Deutscher Gewerkschaftsbund

Ich war jung und brauchte das Geld: Dr. Azubi erklärt die Ausbildungsfinanzierung

Große Sprünge kannst du während deiner Ausbildung mit deiner Vergütung nicht machen. "Dr. Azubi" macht mit dir den Check, ob dein Verdienst ausreicht – und klärt dich darüber auf, welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt.

Julia Kanzog

Azubi-Ratgeberin Julia Kanzog © Privat

Vergütung
Deine Ausbildungsvergütung kann je nach Beruf und Branche zwischen ca. 250 Euro und 800 Euro brutto im ersten Lehrjahr schwanken. Mit jedem Ausbildungsjahr muss die Vergütung ansteigen.

Wenn es in deiner Branche einen gültigen Ausbildungstarifvertrag gibt und dein Betrieb tarifgebunden ist, dann muss man sich dort an diese Vorgaben halten. Ob er tarifgebunden ist, erfährst du bei deiner zuständigen Mitgliedsgewerkschaft. In einigen Branchen gibt es auch allgemeinverbindliche Tarifverträge, die für alle Betriebe gelten (z. B. Bäcker_in). Wenn dein Betrieb nicht tarifgebunden ist, darf er die branchenübliche tarifliche Vergütung nicht mehr als 20 Prozent unterschreiten. "Dr. Azubi"-Tipp: Wenn deine Vergütung nicht den Vorgaben entspricht, warte am besten die Probezeit ab – und fordere dann die höhere Vergütung ein. Du kannst sie auch rückwirkend erhalten.

Fahrtkosten
Die Fahrtkosten zu deinem Betrieb musst du aus eigener Tasche bestreiten. Etwas anderes gilt, wenn du von deinem Betrieb aus an Ausbildungsorten eingesetzt wirst, die nicht in deinem Ausbildungsvertrag festgehalten sind.

Ein Beispiel: Du wirst in eine andere Filiale versetzt oder musst auf eine Baustelle, die weit vom Ausbildungsbetrieb entfernt ist. Den Mehraufwand für die Fahrtkosten muss dein Betrieb dann tragen. Fahrtkosten für Schulungen und Lehrgänge sind ebenso vom Betrieb zu zahlen.

"Dr. Azubi"-Tipp: In einigen Bundesländern werden Fahrtkosten in die Berufsschule über das zuständige Landratsamt erstattet, wenn sie eine bestimmte Grenze übersteigen. Frage am besten mal bei deiner Berufsschule nach.

Kindergeld
Kindergeld bekommst du weiterhin während deiner Erstausbildung, und zwar bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres. Zurzeit beträgt das Kindergeld zwischen 192 Euro und 223 Euro – je nachdem, wie viele Geschwister du hast. Wohnst du noch bei deinen Eltern, dann steht es ihnen als Unterstützung für deinen Unterhalt zu. Wohnst du nicht mehr zu Hause, entstehen deinen Eltern keine Kosten mehr, und es muss dir ausgezahlt werden.

"Dr. Azubi"-Tipp: Weigern sich deine Eltern, dir das Kindergeld auszuzahlen, kannst du einen sogenannten Abzweigungsantrag bei der zuständigen Familienkasse stellen.

Berufsausbildungsbeihilfe
Wenn du einen eigenen Haushalt führst, kannst du über die Bundesagentur für Arbeit eine finanzielle staatliche Unterstützung, die Berufsausbildungsbeihilfe (kurz: BAB), beantragen. Aber: Nur wenn es sich um deine erste Ausbildung handelt, diese staatlich anerkannt ist, du nicht mehr zu Hause wohnst und deine Eltern unter bestimmten Einkommensgrenzen liegen, erhältst du diese Förderung.

Wenn du keine BAB erhältst, weil deine Eltern zu viel verdienen, dann schulden sie dir während deiner Erstausbildung Unterhalt. Die Höhe der Förderung ist von weiteren Faktoren – etwa die Höhe deiner Ausbildungsvergütung und die Fahrtkosten – abhängig. Ob und wieviel BAB dir ungefähr zusteht, kannst du online auf dem Portal der Arbeitsämter unter www.babrechner.arbeitsagentur.de prüfen. Im Gegensatz zum BAföG muss die BAB nicht zurückgezahlt werden.

"Dr. Azubi"-Tipp: Stelle den Antrag so früh wie möglich, am besten schon vor Ausbildungsbeginn. Die Bearbeitungszeit kann gerade zu Beginn der Ausbildung lang sein. Das Gute ist: Wenn der Antrag bewilligt wurde, bekommst du die Unterstützung auch rückwirkend – ab dem Zeitpunkt, zu dem du den Antrag gestellt hast. Wichtiger Hinweis: Den Antrag kannst du online stellen.

Wohngeld
Wohngeld während der dualen Ausbildung gibt es nur sehr selten: nur in dem Ausnahmefall, wenn dein BAB-Antrag "dem Grunde nach" abgelehnt wird, weil du deine Zweitausbildung machst. Wenn du mit mehreren Familienmitgliedern zusammen wohnst, kann es sein, dass ihr alle gemeinsam als Haushalt Anspruch auf Wohngeld habt. Den entsprechenden Antrag gibt es bei der zuständigen Wohngeldstelle der Gemeinde.

Nebenjob
Wenn du keine finanzielle Unterstützung bekommst oder dir diese nicht ausreicht, kannst du auch einen Nebenjob annehmen. Am günstigsten ist für dich ein 450-Euro-Job, da hier keine Steuern und Sozialabgaben anfallen. Du musst deinen Ausbildungsbetrieb über deinen Nebenjob informieren. Aber nur, wenn du für ein Konkurrenzunternehmen arbeitest oder der Nebenjob sich negativ auf deine Ausbildungsleistung auswirkt, darf dein Betrieb eine Nebentätigkeit untersagen.

"Dr. Azubi"-Tipp: Bei deinen Arbeitsstunden werden deine Ausbildungszeit und die Zeiten deines Nebenjobs addiert. In Summe darfst du die Grenzen des Arbeitszeit- oder Jugendarbeitsschutzgesetzes nicht überschreiten.

Sonstiges Als Auszubildender erhältst du viele Vergünstigungen, die dir helfen können, mit deinen knappen Mitteln über die Runden zu kommen. Ermäßigte Eintritte bei Kinos, Museen, ein kostenloses Girokonto oder ein vergünstigtes Ticket für den Nah- und Fernverkehr für Auszubildende sind einige Beispiele. Bei deinen Wohnkosten kannst du sparen, indem du in einer Wohngemeinschaft oder in einem Azubiwohnheim wohnst. Ein guter Haushaltsplan hilft dir, den Überblick zu behalten.


(aus der Soli aktuell 10-2017, Autorin: Julia Kanzog)


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DGB-Jugend: Deine Rechte in der Ausbildung – Tipps für den Berufsstart und die Berufsausbildung, Juli 2017, auf http://jugend.dgb.de/broschueren
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