Deutscher Gewerkschaftsbund

Erinnerung und Verantwortung: Die DGB-Jugend in Auschwitz

Gedenkkultur: Die Auschwitzreise der DGB-Jugend Berlin-Brandenburg hat die Erfahrungen der Gedenkstättenfahrt 2015 aufgenommen. Erinnern ist heute mehr denn je nötig, meint David Fischer.

Rose im Schlaftrakt einer Baracke

© DGB-Jugend BB/David Fischer

Nach der großen Bündnisfahrt 2015 hatten wir den gemeinsamen Anspruch, die Eindrücke und Impulse aus der Fahrt aufzugreifen und fortzuführen. Insbesondere gab es den Wunsch, auch 2016 eine Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz durchzuführen. Am 17. Juni 2016, auf den Tag genau ein Jahr später, machten wir uns dann mit rund 30 jungen Kolleg_innen wieder auf den Weg nach Polen.

Vielen von uns blieb der widersprüchliche Umgang mit der Thematik vor Ort in Erinnerung: Einerseits Gedenkort und Museum mit einer kompetenten Begleitung bei unseren Rundgängen durch die beiden Lager, andererseits Touristenattraktion und Ausflugsziel, wo Geschäfte Modelle des bekannten Lagertors und weitere "Erinnerungsstücke" verkaufen. Die Diskussion darüber, wie ein angemessener Umgang mit der Shoah auszusehen hat, begleitete uns über die gesamte Fahrt hinweg.

Es war sehr bewegend, wie in allen Gedenkstätten und Museen sowie in Krakau die Erinnerung an jüdisches Leben und Kultur in Europa vor der Shoah wachgehalten wird. Für uns erhielten die Opfer dadurch wieder ein Gesicht und ein Leben. Es führte uns auch sehr eindringlich vor Augen, welche reichhaltige und vielfältige Kultur Europa durch die Shoah verloren gegangen ist.

Beim Gang durch die Lager in Auschwitz lässt sich das Grauen und unmenschliche Leid der Menschen nur erahnen. Umso wichtiger ist es aber, die Erinnerung daran wachzuhalten. Sie mahnt uns, wohin Antisemitismus und Rassismus führen können. Sie verpflichtet uns, für eine Gesellschaft zu streiten, die auf Werten wie Humanität, Solidarität und gegenseitiger Achtung basiert.

Für uns ist klar, dass sich diese Erinnerungsarbeit nicht nur in Gedenkstättenfahrten erschöpfen kann. Unser Ziel ist es, die Erfahrungen aus diesen Fahrten aufzugreifen und in unsere Bildungsarbeit einfließen zu lassen, zum Beispiel mit einem Workshop zu "Medizin" in Auschwitz auf unserer Sommerakademie im Juli in Flecken Zechlin. Wir haben noch viel mehr Ideen. Nun müssen wir sie umsetzen.


David Fischer ist Jugendbildungsreferent des DGB Berlin-Brandenburg.

(aus der Soli aktuell 7/2016: Autor: David Fischer)

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