Deutscher Gewerkschaftsbund

Begeisterung wecken: Die DGB-Jugend in Palästina

Zum Engagement der DGB-Jugend in Palästina. Von Christian Beck

Christian Beck

Engagiert in Israel und Palästina: Christian Beck von der IG BAU © Paul Schirmweg

Seit vielen Jahrzehnten unterhält die Gewerkschaftsjugend gute Beziehungen zur Histadrut, dem israelischen Gewerkschaftsdachverband. Im Lauf der Zeit ist so eine beachtliche Zahl an Delegationsreisen, Veranstaltungen und Freundschaften zusammengekommen, immer wieder wurden die Austauschprogramme überarbeitet. Seit einigen Jahren wird innerhalb der DGB-Jugend diskutiert, ob die künftigen Israel-Delegationen ihr Programm erweitern sollten. Konkret geht es darum, wie die Situation von palästinensischen Arbeiter_innen beleuchtet werden kann. Die Frage stellt sich auch deshalb, weil diese einen besonders hohen Anteil der Wanderarbeiter_innen in Israel ausmachen.

Durch Kontakte zwischen der IG BAU und der palästinensischen Baugewerkschaft konnte bereits 2011 ein erster Austausch mit jungen Bauarbeitern organisiert werden. Unabhängig davon wurden in den folgenden Jahren Sondierungsgespräche mit dem Dachverband Palestinian General Federation of Trade Unions (PGFTU) geführt. Wichtig war hierbei auch, eine Einschätzung zu erhalten, wie die gewerkschaftspolitische Lage in den Palästinensergebieten ist – die Situation in der Westbank gilt als wenig stabil: In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Machtkämpfen zwischen der Autonomiebehörde und Gewerkschaften.

Im Mai 2017 schließlich führte die DGB-Jugend einen Workshop in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung durch. Thema: das Gewerkschaftsleben der jungen Generation in Palästina. Gleichzeitig ging es auch darum, einen Eindruck von der gewerkschaftlichen (Jugend-) Arbeit in Deutschland zu vermitteln.

Für die DGB-Jugend führten Ronja Endres (IG BCE) und ich den Workshop durch. Dabei wurde deutlich, dass die PGFTU mit einem hohen Vertrauensdefizit unter den Arbeiter_innen und den eigenen (jungen) Mitgliedern zu kämpfen hat. Gleichzeitig gestaltet sich die Auseinandersetzung mit der Palästinensischen Autonomiebehörde und den Arbeitgebern sehr schwierig. Die Gründe: Korruption und mangelnde Mobilisierungsfähigkeit zur Durchsetzung der gewerkschaftlichen Ziele. Ein Abkommen mit der Histadrut zur Betreuung von palästinensischen Arbeiter_innen in Israel wird überdies in Palästina selbst sehr kritisch betrachtet. Zu konkreten Absprachen über eine künftige Zusammenarbeit kam es nicht.

Ronja und ich zeigten in dem Workshop die besonderen Handlungsmöglichkeiten auf, die (junge) Gewerkschafter_innen haben. Anhand von konkreten Beispielen wurde die Arbeit – und auch die Gedenkarbeit – der Gewerkschaftsjugend aufgezeigt und klar gemacht, dass es eine Kooperation nur auf der Grundannahme der Zwei-Staaten-Lösung geben kann.

Fazit: Die Voraussetzungen für Gewerkschaftsarbeit in Palästina sind nicht die besten. Das mag an dem Dauerkonflikt mit Israel liegen, hat aber auch eindeutige innenpolitische und innergewerkschaftliche Gründe. Wie dem auch sei: Die Frage künftiger Kooperationen wird sich sicherlich daran entscheiden, ob und wie es gelingt, die junge Generation in Palästina für gute Gewerkschaftsarbeit zu begeistern.


Christian Beck ist Gewerkschaftssekretär der IG BAU.

(aus der Soli aktuell 10/2017, Autor: Christian Beck)

Hier geht's zum Soli-Archiv

WIR IM SOCIAL WEB