Deutscher Gewerkschaftsbund

Wir haben gewählt: Das ist jetzt unser wichtigster Verbündeter

Die neue JAV steht. Wie geht es nun weiter? Auf jeden Fall zum Betriebsrat! Von Florian Haggenmiller

Die Wahl ist gewonnen, ihr habt euer neues Amt angetreten – Glückwunsch! Ihr seid jetzt die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV)!

Aber Vorsicht: Oft gibt's in den Jugendgremien keine Kontinuität, was die personelle Zusammensetzung angeht. Und das heißt auch: Es ist gut möglich, dass da die ein oder andere wichtige Info unter den Tisch fällt.

Damit ihr Neuen einen möglichst guten und problemlosen Start in eure Arbeit habt, trefft ihr euch am besten mit euren Vorgänger_innen für eine sorgfältige Übergabe. Nützlich sind Informationen über betriebliche Abläufe, Zuständigkeiten, Einschätzungen über Ausbildungsleiter und auch zur Arbeitgeberseite.

Gehört der Betrieb zu einem Unternehmen oder gar Konzern, sollten sich die neuen Gremienmitglieder natürlich in gebotener Kürze über die Existenz von überörtlichen Gremien informieren – und darüber, wie sich die Mitarbeit dort gestaltet.

Aber stehen die Ehemaligen immer und ewig mit Rat und Tat bereit? Nicht unbedingt! Und so wird euer wichtigster Verbündeter der Betriebsrat sein.

Dieses Gremium, das von allen volljährigen Beschäftigten – also auch den entsprechenden Azubis – gewählt wird, hat deutlich mehr Mitsprache- und Mitbestimmungsrechte als die JAV. Deshalb ist sie auf eine gute Zusammenarbeit angewiesen. Und die Kooperation zwischen den beiden Gremien ist sehr eng angelegt: Denn laut Betriebsverfassungsgesetz ist der Betriebsrat verpflichtet, einen JAVi – manchmal auch die ganze JAV – zu seinen Sitzungen einzuladen, ebenso zu allen Besprechungen mit dem Arbeitgeber, in denen es um die Belange von Azubis oder jugendlichen Beschäftigten geht.

Die JAV hat sogar ein Antragsrecht gegenüber dem Betriebsrat. Ihr könnt also auch versuchen, Ideen und Initiativen in die Betriebsratsarbeit einzubringen – wenn es etwa um Rassismus oder ums duale Studium geht.

Der Betriebsrat sollte euch auch über die einschlägigen Tarifverträge und vor allem die Betriebsvereinbarungen informieren, die auch oder aber ausschließlich für die Wähler_innen der JAV gelten. Was der Arbeitgeber an Sachmitteln zur Verfügung stellt, möchten die Neuen auch gerne wissen. Also nicht vergessen zu erwähnen, wo der Aktenschrank für sämtliche Unterlagen im Betriebsratsbüro steht, die Fachliteratur oder die von der Gewerkschaft gelieferten Broschüren.

Eine besonders wichtige Aufgabe für die JAV wird auch sein, mitzuhelfen, viele junge Geflüchtete über Ausbildung und Arbeit in unsere Gesellschaft zu integrieren. Millionen Menschen sind derzeit aus Krisengebieten der Welt auf der Flucht. Allein in Deutschland haben über eine Million Menschen im Jahr 2015 Schutz und Zuflucht gesucht, darunter viele junge Menschen, die eine Ausbildung beginnen wollen. Der Nationale Bildungsbericht sieht deshalb einen zusätzlichen Bedarf von 96.000 Ausbildungsstellen. Gut möglich, dass dies Folgen für euren Betrieb hat. Damit die Qualität der Ausbildung auch hier stimmt, seid ihr gefragt.

Gute Beziehungen zum Betriebsrat zahlen sich im Übrigen schnell aus: Mitglieder der JAV haben – wie die Mitglieder des Betriebsrats – Anspruch darauf, von ihrer Arbeit freigestellt, aber weiter bezahlt zu werden, wenn sie an einer Schulung teilnehmen, die die JAV und der Betriebsrat für erforderlich halten. Prüft gemeinsam, welche Qualifizierungsmaßnahmen außerdem notwendig sind. Die Gewerkschaften bieten hier oft mehrteilige Seminarreihen zur Mitbestimmung an.

Ach, und natürlich – die neue JAV darf ruhig wissen: Alle erforderlichen Bücher, Büromaterialen und sonstigen Sachmittel werden nicht aus eigener Tasche bezahlt. Eine gute Grundlage für eure Arbeit ist das Handbuch "Die Praxis der JAV von A bis Z". Es erscheint nun schon in der neunten Auflage. Dieses Standardwerk bietet euch Orientierung anhand von Stichworten, zahlreichen Anmerkungen, Erläuterungen zu den relevanten Gesetzen und Mustertexte für die tägliche Arbeit.


Florian Haggenmiller ist DGB-Bundesjugendsekretär und Mitautor des JAV-Handbuchs "Die Praxis der JAV von A bis Z. Das Lexikon für die Arbeit der Jugend- und Auszubildendenvertretung, Bund-Verlag, Frankfurt/M. 2017, 577 S., 49,90 Euro"

(aus der Soli aktuell 1/2017, Autor: Florian Haggenmiller)

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