weihnachtsgeld kann aber auch als Treueprämie und Anreiz ausbezahlt werden und steht dir zu, wenn du an einem bestimmten Stichtag im Unternehmen angestellt bist. Mischformen zwischen den beiden Varianten sind möglich. Daher solltest du immer genau überprüfen, welche Regelung für dich gilt.

Julia Kanzog

Azubi-Ratgeberin Julia Kanzog

Peter, 16, 1. Ausbildungsjahr, Einzelhandelskaufmann: "Wir haben in der Berufsschule unsere Gehälter verglichen. Wir bekommen kein Weihnachtsgeld. Da das Jahr bald zu Ende geht, wollte ich fragen, ob ich mit einem Weihnachtsgeld rechnen und wo ich da nachschauen kann?"
"Dr. Azubi": Zum Thema Weihnachtsgeld wirst du vergeblich in Paragrafen blättern. Es gibt dazu kein Gesetz und somit auch keinen gesetzlichen Anspruch. Diese Sonderzahlung leitet sich meistens aus tarifvertraglichen Regelungen oder Betriebsvereinbarungen ab. Wenn dein Betrieb tarifgebunden ist, dann ist der gültige Tarifvertrag das richtige Nachschlagwerk.

Ein Anspruch auf Weihnachtsgeld kann sich aber auch aus einem individuellen Arbeitsvertrag ableiten. Wenn dein Arbeitgeber drei Jahre Weihnachtsgeld in gleicher Höhe gezahlt hat, dann ist ein Anspruch aufgrund einer betrieblichen Übung entstanden. Daraus lässt sich ein sogenanntes Gewohnheitsrecht ableiten – und dein Arbeitgeber muss auch in Zukunft die Zahlung leisten. Von dieser Pflicht kann er sich befreien, wenn er schriftlich darauf hinweist, dass es sich um eine freiwillige Zahlung handelt.

Meist wird das Weihnachtsgeld mit dem Novembergehalt ausbezahlt.

Nachfrage von Peter: "Und wenn ich einen Anspruch habe, wie hoch muss das Weihnachtsgeld sein?"
"Dr. Azubi": Da es keine gesetzliche Regelung für einen Pauschalbetrag für die Höhe des Weihnachtsgeldes gibt, wird häufig ein gewisser Prozentsatz vom Gehalt vereinbart. Die Höhe kann – je nach Branche und Region – sehr unterschiedlich ausfallen und von einigen Euro bis zu einem vollen Bruttoarbeitslohn variieren.

Wenn für dich ein Tarifvertrag gilt, muss dein Arbeitgeber dir die tarifvertragliche Höhe des Weihnachtsgeldes ausbezahlen. Welche Höhe für dich gilt, kannst du bei deiner zuständigen Mitgliedsgewerkschaft erfragen.

Nikita, 19, 2. Ausbildungsjahr, Fachinformatikerin: "Alle Kollegen bei mir im Betrieb haben Weihnachtsgeld bekommen. Nur ich bin leer ausgegangen."
"Dr. Azubi": Grundsätzlich gilt: Tarifvertragliche Regelungen und Betriebsvereinbarungen darf dein Arbeitgeber nicht einfach umgehen. Bestehen diese in deinem Unternehmen nicht, ist eine Differenzierung der Höhe des Weihnachtsgeldes nach Personengruppen nur im begründeten Einzelfall möglich.

Nach dem Gleichbehandlungsgrundsatz muss dein Arbeitgeber die Bildung unterschiedlicher Gruppen sachlich rechtfertigen können. Ebenso muss für eine Ungleichbehandlung ein sachlicher Grund vorliegen.

Ein Beispiel: Außendienstmitarbeiter_innen erhalten kein Weihnachtsgeld, da sie von den Kunden immer Weihnachtsgeschenke bekommen. Die Innendienstmitarbeiter_innen erhalten als Ausgleich vom Arbeitgeber Weihnachtsgeld.

Sind die Arbeitsbedingungen einer Gruppe miteinander vergleichbar, müssen diese Mitarbeiter_innen die gleiche Höhe an Weihnachtsgeld erhalten. Eine willkürliche Kürzung ist somit nicht möglich. Auch dann nicht, wenn du krank gewesen bist. Es sei denn, der Arbeits- oder Tarifvertrag sieht eine Kürzung oder Streichung des Weihnachtsgeldes für den Krankheitsfall vor. Erhältst du aufgrund einer betrieblichen Übung Weihnachtsgeld, kann es bei langer Krankheit unter bestimmten Umständen gestrichen werden.

Francesco, 22, 3. Ausbildungsjahr, Zimmermann: "Ich habe im Februar meinen Betrieb gewechselt, da ich es dort nicht mehr ausgehalten habe. Mein ehemaliger Betrieb verlangt von mir jetzt mein Weihnachtsgeld zurück. Darf er das?"
"Dr. Azubi": Unter bestimmten Umständen kann Weihnachtsgeld zurückgefordert werden, wenn es eine gültige Rückzahlungsklausel gibt. Diese kann sich aus deinem Ausbildungsvertrag oder einer Betriebsvereinbarung ergeben. Es gibt aber eindeutige Grenzen bei der Rückzahlung. Ein Betrag unter 200 Euro darf in keinem Fall zurückgefordert werden. Liegt das Weihnachtsgeld zwischen 200 Euro und einer Monatsvergütung, darf es innerhalb von drei Monaten zurückgefordert werden. Als Stichtag gilt das Auszahlungsdatum des Weihnachtsgeldes.


Hier geht es zum Weihnachtsgeld-Dossier des DGB.

Lust auf Weihnachtsgeschenke?
Der Job der Gewerkschaften ist es, für bessere Verhältnisse am Arbeitsplatz einzutreten. In vielen Fällen gilt im Betrieb ein Tarifvertrag, den die Gewerkschaft abgeschlossen hat. Gewerkschaft und Arbeitgeber treffen darin Absprachen über Lohn, Urlaub, Arbeitszeit und auch Weihnachtsgeld. Er gilt nur für Gewerkschaftsmitglieder.


Wie man das wird, erfährst du hier.

(aus der Soli aktuell 11-12/2017, Autorin: Julia Kanzog, aktualisiert am 13. November 2018)

 

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